Stärkere Zusammenarbeit tut not

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Empfangskomitee am Eingang zum Capitol: Erster Stadtrat Dietmar Kolmer (von links), Bürgermeister Jürgen Rogg und Stadtverordnetenvorsteherin Kornelia Butterweck hatten so einige Hände zu schütteln, bevor es losgehen konnte...

Dietzenbach ‐ Groß gefeiert wird der Jahreswechsel allenthalben, obwohl doch tiefe Einschnitte kaum an einem bestimmten Kalenderdatum festzumachen sind. Von Nina Beck

„Zäsuren werden durch gravierende Veränderungen im persönlichen Leben wie im politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Bereich gesetzt“, sagte denn auch Bürgermeister Jürgen Rogg in seiner Neujahrsrede. Ungeachtet dessen hatte die Stadt zum Neujahrsempfang ins Bürgerhaus-Capitol eingeladen – zum Feiern, aber auch zum Rück- und Ausblick-Halten. Diesmal war das Interesse besonders groß: rund 460 Gäste kamen am Sonntagabend, 2010 Jahr waren es 320 Besucher.

Zu den Rekordzahlen beigetragen haben dürfte neben der späteren Tageszeit die Tatsache, dass beim Neujahrsempfang auch die Kultur- und Sport-Förderpreise der Stadt vergeben werden, heuer bereits zum siebten Mal. Die teilen sich diesmal gleich drei Vereine: die junge Tanzgruppe der Turngemeinde, „Dänzing Bärgser“, die Feuerwehrvereinigung sowie die 2006 durch Fusion der TG- und SG-Abteilungen entstandene Handballspielgemeinschaft. Und dann sollte auch noch die Bürgermedaille vergeben werden: Polizeidienststellenleiter Klaus-Peter Daube hatte es sich vorbehalten, Susanne Bell (in Abwesenheit) und Oktay Savas damit zu ehren, die bei einer Schlägerei unter Schülern eingegriffen hatten.

Bilder des Neujahrsempfangs

Neujahrsempfang im Bürgerhaus

Ihnen, wie auch allen Bürgern, die sich ehrenamtlich engagieren, sei es im Rettungswesen, bei der freiwilligen Feuerwehr oder dem freiwilligen Polizeidienst, in Kirchen, Vereinen und Verbänden, politischen Parteien oder sozialen Einrichtungen dankte der Bürgermeister aufrichtig: „Ohne Sie wäre unsere Gesellschaft nicht überlebensfähig.“

Wie 2011 werde, könne er nicht sagen, so Rogg. Die bestimmenden Themen der kommenden Jahre aber seien Wirtschaftsförderung, Standortmarketing, Integration und die „wirtschaftliche und organisatorische Optimierung des Konzerns Stadt“, wobei die wichtigste Zäsur das Thema Haushalt und Finanzen setze.

Zwar erinnerte Rogg in Bezug auf den kommunalen Finanzausgleich an das Konnexitätsprinzip – „wer bestellt, bezahlt“. Vor allem bei der Kinderbetreuung, so Rogg, könne die Kommune gar nicht so viel sparen, als dass sie die vom Land durch eingeforderte, höhere Standards entstehenden Mehrkosten ausgleichen könnte. Andererseits mahnte er auch einen verantwortungsvolleren Umgang in Sachen Verschuldung an. Seit Jahrzehnten werde „mit Billigung aller Parteien die Umsetzung politischer Versprechen über Schulden finanziert. Wir sind die reichste Generation, die je in Deutschland gelebt hat – und wir hinterlassen der nächsten Generation die höchsten Schulden.“ Gemeinsam mit der Verwaltung und unter Einbeziehung der Bürger werde es die Aufgabe der Stadtverordneten sein, „unseren Teil in Richtung Haushaltskonsolidierung beizutragen“, so Rogg. Ohne Hilfe von Außen werde Dietzenbach dies aber nicht schaffen.

Deutliche Worte fand der Bürgermeister zum Thema interkommunale Zusammenarbeit, die seiner Ansicht nach deutlich intensiviert, das heißt, die Verwaltungen im Kreis viel enger vernetzt werden müssten. 13 Kommunal- plus eine Kreisverwaltung halte er nicht für nötig – wohlwissend, dass er sich mit dieser Einstellung „nicht viele Freunde mache“. Des weiteren wünschte sich der Bürgermeister einen „offeneren, respektvolleren und faireren“ Umgang von Politik, Verwaltung und Bürgern der Kreisstadt, wie er sagte.

Immerhin habe sich hier auch einiges getan, „was uns Zuversicht gibt“, angefangen etwa bei der Sanierung des „Roten Platzes“ über Bildungs- und Rathaus bis hin zu Ärzte- und Einkaufszentrum am Masayaplatz, die bereits umgesetzt oder in die Wege geleitet sind. Nicht zu vergessen die Kirchengemeinden, die mit den drei muslimischen Gemeinden eine Arbeitsgemeinschaft der Religionen gegründet haben, so Rogg. Seine Rede endete mit dem arabischen Sprichwort: „Humor, Geduld und Zuversicht sind die Kamele, die uns durch die Wüste bringen.“

E Berichterstattung über die Förderpreisträger erfolgt in unserer morgigen Ausgabe.

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