Geschichtsverein fürchtet um Existenz

Der Teufel im Satzungsdetail

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Weil er fürs Museum im Hintergrund Miete bezahlen soll, sieht der Heimat- und Geschichtsverein keine klare Zukunft.

Dietzenbach - Weil der Heimat- und Geschichtsverein künftig Miete für das Museum bezahlen soll, sieht er seine Existenz gefährdet. Bei der SPD wiederum interpretiert man es als Affront, dass er deshalb einen Mitgliederstopp verhängte. Von Christian Wachter 

90 Prozent Ermäßigung, das klingt erst einmal nicht schlecht, so ohne Kontext. Nach einem Schnäppchen geradezu. Das derzeitige Verhältnis zwischen Geschichtsverein und SPD zeigt aber: Die einen sagen so, die anderen so. Auslöser der Debatte sind die in der Stadtverordnetenversammlung von den Parlamentariern angenommenen Änderungsanträge der GrokoPlus aus CDU, SPD und WIR-BfD. Nach dem jüngsten Akt der „Satzung über die Nutzung der öffentlichen Einrichtungen in Dietzenbach“ sollen der Feuerwehr- und auch der Heimat- und Geschichtsverein eine Mietpreisermäßigung von 90 Prozent für die jeweiligen Museen an der Rathenau- beziehungsweise der Darmstädter Straße erhalten. Die Änderungen werden zur kommenden Sitzung am 23. März in die Satzung eingearbeitet, bevor die Volksvertreter erneut darüber abstimmen. Der Heimat und Geschichtsverein allerdings „bangt nun um seine Existenz“, wie er in einem Schreiben mitteilt.

„Da die Stadtverordneten mehrheitlich beschlossen haben, dass der Verein künftig Miete für das Museum für Heimatkunde und Geschichte leisten muss, wissen wir derzeit nicht, wie es weitergeht“, sagt der Vorsitzende Hans-Erich Scholze. Der geforderte Betrag übersteige die Mitgliedsbeiträge, weitere Einnahmequellen habe man nicht, und unter diesen Bedingungen könne man die Attraktivität der Ausstellungen nicht halten. Man habe sich daher zu einem „schweren Schritt“ entschieden: „Auf Beschluss des Vorstands wird der Verein bis zur Klärung einer zukunftsgesicherten finanziellen Situation keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen.“ Das sei zwar hart für alle Beteiligten, „in Anbetracht unserer Verantwortung für den Verein und die Mitglieder aber der einzige und ehrliche Weg“, argumentiert Scholze.

Bei Dietzenbachs Sozialdemokraten sorgt das für mehr als nur ein Stirnrunzeln. Angesichts der schwierigen Situation, betont der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Rainer Engelhardt, hätten sich fünf Stadtverordnete aus den eigenen Reihen Mitte Februar dazu entschlossen, dem Verein beizutreten und darüber hinaus weitere Mitglieder zu werben. Auf die Anträge sei eine Absage gefolgt, mit dem Verweis des Vereins darauf, dass er seine Zukunft gefährdet sehe. Das habe für große Verwunderung gesorgt. Für Engelhardt lässt das Raum für Fragen wie: „Sollen die Stadtverordneten für die Rücknahme des Beschlusses sorgen, um dann in den Verein aufgenommen zu werden? Befürchtet man eine feindliche Übernahme durch die Sozialdemokratie? Oder will man sich einfach nicht in die Karten schauen lassen?“ Man müsse doch gerade jetzt mit Mitgliedern arbeiten. „Wenn eine solche Unterstützung nicht gewollt ist, ist das ein Schlag ins Gesicht jener, denen Gemeinwohl und Ehrenamt am Herzen liegen“. Außerdem spreche man nicht über „Millionenbeträge“ und die Mitglieder hätten zu diesem Entschluss befragt werden müssen, findet Engelhardt.

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Scholze weist darauf hin, dass man auch Anträge von Mitgliedern anderer Parteien abgelehnt habe. Es sei schlicht nicht zielführend, mit den Beiträgen nur die Kosten für die Pacht decken zu können. „Der Betrieb ließe sich auf Dauer nicht stemmen, wenn wir der Möglichkeit beraubt würden, neue Dinge anzuschaffen. Dadurch, dass man im Jahr rund 70 bis 100 Schul- und Kindergartengruppen durchs Museum führe, hätte man zwar Chancen auf Mittel aus einem Sondertopf, „das ist aber nur eine temporäre Lösung“. Nun, fügt er hinzu, wolle man aber erst einmal Gespräche mit der Verwaltung abwarten, sobald das Reglement in die Nutzungssatzung aufgenommen worden ist.

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