Eigentümer wählen „Abendschein und Hetschold UG“ ab

Spessartviertel: Hausverwaltung vor die Tür gesetzt

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Die „Sven Adam Liegenschaftsverwaltung“ kümmert sich nun um die fünf Hochhäuser des Spessartviertels.

Dietzenbach - Nach fast fünf Jahren verwaltet die „Abendschein und Hetschold UG“ nicht mehr die fünf Hochhäuser des Spessartviertels. Die Eigentümer haben die Hausverwaltung abgewählt, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt. Von Ronny Paul 

Gegen 19 Uhr klappt Hausverwalter Manfred Abendschein seinen Laptop zusammen, bedankt sich für die Zusammenarbeit, steht auf und geht. Der wohl letzte Akt der Spessartviertel-Hausverwaltung „Abendschein und Hetschold UG“. Denn bei der Erbbauberechtigtenversammlung am Samstag im Hotel Sonnenhof wurde die amtierende Verwaltung eindeutig abgewählt. „Es ist ein guter Tag für die Wohnanlagen und für die dort lebenden Menschen“, sagt Walter Fontaine. „Und auch für die Wohnungsgesellschaft Dietzenbach“ (WGD), deren Geschäftsführer Fontaine ist. Er berichtet: Von 100.000 Miteigentumsanteilen seien 81.631 stimmberechtigt gewesen, allein 50.548 davon entfielen auf die neue Hausverwaltung aus Frankfurt, die „Sven Adam Liegenschaftsverwaltung“.

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Diese ist seit Samstag mit sofortiger Wirkung für die kommenden zwei Jahre im Amt. Insgesamt standen vier zur Wahl, Abendschein und Hetschold bekamen lediglich eine Stimme. Auch Verwaltungsbeiratsvorsitzender Marcel Haufschild ist seinen Posten los. Dessen Stelle nimmt nun Wohnungseigentümer Hassan Annou ein, der laut Fontaine durch „geschickte Verhandlungen und gute Fügung der Dinge“ mit großer Mehrheit gewonnen hat. Haufschild schaffte es dennoch, einen Sitz im Beirat zu ergattern.

Damit endet eine unrühmliche Ära. Und das, obwohl Abendschein auch diesmal versucht habe, durch eine Wiederwahl Gerichtsurteile zu umgehen, sagt Fontaine. Sowohl gegen Abendschein und Hetschold als auch gegen Haufschild ermittelt die Staatsanwaltschaft: Es gab Hausdurchsuchungen der Büros und Privaträume, unter anderem wegen Verdachts auf Betrug, Untreue, Urkundenfälschung und andere Straftaten, fasst Fontaine zusammen, der jahrelang mit beiden juristisch im Clinch lag. „Wir sind immer wieder ausgetrickst worden“, erinnert er und hofft: „Das hat jetzt ein Ende, dafür haben wir hart gearbeitet, entsprechend groß ist die Freude.“

Dabei schien die Versammlung erneut unter ähnlich schlechten Vorzeichen zu stehen wie die etlichen zuvor: Eigentümer Peter Kunth etwa hatte seine Teilnahme im Vorfeld abgesagt, weil er vermutete, dass der seit fast fünf Jahren amtierende Hausverwalter Manfred Abendschein „keine freie Diskussion und Meinungsbildung“ zulassen werde: „Der Psychoterror wird in der durch den Saalschutz abgesperrten Versammlung durch die teilweise bewaffneten und potenziell gewalttätigen [...] Saalschützer erneut Platz greifen.“

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Dem war nur teilweise so, schildert Fontaine. Eine geheime Wahl war diesmal im Gegensatz zu den vorherigen Versammlungen möglich. Und obwohl zehn Saalschützer ein „ungutes Gefühl“ haben aufkommen lassen, empfang Fontaine die Versammlung als „ruhig und größtenteils sachlich“.

Pikant: Fontaine prüfte vor der Versammlung zusammen mit zwei Eigentümern Vollmachten, gesammelt in 20 Aktenordnern, „darunter originale, aber auch etliche Kopien“, berichtet er. „Merkwürdigerweise waren auch Vollmachten aus dem Jahr 2014 dabei, die die Polizei bei den Hausdurchsuchungen nicht gefunden hatte.“ Fontaine hat derweil schon Kontakt zur „Sven Adam Liegenschaftsverwaltung“ aufgenommen und ein Gespräch im Rathaus zwischen der Verwaltung, dem WGD-Geschäftsführer, Bürgermeister Jürgen Rogg und Erstem Stadtrat Dieter Lang vereinbart.

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