Stellungnahme zum Schulentwicklungsplan

Situation ist „sehr angespannt“

Dietzenbach - Fünf staatliche Grund- und zwei weiterführende Schulen gibt es in der Kreisstadt. Doch die stoßen beim Platzbedarf an ihre Grenzen. Der vom Kreis Offenbach vorgelegte Schulentwicklungsplan offenbart für Dietzenbach noch keine vollends zufriedenstellende Lösung. Von Ronny Paul 

Den Eindruck erweckt zumindest eine Stellungnahme der Stadt. Nach der Kita kommt die Schule – im Leben wie in der kreisstädtischen Politik. Die Diskussionen um den Neubau der Kita II, Brunnenstraße, sind noch nicht abgeebbt, da debattieren Magistrat und Stadtverordnete über den Schulentwicklungsplan des Kreises Offenbach. Denn klar ist – das macht Erster Stadtrat Dieter Lang in einer Stellungnahme der Stadt gegenüber dem Kreis deutlich –, die Situation in den staatlichen Schulen in Dietzenbach ist „sehr angespannt“. Daher beurteilt Lang den den Kreiskommunen als Beratungsexemplar vorgelegten Schulentwicklungsplan als „unzureichend“. Die zahlenmäßige Auslastung sowie zusätzliche Herausforderungen bringen die Lehranstalten bereits an ihre Grenzen.

Im aktuellen Schulentwicklungsplan heißt es: „Sowohl in der Altersgruppe der unter Sechsjährigen als auch in der Altersgruppe der Sechs- bis unter 15-Jährigen führt die Stadt Dietzenbach die Statistik an, in der Summe mit einem Anteil von 17,4 Prozent an der Gesamtbevölkerung.“ Zudem zeige die Prognose für die kommenden Jahre eine weitere deutliche Zunahme der Schülerzahlen. Diese Schätzung sei allerdings nach den Annahmen des Fachbereichs Soziale Dienste noch zu niedrig angesetzt. „Ohne deutlichen Ausbau der Raumkapazität und der Bereitstellung zusätzlicher Ressourcen in den Bereichen Sprachförderung, Hausaufgabenhilfe, Schulsozialarbeit, Inklusion und Nachmittagsbetreuung kann in Dietzenbach dem Schülerwachstum nicht zufriedenstellend begegnet werden.“ Das zeigt etwa die Situation an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule, die räumlich aus allen Nähten zu platzen droht und auch von Veränderung der Zusammensetzung der Schülerschaft betroffen ist. Alle fünf Dietzenbacher Grundschulen haben zudem Vorklassen mit insgesamt mehr als 60 Schülern.

Bilder: Kerb in Dietzenbach

Die Stadt zeigt in ihrer Stellungnahme deutlich die kreisstädtische Situation und Perspektive auf: Dietzenbach sei einerseits die kinderreichste Kommune im Kreis, zugleich steche sie aus den Kreiskommunen durch außergewöhnliche soziale Belastungen hervor. „Die Anzahl von Kindern und Jugendlichen im Transferleistungsbezug und die Anzahl der Kinder mit Migrationshintergrund liegen deutlich über den Zahlen der anderen Kreiskommunen.“ Damit einher gehe die Tatsache, dass viele Schüler in ihren Elternhäusern wenig bis keine bildungs- beziehungsweise schulbezogene Unterstützung erfahren. Erster Stadtrat und Sozialdezernent Lang wird deutlich: „In puncto Kapazitätserweiterung bleibt der aktuelle Entwurf des Schulentwicklungsplanes 2018 unbefriedigend und scheint uns weder zeitlich noch inhaltlich ausreichend zu sein.“ Kurzfristig halte er es für notwendig, „Erweiterungen an den bestehenden Grundschulen vorzunehmen“. Die Stadt sehe „durch geschickte Ausnutzung der vorhandenen Flächen“ auch Möglichkeiten für eine schnelle Realisierung. Bei der Aufstellung des nächsten Regionalen Flächennutzungsplanes wolle der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung vorschlagen, „Gemeinbedarfsflächen für Schulen auszuweisen, um den Bau einer neuen Grundschule baurechtlich vorzubereiten“. Auf Nachfrage sagt Peter Amrein, Fachbereichsleiter Soziale Dienste: „Wir können uns nicht vorstellen, die Kapazitätserweiterung mit Containern zu bewältigen.“

Im Ausschuss für Soziales, Kultur und Integration haben die Stadtverordneten über den gemeinsamen Antrag der DL/FW-UDS, der Linken und der FDP diskutiert, der den Magistrat dazu auffordern soll, die Konsequenzen des Schulentwicklungsplanes für die Kreisstadt aufzuzeigen. Vecih Yasaner (Die Linke) rief dazu auf, an den Kreis zu appellieren, „etwas zu tun und nicht zu warten, bis sie uns was geben“. In dem Punkt waren sich alle Volksvertreter einig. Grünen-Fraktionsvorsitzende Andrea Wacker-Hempel wies jedoch darauf hin, mehrspurig zu fahren. Denn schließlich sei der Kreis nur für die „Hardware“, also die Gebäude zuständig, das Kultusministerium jedoch für das Personal. Stadtverordnetenvorsteherin Christel Germer nahm den mehrfachen Vorschlag auf, zu dem Thema eventuell eine Sondersitzung einzuberufen.

Archivbilder

Fliegendes Klassenzimmer

Kritik äußerten die Stadtverordneten an der Informationspolitik der Stadt. Die Stellungnahme war den Mitgliedern am Tag des Ausschusses noch nicht bekannt, obwohl sie bereits am 10. April abgegeben wurde. Wacker-Hempel sagte, sie erwarte, dass der Magistrat mit mehr Engagement auf die Stadtverordneten zugehe. Zweifel an den vorgelegten Zahlen äußerte Jens Hinrichsen (DL/FW-UDS): „Wenn 20 Prozent Zuwachs in den nächsten sechs Jahren stimmt, bedeutet das auch, dass wir im Kitabereich 20 Prozent mehr haben – dann haben wir ein Problem.“

Das Thema wird in der Stadtverordnetenversammlung am kommenden Freitag, 5. Mai, 19 Uhr, im Rathaus (Europaplatz 1) weiterdiskutiert. Doch den Dietzenbachern bleibt letztendlich nur der Versuch, mit Argumenten Einfluss zu nehmen, die Entscheidungen treffen allerdings der Kreis und das Kultusministerium.

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa

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