Interview mit Michael Quast

Tausendsassa auf der Bühne

Michael Quast (rechts) bekommt bei seinem Programm Unterstützung von Philipp Mosetter.
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Michael Quast (rechts) bekommt bei seinem Programm Unterstützung von Philipp Mosetter.

Dietzenbach - Mit dem Programm „Schiller – Verrat Verrat, und hinten scheint die Sonne“ ist Michael Quast am Freitag, 31. März, um 20 Uhr im Bürgerhaus (Europaplatz 3) zu Gast. Im Interview spricht er über Krankheiten, Komik und das Scheitern. Von Christian Wachter

Neben Friedrich Schiller haben Sie auch schon Johann Wolfgang von Goethe auf die Bühne gebracht. Mit welchem der beiden hätten Sie lieber ein Bier getrunken?

Schwierig zu sagen. Goethe, so wie die Zeitgenossen ihn beschreiben, wäre wahrscheinlich relativ arrogant gewesen gegenüber einem Fremden. Von Schiller sagt man, dass er geselliger und bescheidener war, aber auch etwas humorlos. Interessant wäre es mit beiden gewesen. Wobei man mit Goethe eher Wein und mit Schiller irgendeine Medizin getrunken hätte. Er war ja immer krank.

Krankheiten spielen in dem Programm generell eine Rolle. Es heißt, Sie verkörpern sie sogar selbst auf der Bühne. Wie geht das denn?

Man weiß ja, an welchen Krankheiten Schiller gelitten hat. Wir zeigen das beispielhaft an einem Monolog aus dem Wallenstein, bei dem mein Kollege Philipp Mosetter die Krankheiten aufruft und ich sie dann spiele. Krampfhusten, Auswurf, Zahn- und Kopfschmerzen, Krämpfe, Atemnot, was bei so einer Tuberkulose eben so alles anfällt.

Philipp Mosetter wird in der Ankündigung als personifizierte Fußnote bezeichnet. Trifft’s das?

Ja. Der Kollege ist der Dramaturg und Germanist, der versucht, alles zu erklären. Manchmal vertritt er abstruse Theorien. Mein Part ist der des Schauspielers, der alles darstellen will, die ganzen Stücke alleine spielt, etwa in einer Kurzversion von drei Minuten „Die Räuber“ komplett verkörpert. Ich bin als Bühnen-Tausendsassa an der Leine des Dramaturgen, der durch den Abend führt.

An dem Abend wird es auch um das Scheitern gehen. Wie kommt’s?

Ein Teil der Komik auf der Bühne besteht darin, dass Sachen anders oder nicht so funktionieren, wie man es geplant hat. Schiller war so ein 150-Prozentiger. Der wollte möglichst alles und das gut und perfekt. Er war vielleicht ein wenig überspannt, ein strenger Kritiker von anderen Autoren, mit höchsten Ansprüchen, die er auch selbst oft nicht einlösen konnte. Ein Scheitern ist da programmiert.

Sind Sie selbst auch schon gescheitert?

Natürlich. Als Schauspieler ist mir das gerade in festen Engagements passiert, in denen ich mir nicht aussuchen konnte, was ich spiele, sondern besetzt wurde. Da bin ich auch schon grandios und jämmerlich gescheitert. Als ganz junger Schauspieler hab’ ich bei einer Aufführung in Ulm den Haimon in Antigone gespielt. Das war grauenhaft, da habe ich mich geniert, ich war wirklich nicht gut.

Sollten die Besucher lektürefest sein und Schillers Werke noch präsent haben?

Der Abend funktioniert auch für Leute, die keine Ahnung haben von Schiller. Die können noch einiges lernen. Ein guter Einstieg. Aber wer vielleicht von der Schule noch etwas weiß, wird sicherlich das ein oder andere erkennen.

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Auf der Internetplattform Wikipedia gelten Sie als Schauspieler, Kabarettist, Regisseur und Produzent. Sind sie mit der Reihenfolge einverstanden?

Inzwischen würde ich den Kabarettisten weiter nach hinten schieben oder weglassen. Ich mache hauptsächlich Theater und bin ja auch Theaterdirektor bei der Fliegenden Volksbühne. Ich stelle also auch Stücke auf die Beine.

Wie kam es zum Verzicht auf das Kabarett?

Krisenhafte Zeiten wären eigentlich gut für Kabarettisten. Aber mich hat es gelangweilt, immer nur hinterherzulaufen. Es passiert was, und der Kabarettist muss reagieren. Die Arbeit im Theater ist für mich vielseitiger und interessanter.

Verbinden Sie etwas mit Dietzenbach?

Ich bin gerne da und auch relativ oft. Die Stadt gehört zu unseren festen Gastspielorten. Ich war schon mit ganz unterschiedlichen Produktionen da. Zuletzt mit den Red Hot Hottentots, da habe ich Texte von Friedrich Stoltze dazu vorgetragen. Es ist ja auch nicht weit aus Frankfurt. Also, auf nach Dietzenbach!

Wir verlosen dreimal zwei Karten für Michael Quasts Vorstellung im Bürgerhaus. Wer gewinnen möchte, schreibt bis zum morgigen Mittwoch eine Mail mit dem Betreff „Schiller“ an gewinn_dietzenbach@op-online.de.

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