Dietzenbach

Corona: Dietzenbacher Buchhandlung hofft auf finanzielle Hilfe

Mit Sicherheitsabstand und Schutzmasken werden die Kunden von Mitarbeiterin Karin Hertel (links) und Inhaberin Jutta Schmitt beraten. Foto: Reus
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Mit Sicherheitsabstand und Schutzmasken werden die Kunden von Mitarbeiterin Karin Hertel (links) und Inhaberin Jutta Schmitt beraten. 

Die Buchhandlung  „Bücher bei Frau Schmitt“ in Dietzenbach hat wegen der Coronakrise große finanzielle Einbußen, doch die Soforthilfe lässt auf sich warten.

Dietzenbach – Ein Mann in einem hellblauen Hemd und mit grauweißen Haaren stellt sich auf die Türschwelle der Buchhandlung „Bücher bei Frau Schmitt“. Er trägt keine Schutzmaske.

Schon im Eingangsbereich informiert ein Schild über die aktuellen Beschränkungen durch Corona: nicht mehr als drei Kunden gleichzeitig im Laden und betreten nur mit Mund-Nasen-Schutz. „Sie dürfen den Laden nur mit Maske betreten“, mahnt Mitarbeiterin Karin Hertel „Ich weiß, aber ich halte nicht so viel davon; können Sie mir ein Buch für meine Frau empfehlen, einen Roman?“, sagt der Mann in der Tür stehend. Inhaberin Jutta Schmitt entgegnet: „Wie wäre es mit ,Häuser aus Sand", ein Buch mit schöner Sprache, über eine palästinensische Familie, die aus ihrer Heimat vertrieben wird?“ „Klingt interessant, ich hole es dann morgen ab, Tschüss. “ Der Mann geht wieder.

Normalerweise seien die Menschen alle sehr achtsam mit den neuen Regelungen, berichtet Inhaberin Jutta Schmitt. Auch wenn einige die Schutz-Maßnahmen ablehnen. Seit einem Monat darf sie nun wieder Kunden in ihrem Laden bedienen. Dass jemand einfach hereinspaziert, ohne sich an die Regeln zu halten, sei seit den Lockerungen noch nicht vorgekommen.

Die Corona-Krise ist auch eine Chance, dass Menschen wieder achtsamer werden, findet sie. Das zeige sich auch darin, dass viele Kunden jetzt die kleineren Geschäfte wie ihre Buchhandlung bewusst unterstützen. Durch Corona sind auch die guten Verbindungen zu den anderen Geschäften in der Altstadt, aber auch zu den Kunden, deutlich geworden, „noch deutlicher, als mir das bewusst war“. Das habe sich laut Jutta Schmitt vor allem während die Läden schließen mussten, noch einmal besonders gezeigt. In der Krise rückten die inhabergeführten Einzelhändler in Dietzenbach zusammen.

Arne Brokmeier vom befreundeten Blumenladen um die Ecke hatte am ersten Tag der Schließung einen Strauß vorbeigebracht. Gegenseitige Unterstützung: Die offenen Läden verkauften die Waren von anderen, die nicht mehr öffnen durften.

Um ihre Buchhandlung an die Corona-Vorgaben anzupassen, hat Jutta Schmitt einiges geändert. An der Kasse des kleinen Geschäfts sorgt nun ein selbst gebastelter Schutz aus einem Duschvorhang dafür, dass Kunden und Kassiererin vor dem Virus geschützt sind. 20 Zentimeter Abstand zwischen Theke und Vorhang ermöglichen das Bezahlen. Den Vorhang hat Schmitt’s Mann selbst angefertigt. Generell hat sie sich auf ihren Partner verlassen können. Während das Geschäft geschlossen war, hat er Bücher nach der Arbeit ausgeliefert. Das Angebot war ein Erfolg (wir berichteten). „Wir führen den Lieferdienst jetzt dienstags und freitags weiter“, berichtet die Inhaberin, „gerade für Menschen, die nicht aus dem Haus können, ist das eine gute Lösung“. Die Krise als Chance für neue Geschäftsfelder.

Dennoch habe die Pandemie auch zu erheblichen finaziellen Einbußen geführt. „Natürlich habe ich versucht, die Corona-Soforthilfe zu beantragen“, führt die 52-Jährige aus, „das ist mittlerweile sechs Wochen her, ich habe schon fünf Nachfragen von der Behörde zu meinem Formular erhalten, aber immer noch keinen Cent gesehen“. Schmitt hofft, dass sie in den kommenden Wochen nun endlich die ersehnten finanziellen Hilfen erhält.

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