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Spessartviertel - Harte Fronten zwischen Eigentümern und Hausverwaltung

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Von: Ronny Paul

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Spessartviertel: Rund 3000 Menschen wohnen in den 1019 Wohnungen der fünf Hochhäuser.
Spessartviertel: Rund 3000 Menschen wohnen in den 1019 Wohnungen der fünf Hochhäuser. © Archiv Foto: dreger

„Alle Jahre wieder“ treffen sich die Wohnungseigentümer der fünf Hochhäuser des Spessartviertels zur Erbbauberechtigtenversammlung im Hotel Sonnenhof. Und wie „alle Jahre wieder“ wird es wohl ein juristisches Nachspiel geben.

Mühlheim – Die Eindrücke des Treffens könnten unterschiedlicher nicht sein. Die für die fünf Hochhäuser zuständige Hausverwaltung, die „Immobilienverwaltung Rosenpark GmbH“, spricht von einer „ruhigen und sachlichen“ Versammlung mit „kleinen Wortgefechten“. Der sechsköpfige Sicherheitsdienst habe nicht eingreifen müssen. Mehrere Eigentümer wiederum berichten von „unzumutbaren Bedrohungsszenarien“ und aggressivem Gebaren des Sicherheitsdienstes.

Die für 13 Uhr angesetzte Sitzung begann – wie alle Jahre wieder – mit einer Verzögerung – diesmal waren es rund zweieinhalb Stunden. 42 Eigentümer der insgesamt 1019 Wohnungen waren zugegen, 77,6 Prozent durch Vollmachten vertreten, teilt die Immobilienverwaltung mit. Zuvor seien vom Eigentümer Dieter Bracht rund ein Drittel und von der Eigentümerin Silvia Ohde etwa ein Viertel der Vollmachten „rechtswidrig“ nicht zugelassen worden, teilt Eigentümer Dr. Peter Kunth mit. Er schildert weiterhin, dass Eigentümer Thomas Schulze die Einsicht der Originalvollmachten beantragte und dabei von der Verwaltergruppe „erneut falsche und gefälschte Vollmachten – zum Teil zum wiederholten Male“ – entdeckt habe. Bei der Einsichtnahme seien die Prüfenden von drei Mitgliedern der Sicherheitsfirma umringt worden. „Einer der Herren wurde aggressiv, nachdem Herr Schulze eine offensichtlich gefälschte Vollmacht fotografieren wollte“, schildert Kunth.

Einsatz vom Sicherheitsdienst

Daraufhin habe er mit dem Abbruch der Vollmachtsprüfung, sollte der Sicherheitsdienst den Saal nicht verlassen, gedroht. Dabei sei er erneut von einem Sicherheitsmann angefasst worden.

Ein Eigentümer habe eine falsche Originalvollmacht, die Marcel Haufschild vom Verwaltungsbeirat laut Kunth rechtswidrig eingesetzt hatte, zerrissen, „um weiteren Missbrauch zu verhindern“. „Es stand kurz vor einer Schlägerei mit einem der Saalschützer, die der Versammlungsleiter abwiegelte“, berichtet Kunth weiter, woraufhin er und Silvia Ohde den Saal verließen und erklärten, dass sie „unter diesen unzumutbaren Bedrohungsszenarien“ nicht weiter an der Versammlung teilnehmen werden.

Kunth hatte auch im Nachgang der letztjährigen Versammlung Rechtsmittel eingelegt. Das Amtsgericht Offenbach hatte daraufhin im Oktober die Wahl von Irene Hahn und Haufschild in den Verwaltungsbeirat für ungültig erklärt, da beide keine von der Verwaltung unabhängigen Personen seien. Das Gericht verweist in seinem Urteil auch darauf, dass Haufschild „2016 und 2017 im Rahmen eines verdeckten Treuhandverhältnisses an der Verwalterin beteiligt gewesen ist, worüber die Erbbauberechtigten treuwidrig nicht aufgeklärt worden waren“ (wir berichteten).

Haufschild erneut im Beirat

Ungeachtet dessen wurde Haufschild von der Versammlung erneut in den Beirat gewählt, dessen Vorsitz nun Bodo von Rhein inne hat. Hassan Annou und Haufschild sind die Beisitzer. Die Immobilienverwaltung Rosenpark GmbH wurde für drei weitere Jahre wiedergewählt. Ebenso zur Wahl standen die Immoveo GmbH aus Darmstadt und alte Bekannte, die Hausverwaltung Abendschein GmbH.

Die Sitzung leitete nicht der Geschäftsführer der Rosenpark GmbH Alexander Minch, sondern der Verwalteranwalt und Eigentümer Mimoun Chilioui, berichtet Walter Fontaine, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Dietzenbach (WD), die 91 Wohnungen in dem Quartier besitzt. Minch sei mehrmals aufgefordert worden, sich zu äußern, habe aber nicht reagiert und keine Miene verzogen, schildert Fontaine, der moniert, dass etliche Tagesordnungspunkte en bloc abgelehnt wurden. Das bestätigt die Hausverwaltung: „Alle Tagesordnungspunkte von Herrn Bracht wurden abgelehnt. Er will mal wieder klagen.“

Für Fontaine wiederum ein Unding: „Das geht nicht, dass habe ich auch deutlich gemacht.“ Er sei fest überzeugt, dass dagegen geklagt werde.

Beschlüsse wurden gefasst

Beschlüsse wurden auch gefasst. So erhöhen sich die Nebenkosten ab Januar um 39 Cent auf 5,50 Euro pro Quadratmeter. Eine von der Hausverwaltung angedachte Anpassung auf sechs Euro wurde abgelehnt. Weiterhin berichtet die Immobilienverwaltung, dass die Verkehrswerte der Wohnungen auf 800 Euro pro Quadratmeter ebenso wie die Mieten für eine Einzimmerwohnung – auf rund 600 Euro – gestiegen seien. Zudem seien weitere Klagen gegen die Stadtwerke Dietzenbach wegen erhöhten Müllgebühren beim Verwaltungsgericht Kassel eingereicht worden.

Fontaine ist nach der Versammlung – wie alle Jahre wieder – ernüchtert: „Wir drehen uns seit zehn Jahren im Kreis.“ Er gehe davon aus, dass sowohl die Wahl der Hausverwaltung als auch die des Verwaltungsbeirates vor Gericht landen.

von Ronny Paul

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