„Viele haben Entwicklungsbedarf“

Talentcampus im Dietzenbacher Bildungshaus fördert Kinder sprachlich und motorisch

Fliegende Autos, Häuser, die in den Himmel ragen und der Aussichtsturm als Wahrzeichen: Geht es nach dem Kindern beim Talentcampus, wird Dietzenbach in 800 Jahren genau so aussehen.
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Fliegende Autos, Häuser, die in den Himmel ragen und der Aussichtsturm als Wahrzeichen: Geht es nach dem Kindern beim Talentcampus, wird Dietzenbach in 800 Jahren genau so aussehen.

Der Talentcampus der Volkshochschule in Kooperation mit dem Bildungshaus steht diesmal ganz im Zeichen von 800 Jahre Dietzenbach.

Dietzenbach – In verschiedenen Kursen, die im „Bunten“ in den Herbstferien anboten werden, sollen die teilnehmenden Kinder aber nicht nur die Vergangenheit des ehemaligen Dorfes im Wiesengrund kennenlernen und sich Gedanken über die Zukunft der Stadt machen, sondern auch sprachlich und motorisch gefördert werden.

„In der Zukunft gibt es fliegende Autos“, ist sich Sara sicher. Mit ihrer Gruppe zeichnet die Schülerin auf einem weißen Bettlaken ihre Idee davon, wie Dietzenbach in 800 Jahren aussehen könnte. Neben Lufttaxis werden Häuser, die bis in den Himmel ragen, das Stadtbild prägen. Zudem sind sich die Kinder einig, dass der Aussichtsturm auch in der Zukunft das Wahrzeichen Dietzenbachs sein wird.

Auf der anderen Seite des Raums sitzt Dunja und malt ein – ebenfalls auf ein weißen Bettlaken gezeichnetes – Haus an. „Das ist das Fachwerkhaus vor dem Heimatmuseum“, erklärt sie. Mit fünf weiteren Kindern stellt sie Dietzenbach dar, wie es vor 800 Jahren ausgesehen haben soll. Neben dem Fachwerkhaus haben die Schüler noch eine Mühle gezeichnet.

Dunja ist froh darüber, dass sie ihre Ferien im Bildungshaus verbringen kann: „Es ist toll, dass wir trotz Corona etwas zusammen machen können.“ Mitmalerin Yasmin stimmt ihr zu: „Es macht uns Spaß, weil wir es gemeinsam machen können.“

Im Computerraum recherchiert eine andere Gruppe, wie Kinder vor 800 Jahren gelebt haben. Leiterin Ganimete Dauti hat dazu verschiedene Aufgaben gestellt: So sollen die Kinder etwa herausfinden, ob es damals überhaupt Schulen gab, oder was junge Menschen im Mittelalter getragen haben. Damit die Suche nicht zu lange dauert, gibt Dauti Tipps, wo die Lösungen zu finden sind. Die Recherche soll aber nicht nur Spaß sein, betont sie: „Wir wollen den Kindern zeigen, wie sie mit Computern umgehen, denn viele haben keinen eigenen zu Hause.“ So wie Danial, der Computer nur aus der Schule kennt und deshalb noch etwas unsicher in der Bedienung ist. Trotzdem hat der Neunjährige schnell erste Antworten gefunden. „Ich habe sie auch schon ausgedruckt“, berichtet er stolz.

Im Bistro des Bunten rollt eine dritte Gruppe fleißig Teig aus. Zum Mittagessen gibt es Pizza, natürlich selbst gemacht. Auch wenn die Öfen nicht aus dem Mittelalter stammen, der Kurs zeigt den Kindern, wie es war, per Hand zu backen. Ayse Özer, Mitinitiatorin des Campus, möchte mit dieser Aufgabe ihre Schützlinge motorisch stärken. Das wichtigste Ziel des Ferienprojektes sei aber, die Kinder sprachlich zu fördern, betont Özer, denn „viele haben einen besonderen Entwicklungsbedarf“. Um ihre verbalen Fähigkeiten zu verbessern, haben die Schüler am ersten Veranstaltungstag eine Kurzgeschichte zum Thema des Talentcampus verfasst.

Das soll ebenfalls das Selbstvertrauen stärken, auch wenn sich nicht alle Kinder sofort für die Aufgaben begeistern können. „Sobald sie ihre fertigen Werke sehen, sind sie stolz auf sich“, versichert Özer. Daher haben die Kunsttage, an denen Kreativität gefragt war, den Teilnehmern besonders viel Spaß gemacht. Der Besuch der Stadtbibliothek sei ebenfalls gut angekommen, meint sie. Zwar hätten einige Schüler zunächst über das Ausflugsziel geklagt, aber Eltern haben Özer später berichtet, dass ihre Kinder von dem Tag begeistert waren, verrät die Mitinitiatorin.

Ihre fertigen Werke präsentieren die Teilnehmer dann am letzten Tag des Talentcampus . Allerdings ohne Eltern, denn die dürfen in Corona-Zeiten nicht dabei sein. Die Werke bekommen sie dennoch zu sehen, verspricht Özer. „Alles, was von den Kindern gemalt oder gebastelt wird, fotografieren wir.“ (Joshua Bär)

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