Szenen einer Ehe

Uraufführung des Stücks „Ringelspiel – Die bunte Welt des Missverstehens“ im Thesa

Diskussionen und gegenseitige Vorwürfe: Susanne Fey und Christoph Visone in einer Szene des Stücks „Ringelspiel – Die bunte Welt des Missverstehens“, das im „Theater Schöne Aussichten“ uraufgeführt wird.
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Diskussionen und gegenseitige Vorwürfe: Susanne Fey und Christoph Visone in einer Szene des Stücks „Ringelspiel – Die bunte Welt des Missverstehens“, das im „Theater Schöne Aussichten“ uraufgeführt wird.

Das „Theater Schöne Aussichten“ (Thesa) präsentiert die Welturaufführung des Theaterstücks „Ringelspiel – Die bunte Welt des Missverstehens.“ Es stammt aus der Feder von Susanne Fey, die das Skript mit ihrem Spielpartner Christoph Visone sehr eng abstimmt. Die zweistündige Aufführung, die schon seit Tagen ausgebucht ist, ist in kurze Szenen unterteilt, die aufeinander aufbauen.

Dietzenbach – Zwischen den Szenen ist die Bühne abgedunkelt, untermalt von eigens komponierter Musik. Das Bühnenbild ist sehr spartanisch, so reichen ein paar Sitzwürfel.

Das sehenswerte Stück ist kurzweilig und bietet neben Dramatik, Szenen endloser Stille und knisternder Erotik. Es handelt von einem Pärchen, einer Akademikerin (Susanne Fey) und einem Bankangestellten (Christoph Visone), die sich kennen und lieben lernen. In den ersten Jahren ist die Ehe-Welt in Ordnung und alles rosarot. Doch wie so oft, zwingt sie der Alltag in vorgefertigte Rollen. Obwohl beide berufstätig sind, übernimmt sie die Hausarbeit und er trifft sich lieber mit Freunden beim Fußballstammtisch. Als er wegen der Pandemie nicht mehr im Büro, sondern an seinem Heimarbeitsplatz arbeitet, kommt es immer häufiger zum Konflikt. Wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt, telefoniert er noch lange mit seinem Chef. Oft ist die Wohnung nicht aufgeräumt und er hat vergessen zu kochen (was sowieso selten vorkommt). Und zu allem Übel ist auch noch der Kühlschrank leer, denn er hat es versäumt, einzukaufen. Natürlich kommt es zum erwartenden Ehekrach, sie attackiert ihn ein ums andere Mal, wirft ihm immer wieder sein Fehlverhalten vor. Dabei sind ihre Vorwürfe eigentlich nur Sticheleien, denn in Wirklichkeit erkennt sie, dass sie mit sich unzufrieden ist. Schließlich stellt sie die Kardinalfrage: „Wer bin ich und wer sind eigentlich wir beide?“

Er geht auf diese Fragen nicht ein und scheut die Auseinandersetzung, stattdessen fühlt er sich zu Unrecht schlecht behandelt und beschimpft sie. Schließlich werden ihre Attacken, die er häufig nur schwach abwehren kann, heftiger, sodass man jeden Moment mit einem tätlichen Angriff von ihm rechnet. Doch dazu kommt es nicht, stattdessen sitzen die beiden lange stumm in der Wohnung und würdigen sich keines Blickes. Gerade in diesen dramatischen Szenen kommt das große schauspielerische Talent der beiden Berufsschauspieler zum Tragen, denn sie spielen die Szenen so real und pointiert, dass man schnell mal vergisst, dass man sich in einem Theaterstück befindet.

Diese nervenzerreißenden, endlos lang wirkenden Szenen hat Fey bewusst eingebaut, denn sie sollen dem Zuschauer die Möglichkeit zum Grübeln geben. Auch dass die Figuren namenlos sind, ist gewollt. „Ich möchte, dass der Betrachter sich mit den Rollen identifiziert und wiederfindet“, sagt Fey.

Die Idee zu dem Stück ist der Autorin bei einem Seminar über Kommunikationspsychologie und Körpersprache gekommen. „Ich beobachte gerne Menschen und deshalb habe ich mich umgeschaut und bemerkt, dass viele Paare Kommunikationsprobleme haben.“ Mit ihrem Stück möchte sie den Menschen einen Spiegel vorhalten und ihnen die Möglichkeit geben, die Probleme zu erkennen und zu lösen. „Ich würde mich freuen, wenn sich die Zuschauer bei einem echten Streit zu Hause an das Stück erinnern und merken, wie sinnlos manche Auseinandersetzung geführt wird“, fügt Visone hinzu.

Die zweistündige Aufführung ist in kurze Szenen unterteilt, die aufeinander aufbauen. Zwischen den Szenen ist die Bühne abgedunkelt, untermalt von eigens komponierter Musik. Das Bühnenbild ist sehr spartanisch, so reichen ein paar Sitzwürfel.

Das Stück wird am 6. und 20. November jeweils um 20 Uhr und am 14. November bereits um 18 Uhr im Thesa am Harmonieplatz gespielt. (Von Burghard Wittekopf )

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