Miteinander, nicht gegeneinander

Stadtverordnetenvorsteherin Christel Germer spricht über ihr Amt

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Stadtverordnetenvorsteherin Christel Germer (CDU) zieht nach etwas mehr als einem Jahr im Amt Zwischenbilanz.

Dietzenbach - Christel Germer (CDU) ist seit vergangenen April Stadtverordnetenvorsteherin der Kreisstadt. Von Ronny Paul 

Die gebürtige Wienerin wirkt bereits seit Jahrzehnten in verschiedenen Rollen in Diezenbach, etwa als Schulelternbeirätin, Vorsitzende der Dietzenbacher Tafel und als Stadtverordnete. Der CDU trat sie 2005 bei und saß vergangene Legislaturperiode für die Christdemokraten im Magistrat. Im Interview spricht sie darüber, wie sie sich in ihrem Amt zurechtfindet und welche politischen Beobachtungen sie seit ihrem Antritt gemacht hat.

Frau Germer, Sie sind nun mehr als ein Jahr Stadtverordnetenvorsteherin. Haben Sie den Schritt jemals bereut?

Bisher kann ich mich auf eine gute Arbeit mit den Kollegen stützen, auch auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Gremienmanagement der Stadtverwaltung. Bisher gab es keinen großen Ärger, von daher kann ich nicht sagen, dass ich es bereut hätte.

Es macht Ihnen Spaß...

Ja, es ist eine interessante und verantwortungsvolle Aufgabe.

Was sind die Schwierigkeiten, mit denen Sie sich herumschlagen müssen?

Schwierig ist die Auslegung der Hessischen Gemeindeordnung (HGO), wenn die Kollegen da unterschiedlicher Meinung sind und wie man sie dann auch richtig anwendet. Jeder möchte gerne nach der HGO und nach der Geschäftsordnung handeln, aber nicht jeder ist da so ganz firm. Das sind – in Anführungsstrichen – die einzigen Schwierigkeiten.

Worin liegen die Unterschiede zur Arbeit im Magistrat?

Der Magistrat ist ein vorbereitendes Organ. Die meisten Vorlagen, die zur Entscheidung im Stadtparlament anstehen, kommen aus dem Magistrat. Der Magistrat ist ein Filter für all diese Dinge. Wenn der Magistrat einer Vorlage nicht zustimmt, kommt sie erst gar nicht in die Stadtverordnetenversammlung (SVV). Magistratsarbeit ist weniger in der Öffentlichkeit, aber ansonsten eine wichtige Aufgabe.

Und die SVV?

Was mir beim Parlament immer noch ein bisschen fehlt, ist die Aufmerksamkeit der Bevölkerung. Die Bevölkerung kennt einen Bürgermeister, einen Ersten Stadtrat, aber das Parlament, das immer öffentlich tagt, hat meiner Ansicht nach zu wenig Besucher. Auch die Ausschussarbeit ist interessant. Mit der Einladung zur akademischen Feier „40 Jahre Seniorenbeirat“ erhielt ich eine entsprechende Broschüre, die ich aufmerksam studiert habe. Und da ist das Stadtparlament nur ganz beiläufig erwähnt. Obwohl der Seniorenbeirat ein Hilfsorgan der SVV ist. Der einzige, der das Parlament in seinem Grußwort würdigt, ist der Landesvorsitzende des Seniorenbeirats. Und das zeigt mir ein bisschen, dass das Parlament bei der Bevölkerung irgendwie nicht so gewichtet wird. Der Bürgermeister kann alleine gar nicht so wahnsinnig viel entscheiden, das Parlament hebt die Hände für Millionen von Geldern, die der Steuerzahler dann zu tragen hat. Die Bedeutung der SVV kommt mir da zu kurz.

Apropos Hilfsorgane: Wie ist der Jugendbeirat bislang angekommen?

Der Jugendbeirat ist schon angekommen. Aber die jungen Menschen sind in ihrer Berufsausbildung, sie entwickeln sich weiter, sie ziehen weg, sie gehen zum Studium. Da ist Kontinuität schwierig. Grundsätzlich haben wir ein Interesse daran, dass es den Jugendbeirat gibt, damit auch Vorstellungen und Wünsche der Jugend ins Parlament einfliessen. Aber wir haben in letzter Zeit gemerkt, dass es nicht ganz so funktioniert. Auch der Jugendbeirat selbst hat sich in der SVV geäußert, dass sie sich nicht genügend unterstützt fühlen. Die Unterstützung ist aber da, sie müssen sie auch wahrnehmen.

Haben Sie sich bei Ihrer Vorgängerin Kornelia Butterweck informiert, bevor Sie das Amt übernommen haben?

Wir haben ein gutes Verhältnis. Ich hätte mich überhaupt nicht zur Verfügung gestellt, hätte sie das weitermachen wollen. Ich habe mich auch bei ihr informiert, wie sie Sitzungen geleitet hat und mich auch intensiv mit dem Gremienmanagement befasst. Jede Sitzung bereite ich mit der Abteilung von Gudrun Gehrmann vor und bespreche alles. Das gibt mir eine gewisse Sicherheit. Es kommen in der SVV trotzdem häufig noch viele Dinge hoch, die plötzlich geregelt werden müssen.

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Printausgabe der Offenbach-Post vom 8. September.

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