Telekomstörungen beeinträchtigen Bewohner von Seniorenanlagen massiv

Notruf tot, Aufzüge stehen still

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In der Seniorenwohnanlage Dieffenbachstraße steht derzeit ebenso wie in Anlage an der Adolph-Kolping-Straße der Aufzug still, weil der Notruf aufgrund einer Telekomstörung nicht funktioniert.

Dietzenbach - Die Telekom sorgt bei einigen Dietzenbachern weiter für Unmut. Von Ronny Paul 

Nachdem, wie berichtet, Telekomkunden vor allem in Steinberg über Weihnachten, Silvester und Neujahr ohne Telefon und Internet auskommen mussten – der Grund war laut Telekom ein defektes Hauptkabel nach einem Wasserschaden –, sind derzeit Bewohner der Seniorenwohnanlagen Dieffenbach- und Adolph-Kolping-Straße die Leidtragenden.
„Seit deutlich mehr als einer Woche sind die Festnetz-Anschlüsse dort tot“, berichtet ein aufgebrachter Sohn einer Bewohnerin der Dieffenbachstraße. Davon sei auch der Aufzug betroffen, da er wegen fehlender Notruffunktion außer Betrieb genommen wurde. So sitzen gehbehinderte Bewohner in ihren Wohnungen fest beziehungsweise müssten aufwendig durchs Treppenhaus für die notwendigsten Bedürfnisse wie Arztbesuch oder Therapie gehievt werden, beklagt der Mann weiter. Das sei ebenfalls ein hohes Sicherheitsrisiko.

Das Problem gab es vor Weihnachten auch im Betreuten Wohnen an der Ringelnatzstraße.

Der Heilpraktiker Thorsten Ruscher aus Seligenstadt, dessen 83-Jährige Mutter ebenfalls an der Dieffenbachstraße wohnt, moniert: „Wie kann man diesen älteren Mitmenschen den Weg aus ihren Wohnungen versperren, die auf einen Aufzug angewiesen sind, um Einkäufe zu erledigen und zu sich nach Hause zu transportieren, um notwendige Arztbesuche zu tätigen oder nur um einmal einen Spaziergang zu unternehmen.“ Die Fahrstuhlfirma habe den Aufzug aufgrund von Sicherheitsbestimmungen außer Betrieb nehmen müssen und sehe sich nicht in der Verpflichtung, anderweitige Lösungen anzubieten.

Gerd Gries, dessen 94-jährige Mutter in der Adolph-Kolping-Straße 3 wohnt, berichtet, dass dort im Betreuten Wohnen seit zwei Tagen ebenfalls der Aufzug wegen fehlenden Notrufs abgeschaltet sei, nachdem schon zwischen Weihnachten und Neujahr die Telefonverbindungen ausgefallen waren. Im Haus wohnen elf Parteien, die fast alle auf ihre Rollatoren angewiesen sind, informiert Gries. Die seien nun „richtig gefangen“. Seine Mutter müsse jeden Tag zur Tagespflege vom Pflegedienst die Treppe runtergetragen werden. „Das ist ein Skandal“, findet Gries.

Im Betreuten Wohnen in der Ringelnatzstraße 47 gab es vor Weihnachten ebenfalls das Problem, dass der TÜV den Aufzug aufgrund einer Massestörung bei der Telekom „zwangsläufig stilllegen musste“, berichtet Peter Amrein, Fachbereichsleiter Soziale Dienste. Dort habe die Stadt sich „freiwillig“ um eine Linderung bemüht. Zunächst habe es geheißen, die Störung könne im erst neuen Jahr behoben werden. Die Telekom wiederum habe nicht in Aussicht gestellt, eine Funkverbindung einzurichten, berichtet Amrein. Daher habe er mit der Hausverwaltung und der Aufzugsfirma Kontakt aufgenommen und „freundlich vermittelt“. Im Endeffekt habe eine zertifizierte Fremdfirma einen Monteur geschickt, der noch vor Weihnachten eine Funkverbindung im Aufzug eingerichtet hat. Die Awo als städtischer Vertragspartner im Seniorenbereich sei ebenfalls zu Hilfe gekommen. Ein Mitarbeiter habe laut Amrein bei den Bewohnern regelmäßig geklingelt und nach dem Rechten gefragt.

Weiterhin berichten Telekomkunden am Hexenberg von Telefon- und Internetausfällen etwa in der Forsthaus- und Berliner Straße, die bereits seit Anfang Dezember bestehen. Ein Leser beklagt: „Bei der Telekom ist niemand in der Lage, eine fachliche Auskunft über den Stand der Reparaturarbeiten zu geben.“

Telekomsprecherin Alexia Sailer sagt auf Anfrage: „Von der Störung sind mehrere Anschlüsse betroffen, Ursache ist ein partieller Schaden eines Kabels mit Erdkontakt.“ Sie erläutert: Ein Kabelbund führe mehrere Kabelstränge, der Erdschluss beschränkte sich in diesem Fall auf wenige dieser Kabelstränge. „Die meisten Anschlüsse konnten nach einem Defekt schnell wieder aktiviert werden. Der betroffene Strangteil – unter anderem der Anschluss des Aufzugsnotruf – muss mittels Tiefbauarbeiten instandgesetzt werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran.“

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Allerdings widerspricht sich das mit den Aussagen der zuständigen Auszugsfirma Kone. Deren Marketingleiterin Nicole Köster, sagt auf Anfrage, dass die Telekom zum 31. Dezember die analogen Anschlüsse in Dietzenbach abgeschaltet habe. Das betreffe auch die Notrufanlage im Aufzug an der Dieffenbachstraße, die mit der Notrufzentrale analog verbunden sei. Der Aufzug dürfe aus Sicherheitsgründen so nicht weiter betrieben werden. Das sei den Bewohnern auch Anfang Januar von der Hausverwaltung per Aushang mitgeteilt worden, betont Köster. Alternative Varianten wie etwa ein GSM-Modul (Funkverbindung mit SIM-Karte) kenne die Hausverwaltung ebenfalls.

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