„Als gäbe es Corona nicht“

Anwohner im Spessartviertel haben Angst wegen Corona

Vor allem in den Abendstunden sollen sich rund um die Buden zahlreiche Menschen versammeln. Anwohner sorgen sich darum um die Einhaltung der Corona-Regeln. Die zuständige Hausverwaltung sieht kein Problem.
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Vor allem in den Abendstunden sollen sich rund um die Buden zahlreiche Menschen versammeln. Anwohner sorgen sich darum um die Einhaltung der Corona-Regeln. Die zuständige Hausverwaltung sieht kein Problem.

Menschen versammeln sich um Imbissbuden im Spessartviertel in Dietzenbach: Bürger kritisieren Verkehrssicherheit, Müll und sorgen sich wegen Corona.

Dietzenbach – Der Asphaltweg, der von der Laufacher Straße zum Parkdeck im Rohrbrunner Weg 2-4 führt, ist recht schmal. Autos schieben sich vorsichtig an einem der fünf großen Hochhäuser vorbei, die das östliche Spessartviertel prägen. Auf dem Spielplatz gegenüber toben Kinder.

Drei neue Imbissbuden im Spessartviertel in Dietzenbach verursachen Platznot auf den Straßen

Seit rund vier Wochen stehen nun auf der kleinen Rasenfläche zwischen Hochhaus und Gehweg zusätzlich drei Buden. Während die zuständige Hausverwaltung im Rosenpark und einige Wohnungseigentümer das Angebot für die Bewohner befürworten, beklagen sich andere Anwohner über die Wagen, die zusätzlich Platz kosten.

Immer wieder werden Fußgänger gezwungen, auf die Fahrbahn auszuweichen, berichtet Metin Fakir, einer der Anwohner, die wenig begeistert sind von den drei Buden. Während er erzählt, fährt ein Auto mit Frankfurter Kennzeichen vor, der Fahrer lädt etwas aus und blockiert den Gehweg zusätzlich. „Es kann nicht sein, dass Mütter mit einem Kinderwagen auf die Straße ausweichen müssen“, sagt Fakir.

Dietzenbach: Die Anwohner im Speassartviertel sorgen sich um die Einhaltung der Corona-Regeln

Doch nicht nur wegen der Verkehrssicherheit sind die Wagen vielen ein Dorn im Auge. Burger, Kebab und gedämpfter Mais locken die Menschen, eigentlich ein Angebot zum Mitnehmen. Dabei bleibe es allerdings nicht, berichtet Metin Fakir. Er und andere Anwohner im östlichen Spessartviertel sorgen sich deshalb insbesondere um die Einhaltung der Corona-Regeln.

Einige ließen sich ihre Mahlzeiten auf den Bänken beim Spielplatz oder sogar mitgebrachten Plastikstühlen schmecken. Neben den Essenswagen steht außerdem eine kleinere Bude mit Plüschtieren und Spielzeug, fast wie auf einem Jahrmarkt. Das wiederum locke Kinder an, beobachten die Anwohner.

Noch problematischer werde es in den Abendstunden, erzählt Fakir weiter. Dann sitzen die Budengäste dicht gedrängt aneinander und lassen unter dem Holzpavillon gegenüber keinen Platz frei. Dass es an den Buden zusätzlich Alkohol zu kaufen gibt, bringe die Leute dazu, länger zu bleiben. „Abends treffen sich hier fast 30 Leute – als gäbe es Corona nicht“, kritisiert Metin Fakir. Zettel zur Datenerfassung wie in der Gastronomie würden dort nicht verteilt.

Aufgebrachte Anwohner in Dietzenbach: Die Imbissbuden beziehen Strom aus dem anliegenden Wohnhaus

Dann erhält Fakir einen Anruf. Am anderen Ende ein weiterer aufgebrachter Bewohner. „Ich soll ausrichten, dass der Strom für die Buden aus dem Keller des Wohnhauses kommt und der Müll abends in den Containern der Liegenschaft entsorgt wird.“ Wie viele seiner Nachbarn fragt sich auch Metin Fakir, wer das genehmigt hat.

„Die Gewerbetreibenden haben eine gültige Reisegewerbekarte. Diese ist aus ordnungs- und gewerberechtlicher Sicht erforderlich“, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung aus dem Ordnungsamt der Kreisstadt. Darüber hinaus sei die Genehmigung zur Nutzung der Fläche Sache des Eigentümers.

An vier Tagen in der Woche macht der Imbisswagen im Spessartviertel in Dietzenbach Station

Weder Grundstück noch Gehweg gehören der Stadt, sondern befinden sich anteilig im Eigentum der Wohnungsbesitzer im östlichen Spessartviertel. Alexander Minch und Wolfgang Meinhardt von der für die fünf Hochhäuser zuständigen Immobilienverwaltung Rosenpark teilen auf Nachfrage mit, man habe den Imbisswagenbetreibern gestattet, am Rohrbrunner Weg Getränke und Lebensmittel zu verkaufen. „Dies wurde auch vom Ordnungsamt geprüft und genehmigt.“ An vier Tagen in der Woche machen die Wagen seitdem im Spessartviertel Station.

Marcel Haufschild, einer der Wohnungseigentümer im Rosenpark und Mitglied im Verwaltungsbeirat, klärt zudem auf: „Die Betreiber beziehen zwar Strom aus dem Gebäude, zahlen dafür aber natürlich auch.“

„Die Imbisswagen sollen zur Deeskalation beitragen“: Corona-Regeln bleiben in Dietzenbach nicht aus

Dass nicht alle Anwohner das Angebot gutheißen, ist für die Hausverwaltung nicht verwunderlich, gebe es doch dort, wo so viele Menschen zusammenleben, immer Kritiker. Grundsätzlich aber will die Verwaltung die Buden als Beitrag zur positiven Entwicklung des Quartiers verstanden wissen. „Die Imbisswagen sollen zur Deeskalation beitragen, statt Drogen sollen Eis und Getränke an die Kinder und Jugendlichen verkauft werden.“ Man versuche in der Wohnanlage speziell auf die Jugendlichen zuzugehen, um sie von der Straße weg zu holen. Corona-Regeln würden natürlich eingehalten und auf Ruhezeiten geachtet.

Wie das Ordnungsamt mitteilt, kontrolliere man die Einhaltung der Regeln im gesamten Stadtgebiet. „Aufgrund der personellen Ressourcen ist es selbstverständlich, dass nicht alle Verstöße geahndet werden können und überall zeitgleich Präsenz gezeigt werden kann.“ (Von Lisa Schmedemann)

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