„Wirtschaftlicher Totalschaden“

Stadt Dietzenbach bewirbt sich zur weiteren Waldstadion-Sanierung für neue Förderrunde

Neben vielen weiteren Bereichen sollen auch die Tribüne und die darin untergerbachten Umkleidekabinen saniert werden.
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Neben vielen weiteren Bereichen sollen auch die Tribüne und die darin untergerbachten Umkleidekabinen saniert werden.

Der Ausdruck „In die Jahre gekommen“ ist stellenweise sicher noch geschmeichelt. Als „wirtschaftlichen Totalschaden“ bezeichnet eine Magistratsvorlage die Gebäude im Waldstadion, die in den Jahren 1974 und 1975 errichtet wurden. Sind doch Sanierung und Renovierung bis auf ein bisschen Tünche aufgrund klammer Kassen seit langen Jahren Fehlanzeige. Nun scheint ein Rundumschlag zur Instandsetzung möglich zu sein. Angezapft hat die Stadt dazu das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“.

Dietzenbach – In einer ersten Runde für einen ersten Bauabschnitt fließt eine bereits genehmigte Fördersumme in Höhe von 500 000 Euro. Weiter beantragt in einer zweiten Tranche sind seit Ende letzten Jahres gar rund drei Millionen Euro. Die Genehmigung steht noch aus.

Drei Gebäude befinden sich auf dem Sportareal an der Offenthaler Straße: der Tribünenbau mit Umkleiden und sanitären Anlagen, das Tennisheim und ein Platzwarthaus. Dazu gehören sieben Sport- und Fußballfelder sowie Tennisplätze. Einer der Hauptnutzer ist der FC Dietzenbach, die Schulen sind regelmäßig auf der Anlage anzutreffen und einmal im Jahr finden die Ferienspiele dort statt. „Mit 24 Prozent Bevölkerungsanteil unter 21 Jahren ist Dietzenbach eine der jüngsten Städte Hessens mit 124 unterschiedlichen Nationen, die Anlage trägt zur sozialen Integration und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei“, besagt die Magistratsvorlage zum Förderantrag.

Im Fokus der geplanten Arbeiten stehen nun zuvorderst energetische Arbeiten an der Tribüne. Bereits im Jahr 2017 entsprechend untersucht, hatte sich herausgestellt, dass eine Sanierung durchaus lohnenswert ist. Dafür legt die Stadt zuzüglich zu der genehmigten halben Million Euro aus dem Förderprogramm 200 000 Euro Eigenanteil drauf, die Mittel sind im Haushalt 2021 angemeldet.

Mit dieser Summe soll die „überdimensionierte Warmwasserbereitung“ den Bedürfnissen angepasst werden. Ebenso die Heizungsanlage, derzeit noch im benachbarten Gebäude untergebracht und mit einer ungedämmten Versorgungsleitung etwa 30 Meter über das Gelände verlaufend. Die Maßnahmen sollen die hohen Betriebskosten senken, ebenso wie der Einbau einer Fotovoltaik- und Solarthermieanlage.

Darüber hinaus werden Altlasten beseitigt, etwa asbesthaltige Eternitplatten, und das Dach wird neu gedeckt.

Wie viele Umkleiden und Duschen benötigt werden und welche weiteren Anforderungen an das Tribünengebäude sich ergeben, soll schlussendlich vom Sportentwicklungsplan abhängen, der aktuell in Bearbeitung ist. Dabei sind es gerade diese Anlagen, die den Sportvereinen und Schulen zu schaffen machen. So hat sich etwa der FC Dietzenbach im Frühjahr des vergangenen Jahres an der „Mellerud-Schimmelfrei-Challenge“ beteiligt. Das Unternehmen, das Reinigungsmittel herstellt, hatte als ersten Preis eine Renovierung der Kabinen ausgelobt. „Am Kabinentrakt müsste echt mal was gemacht werden“, stellte entsprechend etwa Ertan Caliskan, Trainer der D-Jugend, in einem von Mellerud produzierten Video fest. Statements wie „Die Duschen sind halt eklig und an manchen Ecken auch verschimmelt“ und „Es riecht muffig und eklig“ kamen dazu von seinen jungen Sportlern. Den Siegerplatz konnte der FC am Ende nicht einheimsen. Immerhin kam der Verein auf den zweiten Rang und erhielt einen Preis in Höhe von 1000 Euro.

„Wenn wir auswärtige Mannschaften empfangen, machen wir nicht gerade einen guten Eindruck“, sagt auch Ralf Hellborn, Jugendleiter beim FC. Das Tribünengebäude sei architektonisch schön, „aber was nutzt das, wenn wir Bedenken wegen Schimmel haben müssen?“ Kurz vor Weihnachten fiel nun in der Stadtverordnetenversammlung die Entscheidung, sich auch für die nächste Förderrunde des Bundesprogramms zu bewerben. Stolze drei Millionen Euro werden beantragt, fließen sollen sie unter anderem erneut in den energetischen Status der Tribüne, in den Brandschutz und in die Erneuerung von Wand- und Bodenbelägen, Decken und Türen. Veranschlagt sind dafür rund 1,1 Millionen Euro. Für weitere 1,6 Millionen Euro sollen das Tennisheim und das Platzwarthaus renoviert werden, 350 000 Euro werden nach Erhalt in eine neue und höhere Zaunanlage gesteckt.

Die jeweiligen Mittel seien in den Haushalten 2022 bis 2025 beantragt, hatte der Fachbereich Bau- und Immobilienmanagement in der Beschlussvorlage für die Stadtverordnetenversammlung im Dezember mitgeteilt. Das hielt zumindest die FDP mit Blick auf einen hohen Eigenanteil für riskant. „Falls nur eine geringere Fördersumme bewilligt wird, sind wir dennoch an die Planung gebunden“, hatte der Fraktionsvorsitzende Sven Hartmann bereits im Haupt- und Finanzausschuss gesagt. In der Stadtverordnetenversammlung plädierte die FDP dann dafür, die Vorlage eine Runde zu schieben, und enthielt sich bei der Abstimmung, die DL/FW-UDS stimmte hingegen gegen den Antrag. (Von Barbara Scholze)

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