Schulentwicklungsplan heute Thema im Kreistag

Schülerzuwachs im Kreis: 14 bis 16 neue Klassen pro Jahr

Dietzenbach - Die Anzahl der Schüler im Kreis Offenbach nimmt deutlich zu. Das liegt einerseits daran, dass nach 20 Jahren Rückgang die Geburtenrate wieder steigt. Vor allem aber sorgt anhaltender Zuzug dafür, dass mehr Kinder eingeschult werden, als sechs Jahre zuvor geboren worden sind. Von Markus Terharn

Darauf reagiert der Kreis mit einem neuen Schulentwicklungsplan. Heute stimmt der Kreistag in Dietzenbach über das 360-Seiten-Werk ab.

Landrat Oliver Quilling (CDU) nennt ein aktuelles Beispiel: „2011/12 wurden im Kreisgebiet 2895 Kinder geboren, die 2017 in die Grundschule kommen sollten. Tatsächlich waren es aber 3285, also 390 mehr als erwartet.“ Dieser Trend werde sich fortsetzen. Derzeit beträgt der Zuwachs durchschnittlich 3,8 Prozent im Jahr. „Wir müssen bei der Planung 4 Prozent draufpacken“, rechnet Quilling hoch. Das bedeute 14 bis 16 neue Klassen pro Jahr.

Der Bedarf steigt aber nicht überall gleich. Für den Westkreis kalkuliert die Schulbehörde mit 1402 Grundstufenkindern mehr bis 2023. In der Kreismitte müssen zusätzlich 957, im Ostkreis 944 Plätze geschaffen werden. „Das ist nur eine Modellrechnung“, betont der Landrat, „genaue Zahlen hat noch niemand.“ Bereits geplante, nicht fertiggestellte Neubaugebiete sind nicht berücksichtigt.

An neuen Grundschulgebäuden führe kein Weg vorbei, so in Langen, wo außerdem die Sonnenblumenschule erweitert werden soll. Für den Übergang setzt der Kreis auf Räume in Modulbauweise oder auf Container-Lösungen.

In den Folgejahren verlagert sich das Problem an die weiterführenden Schulen. Da bedingt die Rückkehr von G8 (Abitur nach acht Jahren) zu G9, dass an Gymnasien wieder zehnte Klassen gebildet werden müssen – in der Mittelstufe wird’s also eng. Neubauten sind für Quilling nur eine Option, Steuerung der Schülerströme eine andere. „Oberstes Ziel ist die Nutzung verfügbarer Räume.“ Um den Schulfrieden zu bewahren, sind Änderungen der Schulform die Ausnahme.

So soll die Brüder-Grimm-Schule in Neu-Isenburg von der Haupt- und Realschule wieder zur kooperativen Gesamtschule werden. Grund: Weil das Goethegymnasium der Hugenottenstadt trotz Erweiterung den Zustrom nicht aufnehmen könne, würden sonst noch mehr Jugendliche die Heinrich-Heine-Schule in Dreieich stürmen als derzeit. Ein neuer Gymnasialzweig in Neu-Isenburg soll’s richten.

Unterricht auf dem Hofgut Neuhof: Der Grundschultag in Bildern

Zwei weitere Punkte sind im Schulentwicklungsplan berücksichtigt. Erstens die Inklusion, wobei der Kreis sich zugute hält, dass er mit dem Pilotprojekt „Begabungsgerechte Schule“ in Mühlheim und Obertshausen Pionierarbeit geleistet habe, ehe dies im Hessischen Schulgesetz verankert war.

Zweitens dokumentiert das Papier den Stand bei der Ganztagsbetreuung. „Die haben wir inzwischen an allen Schulen“, freut sich Quilling, betont aber: „Wir weisen nur auf diese Angebote hin.“ Wenn eine Schule an dem Landesprogramm teilnehmen will, entscheidet die Schulkonferenz darüber.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare