Tafel-Ritter suchen ihr Plätzchen

Dietzenbach ‐ In so genannter Modulbauweise soll das Bildungshaus im kommenden Jahr an der Stelle des inzwischen abgerissenen Jugendzentrums entstehen. Von Barbara Scholze und Christoph Zöllner

Gebaut wird ein kellerloses Haus mit vorgefertigten Teilen, die erst am Standort zusammengefügt werden und daher nahtlos ineinander passen müssen. So ganz ohne Ecken und Kanten indes ist der politische Prozess rund um das Millionenprojekt an der Rodgaustraße immer noch nicht. So löste die Vorstellung der Baupläne durch Gudrun Pache, Fachbereichsleiterin Stadtplanung und Bauen, im jüngsten Bauausschuss einige Fragen aus. Etwa die nach dem Lärmschutz für die Anwohner. „So geht der gesamte Schall doch Richtung Wohnbebauung“, wies Christel Germer (CDU) darauf hin, dass sowohl der große Saal als auch weitere Veranstaltungsräume im Erdgeschoss zur Lehrstraße hin ausgerichtet sind. „Warum wurde das nicht umgedreht geplant?“, erkundigte sich ebenso Andrea Wacker-Hempel (Grüne) angesichts eines Besucher-Außenbereiches ebenfalls nach Osten hin.

„Ich gehe davon aus, dass es reicht“

Das Thema Lärm sei sehr wohl bedacht worden, entgegnete die Bauamtsleiterin. So sehe der Plan für die Fenster im Erdgeschoss zur Lehrstraße hin Schallschutzglas vor. Mit einem Blick auf die Finanzierung des Projektes, das ursprünglich auf 2,5 Millionen Euro gedeckelt war und mittlerweile bei 2,65 Millionen Euro angelangt ist, teilte Pache mit: „Ich gehe davon aus, dass es reicht“. Man wolle versuchen – trotz Bindung an die Angebote – „Qualitäten zu tauschen“ und so Geld zu sparen. So sollen etwa bei Wandbelägen günstigere Materialien verwendet werden. Noch nicht eingerechnet in die Kosten ist derzeit noch die Innenausstattung.

Erstaunt reagierten manche Ausschussmitglieder auch angesichts der Vorgaben für die Räume der Dietzenbacher Tafel. Noch bei der Abstimmung zum Bildungshaus hatte die CDU zur Bedingung  gemacht, dass die soziale Einrichtung mit ihrer Lebens mittelausgabe für Bedürftige mit im Bildungshaus unterkommt. Nun zeigt der Plan einen Lagerraum an der Ecke Rodgaustaße/Lehrstraße, der mit Lieferfahrzeugen nur schwer erreichbar ist. „Dieser Lagerplatz reicht nicht, es hieß von Anfang an, dass Container auf dem Außengelände eingeplant werden müssen“, sagte Germer in ihrer Rolle als Vorsitzende der Dietzenbacher Tafel.

Für die Container ist kein Platz

Auf Anfrage erklärte Germer nun, die Tafel brauche nicht nur jeden Freitag einen ebenerdigen Raum für die Lebensmittelausgabe, sondern auch Lagerflächen. Bislang sei ein 30 Quadratmeter großes Lager im Bildungshaus eingeplant. Aktuell stehen der Einrichtung zwei Container an der katholischen Kirche zur Verfügung, indes auf dem Gelände der Ernst-Reuter-Schule. Da dieses Areal in Folge einer Bebauungsplanänderung neu geordnet wird, sind dort möglicherweise die Tage für die Tafel gezählt. „Auf dem Kirchengrundstück ist für die Container kein Platz, auch wenn sich Pfarrer Stefan Barton sehr für einen Verbleib der Tafel einsetzt“, so die Vorsitzende. Fraglich sei auch, wie lange die Tafel ihr Außenlager in einem Bürogebäude in der Voltastraße nutzen könne.

„Ich verlasse mich darauf, dass wir alles hinbekommen“, sagte Germer, die noch einmal mit Pache reden möchte. Weitere Kosten sollten auf keinen Fall entstehen. Vielleicht finde sich ein Sponsor, der einen neuen, eventuell kühlbaren Container zur Verfügung stelle. Letztendlich müsse eines Tages der Tafel-Verein grundsätzlich entscheiden, ob und wohin er umzieht. Nicht zur Debatte stehe das Hildegardishaus, da dort keine Anliefer- und Lagermöglichkeiten bestehen.

Rubriklistenbild: © Rainer Sturm pixelio

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