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Mit Taktgefühl und Turnschuhen

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Georg Köhler © Platt

Dietzenbach - Durch die heruntergelassenen Stoffjalousien fallen die letzten warmen Sonnenstrahlen dieses Spätsommers. Vom Pausenhof dringt lautes Stimmengewirr in das Büro des neuen Schulleiters im Erdgeschoss der Ernst-Reuter-Schule. Auf einem Schild an der Tür steht: Dr. Georg Köhler. Von Katharina Platt

Erst vor wenigen Tagen ist das Namensschild erneuert worden, denn Köhler ist erst seit dem 20. August im Amt.

Beworben hat er sich bereits im Mai. Bei jeder anderen Schule wäre ihm die Entscheidung, sich auf den Posten des Schulleiters zu bewerben, nicht so leicht gefallen, sagt er. Aber bei der Ernst-Reuter-Schule wusste er genau, was ihn erwartet. „Das Kollegium ist hier sehr engagiert und verlässlich“, schwärmt er. „Die Lehrer, die Sekretärinnen und alle anderen Angestellten zeichnen sich durch Großherzigkeit und Offenheit aus.“

Die kooperative Gesamtschule zwischen Offenbacher Straße und Dr.-Heumann-Weg kennt der promovierte Lehrer noch aus seiner Kindheit. Zwei Jahre besuchte er sie als Schüler, bevor er nach Heusenstamm auf das Adolf-Reichwein-Gymnasium ging. Überquert er heute den Flur, trifft er schon mal den ehemaligen Hausmeister, der inzwischen im Ruhestand ist und Köhler noch aus dessen Kindheit kennt.

Promotion in Chemie

Nach seinem Studium (Deutsch und Chemie auf Lehramt) arbeitete er fünf Jahre an der Universität in Frankfurt und promovierte in Chemie. Danach landete er als Lehrer an der Ernst-Reuter-Schule. 2006 ging er für ein Jahr ins Staatliche Schulamt, „um Erfahrungen zu sammeln“, wie er sagt. „In dieser Zeit habe ich viel gelernt.“

Sein Wissen über Schulverwaltung und Schulentwicklung hilft ihm nun bei seinen Aufgaben als Schulleiter. Bevor er jedoch zurück an die ERS ging, übernahm er für zwei Jahre die Oberstufenleitung an der Nell-Breuning-Schule in Ober-Roden.

Dass er jetzt wieder an der Gesamtschule in Dietzenbach wirkt, scheint wie ein „Nachhausekommen“, auch wenn er bisher noch keine Zeit hatte, sich in seinem Büro einzurichten. Auf der Fensterbank stehen Pokale aus vergangenen Tagen. „Verdienste meines Vorgängers, Gerhard Kemmerer“, erklärt der 48-Jährige.

Vieles möchte er nicht verändern. „Die Schullandschaft soll so bleiben wie sie ist. Außerdem ist das Konzept der Gesamtschule tragfähig.“ Das Miteinander solle erhalten und weiter gefördert werden, so Köhler. „Der Laden läuft, da will ich erst mal nicht eingreifen.“ Ziel sei es auf jeden Fall, dass keine Schüler ohne Abschluss von der Schule gingen. Ausgebaut werden solle auch das Ganztagsangebot. Dass die Schule wieder zu G9 zurückgekehrt ist, findet er gut, gerade weil die vermeintliche Konkurrenz, die Heinrich-Mann-Schule, weiterhin G8 praktiziert. „Die Schullandschaft der Stadt wird so bereichert.“ Mit der HMS steht Köhler in Kontakt. Eine Zusammenarbeit sei nützlich und erstrebenswert.

Big-Band-Projekt mit anderen Schulen geplant

Wenn Georg Köhler von „seiner“ Schule spricht, leuchtet es in seinen Augen. Blickt er sich um, gibt es vieles, über das er sich freut. Vor allem die zahlreichen sportlichen und musischen Angebote, die außerhalb des normalen Unterrichts zur Verfügung stehen, zeichneten die Schule aus, sagt er. Klingen musikalische Töne durch die Gänge und über den Pausenhof, zaubert das dem neuen Rektor ein besonders breites Lächeln ins Gesicht. Schließlich spielt er seit seinem 16. Lebensjahr Schlagzeug. Mit seiner Band „X-it“ stand er bereits diverse Male auf Bühnen in Stadt und Kreis. Aber nicht nur Rockmusik begeistert den Lehrer. Ebenso können ihn Orgelkonzerte, Opern oder klassische Stücke erfreuen. In Zusammenarbeit mit anderen Schulen plant er ein gemeinsames Big-Band-Projekt. Viel mehr möchte er dazu jedoch noch nicht verraten. Taktgefühl und Musikalität bewies bereits sein Vorgänger. Dennoch seien diese Attribute jedoch keine Voraussetzung für den Posten gewesen, sagt er lachend. Dennoch sei seine Musikalität hilfreich. „Musik verbindet“, weiß er aus Erfahrung.

Der Lärm vom Schulhof ist nach der großen Pause verstummt. Dafür dringt Klaviermusik in den kleinen Raum. „Es gibt kein besseres Büro“, sagt er begeistert. Dem Vater zweier Töchter gefällt es, wenn die Schule nach Leben klingt. Auch deshalb hat er darauf bestanden, trotz seiner vielen Aufgaben noch zu unterrichten. Man müsse die Basisarbeit mitkriegen, meint er. Wenn er Zeit hat, holt er schon mal einen schwänzenden Schüler selbst zu Hause ab. Seine Füße unter dem Tisch stecken in zwei schwarzen Sportschuhen. Man wäre nicht verwundert, würde er aufspringen und auf den Pausenhof laufen, um sich in das pulsierende Leben „seiner“ Schule zu stürzen.

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