Wenn es die Seniorenhilfe nicht gäbe...

Thorsten Schäfer-Gümbel lobt Dietzenbachs größten Verein

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SPD-Landesvorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel (Vierter von links) hat die Seniorenhilfe im Göpfert-Haus besucht.

Dietzenbach - Die Seniorenhilfe ist der größte Verein in der Kreisstadt. Was er alles macht, um Älteren den Alltag zu erleichtern, davon hat sich der SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel im Göpfert-Haus bei seiner Sommertour ein Bild gemacht. Von Christian Wachter

Dass er von seiner Sommertour etwas mitnehmen möchte, demonstriert Thorsten Schäfer-Gümbel am Ende im ganz wörtlichen Sinne. Anstatt sich in ein Gästebuch einzutragen, hatte der Fraktions- und Landesvorsitzende der SPD selbst eines ins Reinhard-Göpfert-Haus mitgebracht. Und so reihen sich die Unterschriften der Mitglieder von Dietzenbachs Seniorenhilfe nun wohl zwischen denen aus Obertshausens Horst-Schmidt-Haus, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband in Offenbach und dem Bildungszentrum West in Neu-Isenburg ein, die der Sozialdemokrat am selben Tag besucht hat. Was so ein Abstecher einer kleinen Delegation von Dietzenbachs größtem Verein für die Wählergunst bedeuten kann, deutet die SPD-Landtagsabgeordnete Ulrike Alex an: Es seien viele Multiplikatoren hier, der Verein habe 2000 Mitglieder, darunter auch junge Menschen. Dass deren Einsatz gefragt ist, betont der Ehrenbürgermeister und Ehrenvorsitzende Jürgen Heyer: „Wir brauchen und haben 200 aktive Mitglieder.“

Wie vor 24 Jahren alles begann – nächstes Jahr steht das große Jubiläum an –, davon erzählt das Seniorenhilfe-Ehrenmitglied Mathilde Al-Dogachi. 1994 habe es eine neue Generation gegeben, die in die Jahre kam. Viele Firmen setzten leitende Angestellte früher frei, Angebote zu Freizeitgestaltung habe es kaum gegeben. „Dietzenbach war eine Schlafstadt.“ Um als Seniorenhilfe existieren zu können, das sei ihnen von Beginn an klar gewesen, müsse man sich darauf einstellen, zwar einmalige Zuschüsse, ansonsten aber keine öffentlichen Gelder zu bekommen. „Wir haben das Ehrenamt auf den Kopf gestellt, die Menschen sagen selbst, was sie machen möchten.“ Mit sieben Euro habe man sich außerdem bewusst für einen niedrigen Jahresbeitrag entschieden. „Jeder muss sich das leisten können.“ Außerdem habe man die Verwaltungsgebühren – jenes Entgelt, das die Mitglieder entrichten, die etwa Fahr- oder Begleitdienste in Anspruch nehmen – gering gehalten.

Jene Mitglieder wiederum, die Leistungen anbieten, bekommen Punkte für ihre Einsatzstunden. Diese können sie zum Beispiel dann einsetzen, wenn sie selbst hilfsbedürftig sind und sich so die Gebühren sparen. Später erfährt Schäfer-Gümbel, dass nur ein Bruchteil der Punkte eingesetzt wird. Vier Prozent seien es in etwa, manche Mitglieder hätten fast schon einen Wettbewerb daraus gemacht, ein hohes Punktekonto aufzubauen, erzählen die anwesenden Mitglieder. Bis zu 5000 Punkte hätten manche angesammelt.

Im Alter in eine Wohngemeinschaft ziehen

Bei der Seniorenhilfe, betont Al-Dogachi, solle nicht jeder einfach nur eine Nummer sein. Deshalb gibt es für Neulinge auch ein Willkommenscafé, bei dem gleich versucht wird, neue Aktive zu rekrutieren. Die Mitgliederzeitung wird persönlich ausgetragen.

Karlheinz Wenninger berichtet davon, dass es neben Gesprächskreisen, Radler-Treffs, dem PC-Bistro, der Schreibwerkstatt oder Minigolf auch eine Aktion gibt, die sich speziell an Schüler richtet. „Alt hilft Jung“ heißt das Konzept, mit dem etwa an der Helen-Keller-Schule eine Fahrradwerkstatt betrieben wird oder „Lese-Omas“ und „Lese-Opas“ in die Dietzenbacher Grundschulen geschickt werden. „Die Jungen sind schneller, aber die Alten kennen die Abkürzungen“, zeigt sich Schäfer-Gümbel angetan. Viele seiner Fragen seien schon vorweggenommen worden. „Das spricht für eine exzellente Vorbereitung.“ Wenn es die Seniorenhilfe nicht gäbe, „müsste man sie erfinden.“ Dennoch dürfe sie kein vollständiger Ersatz für öffentliche Aufgaben sein.“

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