Andreas Gruber kommt ins Bürgerhaus

Schwächen machen menschlich

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Bestsellerautor Andreas Gruber liest im Bürgerhaus aus seinem Roman „Todesreigen“.  (c)

Dietzenbach - Andreas Grubers Thriller haben sich hunderttausendfach verkauft. Am Donnerstag, 12. April, liest er ab 20 Uhr im Bürgerhaus am Europaplatz.

Weshalb er auch Geschichten schreibt, die nicht ganz so gefragt sind und wie man aus der Masse heraussticht, hat er unserem Redakteur Christian Wachter erzählt.

Sie haben mal gesagt, dass Sie Ihre Texte gerade kritischen Testlesern zur Lektüre geben. Wie waren die ersten Reaktionen auf ihren neuesten Thriller „Todesreigen“?

Nachdem ich mein Exposé eingereicht habe, wurde das im Verlag durchaus kritisch aufgenommen. Ein Serienkiller taucht darin nämlich nicht mehr auf. Und Leser mögen Veränderungen eher weniger, aber ich wollte diesen Roman trotzdem so schreiben. Wenn ich mit Bekannten und befreundeten Autoren über meine Texte spreche, geht die Kritik auch sehr ins Detail, wir sprechen über Dinge wie die Motivation der Figuren oder die Kapitelaufteilung.

Wie kompromissbereit sind Sie bei Änderungen in Ihren Texten?

Meine Lektorin hat sicher einen besseren Blick auf den Buchmarkt als ich. Wenn sie mich nach der Lektüre des Exposés bittet, das ein oder andere zu berücksichtigen, dann sprechen wir darüber. Wenn wir uns einig sind, arbeite ich die Details aus. Ich bin also kompromissbereit, könnte aber auch keine Auftragsarbeit schreiben, bei der ich Dinge, die mir wichtig sind, nicht einbringen darf.

Über Ihren Kommissar Maarten S. Sneijder haben Sie einmal geschrieben: „Ein Kotzbrocken, ein Misanthrop, er hasst Menschen, er klaut Bücher, hat Cluster-Kopfschmerzen, akupunktiert sich selbst und raucht Marihuana.“ Läuft man bei all diesen Eigenschaften Gefahr, seinen Protagonisten zu überladen?

Man muss einer Figur auch Schwächen mitgeben, das macht sie menschlich. Und Maarten S. Sneijder bekommt dadurch eine gewisse Art von Humor. Dann habe ich ihm mit Sabine Nemez ja eine Ermittlerkollegin zur Seite gestellt, die ihm Kontra gibt. Sie ist die einzige, die es mit ihm aufnehmen kann. Noch mehr solcher Eigenschaften hätte ich ihm aber wohl nicht andichten können.

Der Markt für Spannungsliteratur ist groß, wie setzt man sich als Autor da durch?

Das ist schwierig. Tausende sind auf der Suche nach einem Weg, aus der Masse herauszustechen. Dass jemand wirklich etwas komplett Neues macht, das passiert nur alle paar Jahrzehnte einmal. Es geht also um die Art und Weise, wie man Dinge zusammensetzt. Ich versuche das zum Beispiel durch überraschende Wendungen, den Killer früher als erwartet aufzudecken oder zuerst einen vermeintlichen Mörder zu präsentieren. Auch bei den Mordarten achte ich auf Originalität.

In Ihren Kurzgeschichtenbänden wenden Sie sich Genres zu, die sich weniger häufig auf Bestsellerlisten finden. Horror, Phantastik oder Steampunk etwa. Worin liegt der Reiz im Format und in solchen Geschichten?

Ich habe mit Kurzgeschichten zu schreiben begonnen. Damals hatte ich noch nicht die Erfahrung, konnte mit verschiedenen Zeitebenen experimentieren, dem 19. und 20. Jahrhundert oder der Zukunft. Genres wie Science-Fiction und Phantastik haben mich ohnehin geprägt, schon durch Fernsehserien der Sechzigerjahre. Aber auch wenn es ökonomisch heute vielleicht nicht all zu viel Sinn ergibt, solche Kurzgeschichten zu schreiben – ich mache das weiterhin. Da steckt einfach mein Herzblut drin.

Ihr Wohnort Grillenberg in Niederösterreich sieht auf Bildern sehr beschaulich aus. Gibt es dort spezielle Bräuche fürs Osterfest?

Eigentlich nicht, wir haben ein Haus mit Garten, dort werden die Osternester versteckt. Aber es ist tatsächlich sehr idyllisch, ein Ort am Ende einer Sackgasse, die Straße hört dort auf.

Eigentlich die perfekte Kulisse für einen Roman...

Tatsächlich ist der Handlungsort meines ersten Romans „Der Judas-Schrein“ ein ähnlich abgelegenes Dorf. Der Ermittler kommt darin an den Ort seiner Jugend zurück. Ich habe vor, das mittlerweile vergriffene Buch zu überarbeiten und in ein paar Jahren noch einmal herauszubringen.

Wir verlosen dreimal zwei Tickets für die Lesung mit Andreas Gruber im Bürgerhaus. Wer gewinnen möchte, schickt unter dem Stichwort „Gruber“, versehen mit Namen, Adresse und Telefonnummer bis Montag, 9. April, 15 Uhr, eine Mail an gewinn_dietzenbach@op-online.de, oder eine Karte an die Offenbach-Post, Frankfurter Straße 1, 63128 Dietzenbach. Wer nicht gewinnt, die Lesung aber nicht verpassen möchte, bekommt Tickets an der Theaterkasse des Bürgerhauses (Europaplatz 3), Karten gibt’s ab 15 Euro.

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