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Stadtverordnete diskutieren über Streetworker und einen Arbeitskreis fürs Spessartviertel

An der Situation im Spessartviertel muss sich etwas ändern. Darüber sind sich die Mitglieder das Haupt- und Finanzausschusses einig.
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An der Situation im Spessartviertel muss sich etwas ändern. Darüber sind sich die Mitglieder das Haupt- und Finanzausschusses einig.

Im Spessartviertel muss etwas passieren. Darüber waren sich die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses bei ihrer jüngsten Sitzung einig. Diskussionsstoff bot indes die Vorgehensweise.

Dietzenbach – Insbesondere Jens Hinrichsen als Vertreter DL/FW-UDS sprach sich vehement gegen den Einsatz eines weiteren Streetworkers im Viertel aus. Dazu soll nach dem Plan des Magistrats keine neue Stelle geschaffen, sondern von der Projektstelle Flüchtlinge zur Abteilung Jugendhilfe und Soziale Arbeit verlagert werden. Weiterhin bat die Verwaltung die Fraktionsvertreter, darüber abzustimmen, die Stelle künftig vor eventuellen Einsparungen zu bewahren. Hinrichsen warnte vor diesem Schritt. Schließlich könne es sein, dass sich später herausstelle, dass andere Maßnahmen im Viertel geeigneter seien. Doch dann sei die Stelle bereits fest verankert. Auch hatte der Stadtverordnete insgesamt wenig Verständnis für den Einsatz eines dritten Sozialarbeiters. Schließlich seien bereits zwei bei der Stadt beschäftigt. „Ich gebe zu bedenken, dass wir nach derzeitigem Stand das Haushaltsjahr 2020 mit zwei Millionen Euro Schulden abschließen werden“, brachte Hinrichsen ein weiteres Gegenargument an.

Die Argumente, die für eine weitere Stelle sprechen, konnten ihn nur wenig überzeugen. Denn wie der Fachbereichsleiter Soziale Dienste, Peter Amrein, bemerkte, sei einer der bereits tätigen Streetworker gesundheitlich angeschlagen. „Er kann seiner Arbeit nicht im notwendigen Umfang nachgehen“. Er sei deshalb im Bildungshaus und nicht mehr im Quartier direkt tätig. Der zweite Streetworker ist indes laut Bürgermeister Jürgen Rogg mit seiner Tätigkeit im Boxprojekt weitestgehend ausgelastet.

Doch wie Sozialdezernent und Erster Stadtrat Dieter Lang erläuterte, sollen die Jugendlichen zukünftig wieder aufgesucht und individuell beraten werden. „Das ist sehr arbeitsintensiv und macht weitere Unterstützung notwendig“, sagte Lang. Zudem wolle die Stadt dem Kontaktpolizisten Steffen Schiller, der die Nachfolge von Detlef Bittner angetreten hat, jemanden zur Seite stellen.

Ein Vorgehen, das Helga Giardino, Vorsitzende des Ausländerbeirates, begrüßte. „Herr Schiller ist nicht allein für Dietzenbach, sondern auch für Rodgau und Rödermark zuständig“, sagte sie. Er könne somit nicht überall gleichzeitig sein.

Der SPD-Fraktionsvorsitzender Jerome Alex sagte: „Selbstverständlich ist der Einsatz eines weiteren Streetworkers nur ein Anfang und löst nicht alle Probleme.“ Deshalb sei es natürlich notwendig, ein Konzept für das Spessartviertel zu entwickeln. Doch bis dorthin könne man nicht untätig sein.

Damit reagierte der Sozialdemokrat auf Hinrichsens Forderung nach einem umfassenden Plan, der alle Problematiken im Viertel mit einbezieht. Denn aus Sicht des DL/FW-UDS-Vertreters sind nicht allein die Jugendkriminalität, sondern auch die schwierigen Wohnverhältnisse ein Problem. „Wenn wir diese beiden Themen nicht zusammen bearbeiten, wird es weitergehen wie bisher“, prognostizierte er. Schließlich griffen sie ineinander.

Damit sich an der Situation etwas ändert, hält der Politiker zudem die Gründung eines interfraktionellen Arbeitskreises für unabdingbar, wie er in seiner eingereichten Vorlage schreibt. Eine Forderung, für die sich im Ausschuss allerdings keiner erwärmen konnte. Denn selbst die CDU, die zwar Konkretisierungsbedarf hinsichtlich Hinrichsens Anliegen sah, dieses jedoch ursprünglich unterstützt hatte, zog ihren Änderungsantrag in der Sitzung wieder zurück. „Es macht mehr Sinn, bestehende Gremien zu stärken, anstatt weitere zu gründen“, begründete der Parteivorsitzende der Christdemokraten, Christoph Mikuschek, die Entscheidung. Dieser Aussage schlossen sich weitere Ausschussmitglieder an. So waren sich die Fraktionsvorsitzenden Manuel Salomon von der CDU und Andrea Wacker-Hempel von den Grünen einig, dass der Sozialausschuss wieder gestärkt werden müsse. Sozialdemokrat Rainer Engelhardt plädierte zudem dafür, das Thema Spessartviertel wieder zu einem regelmäßigen Tagesordnungspunkt im Ausschuss zu machen. (Von Anna Scholze)

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