Corona-Zahlen

Dietzenbach ist Spitzenreiter bei Neuinfektionen

Lehrerin im Klassenraum
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Lehrer kritisieren, dass der Wechselunterricht nicht für Schülerinnen und Schüler aller Klassenstufen gilt (Symbolbild).

Der Blick auf die täglichen Corona-Zahlen des Kreises Offenbach lässt aktuell nichts Gutes für Dietzenbach erhoffen: In den vergangenen fünf Tagen war die Kreisstadt bei der Zahl der Neuinfektionen stets in der Spitzengruppe der Kreiskommunen.

Dietzenbach – Aktuell (Stand gestern) gibt es in Dietzenbach laut Gesundheitsamt 165 Infizierte, nur in Langen, Dreieich und Neu-Isenburg ist die Zahl höher, die drei Städte haben allerdings auch mehr Einwohner. „Wenn man nur die Neuinfektionen betrachtet, ist Dietzenbach momentan mehr betroffen als andere Kommunen“, bestätigt eine Sprecherin des Kreises. Besondere Hotspots gebe es allerdings nicht, diese seien aufgrund des diffusen Infektionsgeschehens auch schwer zu identifizieren.

Betroffen ist auch die Heinrich-Mann-Schule (HMS): „Es gibt immer mal wieder Fälle, die Zahlen sind aber nicht höher als an anderen Schulen“, sagt Schulleiter Hans-Peter Löw. Derzeit könnten etwa 40 Schüler coronabedingt nicht am Unterricht teilnehmen – was jedoch nicht bedeutet, dass alle infiziert sind. Sobald ein Fall im familiären Umfeld eines Schülers bekannt werde, müsse dieser zu Hause bleiben. „Außerdem wird dann geschaut, wer neben dem oder der Betroffenen saß“, erklärt Löw. „Soweit wir das verfolgen können, hat es in der Schule keine Ansteckungen gegeben“, sagt der Leiter der Kooperativen Gesamtschule. „Die meisten Infektionen werden von außen in die Schule reingetragen.“

„Die Hygienemaßnahmen greifen“, glaubt Löw. Die vom Kreis verordnete Teilung der Klassen (wir berichteten) hätte man sich allerdings auch für die unteren Jahrgänge gewünscht. Insgesamt sehe man sich an der HMS für den digitalen Unterricht gut gewappnet: Der Kreis habe der Schule 150 Laptops zur Verfügung gestellt und direkt nach den Herbstferien seien alle Schüler nochmals digital geschult worden. Er verweist darauf, dass der Tag der offenen Tür abgesagt wurde und nun online stattfinde. Auf der Internetseite der Schule könnten sich interessierte Eltern die Infos über die Schule herunterladen.

Corona: Lehrer schlagen Alarm

In einem offenen Brief schlägt derweil das Kollegium der Ernst-Reuter-Schule Alarm: „Wir fordern eine strikte Anwendung der Empfehlungen des Robert Koch-lnstituts, die ab einer lnzidenz von 50 neben dem Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung auch die Verkleinerung der Lerngruppen durch Teilung oder Wechselunterricht vorsieht“, heißt es an die Adresse des Kultusministers Alexander Lorz. „Es ist in keinster Weise verständlich, warum die Sekundarstufe I um jeden Preis mit vollen Lerngruppen weiterarbeiten muss, während auch im Kreis Offenbach nun die Oberstufen und beruflichen Schulen zum Wechselmodell übergehen.“ Der Mindestabstand von 1,50 Metern könne in voll besetzten Klassen nicht eingehalten werden.

„Lehrkräfte haben im Schnitt Kontakt zu 150 bis 200 verschiedenen Haushalten pro Woche“, schreibt das Ernt-Reuter-Kollegium und bezieht sich damit auf die derzeit geltenden Kontaktbeschränkungen, wonach private Treffen von maximal zehn Personen aus zwei Haushalten erlaubt sind. Außerdem sei die Annahme, dass in Schulen kein nennenswertes lnfektionsgeschehen stattfinde, nicht mehr haltbar. „Das Gesundheitsamt kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr genau nachvollziehen, wer sich wann und wo infiziert hat.“

Die Gesundheit „der ohnehin chronisch überlasteten“ Kollegen werde aus „politischem Kalkül“ aufs Spiel gesetzt, so der Vorwurf. „Dem Mangel an Finanzierung, Ausstattung und Lehrkräften jetzt mit einem Mangel an Vernunft auf Kosten von Lehrkräften und Schüler*innen zu begegnen, ist keine Antwort auf die Krise.“

Corona in Dietzenbach: Seniorenheime nur geringfügig betroffen

In den Seniorenheimen ist die Situation derzeit verhältnismäßig entspannt. „Vergleichsweise gering betroffen“ seien die beiden Einrichtungen in Dietzenbach, informiert die Kreissprecherin. Genaue Zahlen könne man aufgrund des unübersichtlichen Infektionsgeschehens nicht liefern. Von der Heimleitung des Dorea-Pflegeheims heißt es, eine Bewohnerin sei infiziert, sie befinde sich im Krankenhaus. Dem Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sind aus dem Dietzenbacher DRK-Seniorenheim keine konkreten Zahlen bekannt, dort verweist man auf das Gesundheitsamt. Von Niels Britsch

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