Stein für Stein zum Bildungshaus

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Das Jugendzentrum ist in die Jahre gekommen und soll abgerissen werden, sofern sich die Stadtverordneten zum Bau eines Bildungshauses durchringen können. Das Thema steht in der nächsten Parlamentssitzung auf der Tagesordnung.

Dietzenbach ‐ Wie soll es aussehen, das neue, finanziell deutlich „abgespeckte“ Bildungshaus? In einer Sondersitzung der parlamentarischen Ausschüsse am Freitagabend ist nun ein gedankliches Modell vorgestellt worden. Von Sascha Reichelt

Die ursprüngliche Idee einer multifunktionalen Begegnungsstätte, die allen Bürgern jeglicher Herkunft und Generation zugute kommen soll, war, wie berichtet, bereits vor zwei Jahren von Ex-Bürgermeister Stephan Gieseler auf den Plan gebracht worden. Nun dürfte die Stadt über die nötigen Fördermittel verfügen; das neue Konzept wurde den Stadtverordneten und Gästen vorgestellt.

Wir reden erst über Inhalte, und wenn wir die haben, können wir das Haus bauen“, merkte Erster Stadtrat Dietmar Kolmer (CDU) zu Beginn an. Als oberste Priorität galt es, die Finanzierung des Projektes zu klären. Demnach wurde überlegt, welche Zuschüsse das Vorhaben erhalten könne, welche Ersparnisse zu Buche schlagen würden und wie viel Geld die Verwaltung zusätzlich aus eigener Tasche investieren müsse.

Nach Aussage des Fachbereichleiters Soziale Dienste, Walter Fontaine, sind die Fördergelder aus dem Bund- und Länderprogramm „Soziale Stadt“ noch bis Ende 2012 erhältlich. Zusätzlich liege seit Dezember ein Bewilligungsbescheid in Höhe von 225.000 Euro vor – Geld, das aus dem ursprünglichen Sanierungspaket für das Spessartviertel stammt. Und: „Die Zahlen, die wir Ihnen heute präsentieren, haben Bestand“, versicherte Fontaine. Erfolgreiche Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium hätten den fortlaufenden Prozess begünstigt. So wurde der ursprünglich angedachte Kostenbetrag von rund vier Millionen Euro nun auf 2,5 Millionen Euro heruntergesetzt.

Geplante Bildungshaus stützt sich auf drei Säulen

In Addition von Förder- und Eigenmitteln ergibt sich ein Grundkapital von 2,285 Millionen Euro, das zur Verfügung steht. Rund 215.000 Euro wären demnach für den Bau des Bildungshauses, das auf dem Gelände des Jugendzentrums (Juz) errichtet werden soll, zusätzlich erforderlich, wie Quartiersmanager Jan Thielmann erläuterte. Allerdings seien auch Einsparungen, etwa Mietkosten von Stadtteiltreff und Streetworkerbüro, in Höhe von 13.200 Euro möglich. Zudem sorge eine energiesparende Bauweise für langfristig niedrigere Bewirtschaftungskosten.

Zunächst verdeutlichte Mick Liebig, Leiter des Juz an der Rodgaustraße, anhand einer Bestandsaufnahme die aktuelle Situation. Die Bausubstanz der derzeitigen Jugendeinrichtung, sagte er, sei nicht „mehr sanierungwürdig“. Das 35 Jahre alte Gebäude hat ein für die 70er Jahre typisches Flachdach, das über die Jahre undicht geworden ist. Deshalb mussten allein in den letzten drei Jahren fast 20.000 Euro in das alte Gemäuer investiert werden. Auch sei die Holzkonstruktion des Veranstaltungsraums statisch nicht mehr sicher, ließen Grundriss und Raumzuschnitt nur eingeschränkte Nutzung zu.

Das geplante Bildungshaus stützt sich im wesentlichen auf drei Säulen: Bildung, Integration und Kultur. In einer Powerpoint-Präsentation wurden die erforderlichen Rahmenbedingungen und „Bausteine“ erläutert. Die „besondere Sozialstruktur“ in Dietzenbach erfordere ein Bildungshaus, das der kulturellen, integrativen Entwicklung, besonders aber der Bildung dienen soll, so Fontaine. Bestehende Angebote wie Sozialarbeit und Stadtteilarbeit könnten mit neuen, integrationsfördernden verknüpft werden. Unter anderem sind Proberäume für Nachwuchsmusiker geplant, aber auch die verstärkte Einbeziehung von Ehrenamtlichen für Nachhilfe, Bewerbungstraining und Patenschaft. Deutschkurse mit Kinderbetreuung wird es ebenso geben wie Gesprächskreise für Frauen, Mutter-Kind-Spielkreise, Computerkurse, Beratungen und Selbsthilfegruppen. Somit soll eine Kommunikations- und Begegnungsstätte für die Interessen aller Kreisstädter entstehen.

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