Politik soll wieder mehr gestalten

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Auch wenn keiner Windräder vor der eigenen Haustür haben will: Für Thorsten Schäfer-Gümbel ist die Energiewende keine ästhetische Frage, wie er beim Neujahrsempfang sagte.

Dietzenbach - Gute Wünsche sind zum Jahresanfang an der Tagesordnung wie derzeit die Neujahrsempfänge. Jetzt hatte die SPD geladen und die Besucher strömten zahlreich ins Bürgerhaus. Von Simone Weil

Dass es diesmal deutlich mehr Gäste waren als im vergangenen Jahr, liegt wohl am Dreierbündnis mit GDL und WIR-BfD, deren Vertreter die Zuhörerschar verstärkten.

Doch auch der Hauptredner des Abends, Thorsten Schäfer-Gümbel, Fraktionsvorsitzender und Landesvorsitzender der SPD Hessen, galt vielen als Zugpferd. Mit seinen unaufgeregten Worten zeigte sich die Mehrheit der Gäste recht zufrieden. Umrahmt von Melodien, die die Musikschule beisteuerte, wurden auch nach dem offiziellen Teil noch viele anregende Gespräche geführt.

Er verzichte aufs Polemisieren gegen andere, auch wenn aktuelle Ereignisse reichlich Anlass dazu böten, sagte das Landtagsmitglied. Dennoch könne er sich eine Bemerkung zum Thema Politik und Moral nicht verkneifen: Leider erzeuge das große Misstrauen in die Politiker die größte Partei, nämlich die Nichtwähler. Durch viel zu viele Skandalgeschichten sei aus dem Blickfeld geraten, was der ureigenste Auftrag von Politik sei: das Gestalten. Dabei gehe es vor allem darum, die Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Bildung ein Schwerpunkt für Schäfer-Gümbel

Bildung ist ein Schwerpunkt für Schäfer-Gümbel, den seine Partei als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten nominiert hat. Nicht zuletzt aus persönlicher Erfahrung will der 42-Jährige seinen Beitrag dazu leisten, dass nicht länger die soziale Herkunft über den Bildungsabschluss entscheidet.

Außerdem braucht das Land nach Auffassung des SPD-Landes-Chefs „eine Lohn-Anstands-Grenze nach unten“, den Mindestlohn, eine Energiewende und eine andere Steuerpolitik („Starke Schultern müssen mehr tragen“). Klare Bekenntnisse zur Integration von Migranten, die das Land bereichern, gegen Rechtsextremismus und gegen die enormen Belastungen, die der Ausbau des Frankfurter Flughafens für die Region mit sich bringt, wurden eifrig beklatscht.

Zuvor hatte Stefan Schmitt, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, bei seiner Begrüßung das Motto fürs neue Jahr genannt: aktiv sein und anständig bleiben. Er lobte: „In Dietzenbach gelingt es uns, etwas auf die Beine zu stellen wie das Integrationskonzept.“ Fraktionsvorsitzende Ulrike Alex hatte einige Kuriositäten bei der zehnköpfigen SPD-Vertretung im Stadtparlament ausfindig gemacht und amüsierte das Publikum: Der jüngste sei 25 Jahre alt, außerdem stelle man den Alterspräsidenten. Der Frauenanteil liege bei stolzen 40 Prozent, „ohne Doppelnamen“. Vorzuweisen habe die Fraktion außer „einem Doktor mit echter Promotion“ sogar noch einen Vollerwerbslandwirt.

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