Suche nach einem Pächter aussichtslos

Stadt will die „Linde“ verkaufen

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Das Unterfangen, einen Pächter für die städtische Immobilie zu finden, gilt als gescheitert. Das vereinsfreie Traditionslokal soll auf dem Immoblilienmarkt größere Chancen haben. Seit zwei Jahren steht das Wirtshaus schon leer, trotzdem kostet es die Stadt monatlich 1500 Euro.

Dietzenbach -  Die Stadt will einen neuen Versuch unternehmen, das Wirtshaus „Zur Linde“ zu verkaufen und bittet die Stadtverordneten dafür um Zustimmung. Die Suche nach einem Pächter hatte sich über die Jahre als aussichtslos erwiesen. Von Nina Beck 

Seit Ende 2011 steht das Gasthaus und Veranstaltungsgebäude an der Darmstädter Straße schon leer, beziehungsweise ohne Gastwirt oder Pächter da. „Und es kostet uns permanent weiter Geld“, sagt Erster Stadtrat und Baudezernent Dietmar Kolmer (CDU). Noch zum Ende der Vertragszeit der letzten Pächterin hatte die Stadt bereits einen Makler eingeschaltet, der einen Nachfolger für Ingrid Riedel akquirieren sollte. Im Zeitraum von drei Monaten sei es allerdings zu keinem einzigen Besichtigungstermin gekommen, da es keine Interessenten gegeben habe, heißt es in der Magistratsvorlage zur nächsten Stadtverordnetenversammlung am 14. Februar.

Der Maklervertrag wurde über 2011 hinaus nicht verlängert, fortan nahm der städtische Fachbereich das Heft selbst in die Hand. Bereits zum Jahresbeginn 2012 hatten zwei Dietzenbacher Geschwisterpaare Interesse an einer gemeinsamen Übernahme der Gaststätte geäußert. Der Pachtvertrag soll schon kurz vor der Unterzeichnung gestanden haben, doch im Mai dann kam die Absage: „Rein rechnerisch“ lohne sich das Unterfangen für das Quartett nicht. Doch auch beim nächsten Bewerber war das Glück der Stadt nicht hold: Im August 2012 bekundete ein erfahrener Gastronom Interesse an einer kurzfristigen Übernahme der Linde, einige „zeitaufwendige Gespräche und Ortsbesichtigungen“ später aber, nach zwei Monaten, folgte erneut eine Absage. Der Gastwirt hatte sich für eine andere Lokalität entschieden. Im November schließlich sollte ein Interessenbekundungsverfahren klären, wie groß die Nachfrage nach der Linde auf dem Markt ist. Ergebnis: Es gab lediglich drei Anfragen, von denen sich bei genauerem Hinsehen allerdings bei keiner ein ernsthaftes Interesse ausmachen ließ, wie es in der Magistratsvorlage heißt.

Monatliche Betriebskosten bei rund 1500 Euro

Unter anderem die schwierige Parkplatzsituation rund um die Linde, welche schon Ingrid Riedel immer wieder einmal moniert hatte, aber auch die dauerhafte Nutzung des Saales durch Vereine hatte die Verwaltung schließlich als zentrale Probleme für eine Vermarktung ausgemacht. Deshalb trat im Lauf des vergangenen Jahres die Projektstelle Facility-Management auf den Plan, um herauszufinden, ob die musiktreibenden Vereine wie etwa der Handharmonika-Club „Ahoi“ oder der Sängerkranz, aber auch der Karnevalsverein 1. Dietzenbacher Tanzgarde möglicherweise mit ihren Übungsstunden und benötigten Lagerflächen in anderen städtischen Liegenschaften unterkommen könnten. Erklärtes Ziel sei es gewesen, „die monatlichen Betriebskosten für die Gaststätte in Höhe von zirka 1500 Euro (ohne Abschreibung) einzusparen“.

Mit dem bereits angelaufenen Umbau der Kegelbahn im Bürgerhauskeller, zu dem das Stadtparlament Ende vergangenen Jahres nach mehreren Anläufen grünes Licht gegeben hatte, ist nun eine Umquartierung der Vereine aus der Linde möglich geworden – nach Ansicht der Stadtverwaltung die Voraussetzung dafür, es noch einmal mit einer Vermarktung der Linde versuchen zu können. Der bereits im Jahr 2010 ermittelte Verkehrswert für die städtische Immobilie liegt laut Magistrat bei 430.000 Euro (Gaststätte plus Parkplatz an der Darmstädter Straße); gemeinsam mit dem kleinen Parkplatz am Lindenweg erhöht er sich auf insgesamt 496.500 Euro.

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SPD und WIR-BfD hatten sich zuletzt im November 2012 in einem Antrag dafür stark gemacht, das Gasthaus in städtischem Besitz zu belassen und weiter nach einem Pächter zu suchen, FDP und CDU forderten jeweils im Januar 2013, die weitere Pächtersuche zeitlich zu befristen und die Linde nach Ablauf jener Frist dann zur Vermarktung freizugeben. Verabschiedet worden war indes keiner dieser Anträge. Der Magistrat hofft nun auf grünes Licht seitens des Stadtparlaments, das Wirtshaus „Zur Linde“ in die Vermarktung geben zu dürfen. Jetzt, da der gastronomische Betrieb nicht mehr durch die „dauerhafte Nutzung des Saales durch Vereine“ beeinträchtigt würde, könnte es möglicherweise einen größeren Bewerber-Zuspruch als bisher geben.

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