Fotos für den Zoo

Vom Affen bis zum Zierfisch und Zebra

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Dietzenbach -  Nach Mosambik, nach Afrika generell reist er nicht mehr, um Tiere zu fotografieren. Auch nicht auf die Malediven zum Tauchen – und ebenfalls Tiere Ablichten. „Schweiz, Italien, das würde ich vielleicht noch machen“, sagt Wolfgang Daum. „Weiter nicht.“ Von Nina Beck

Denn der 61 Jahre alte Tierfreund, nach dem Mitte der 80er Jahre gar ein lilafarbener Riffhummer benannt worden ist (Enoplometopus daumi), ist chronisch krank und seit seinem 56. Lebensjahr Frührentner. Maximal vier Stunden am Stück, sagt er, kann er unterwegs sein. Sein Knochengerüst macht ihm Probleme, „könnte passieren, dass ich sofort operiert werden muss“, so Daum.

Wenn er nicht gerade im Frankfurter Zoo, dem Opel-Zoo oder auch dem Darmstädter Vivarium in den Gehegen fotografiert, sondern mal in freier Natur auf Fotopirsch geht – etwa im Mönchbruch, wo er kürzlich Nutrias vor die Kamera bekam –, dann zieht er immer ein kleines Wägelchen hinter sich her, mit luftgepolsterten Reifen. Die Kamera-Ausstattung wäre ihm sonst zu schwer.

Im Glaszentrum in Neu-Isenburg gearbeitet

Wolfgang Daum fotografiert für mehrere Zoos und Tierparks.

Die letzten 21 Berufsjahre hat Daum in einem Glaszentrum in Neu-Isenburg gearbeitet, als Betriebsleiter, auch im Außendienst als technische Betreuung für Glasereien, Glasbaufirmen, Schreinereien und mehr. Doch bis heute kennt der gebürtige Mainzer, der seit 1991 in Dietzenbach lebt, die lateinischen Namen von allen möglichen exotischen Zierfischen und Reptilien, die er sich in seinem ersten Beruf angeeignet hat.

Gerade mal 18 Jahre war Daum alt – zu der Zeit, 1969, galt man damit noch nicht als volljährig –, als ihn die Umstände dazu zwangen, schleunigst einen Job anzunehmen und Geld zu verdienen. Denn seine damalige Freundin, spätere erste Frau, war schwanger. Aufgewachsen war Daum in Rüsselsheim, sein Urgroßvater, Großvater, Vater: alle Opelaner. Und so sollte auch Wolfgang Daum zu Opel gehen. Dort fing er eine Ausbildung als tech- nischer Zeichner an, schwenkte dann um zu einer kaufmännischen Ausbildung. Aber eigentlich wollte er am liebsten „etwas mit Biologie machen“, erzählt Daum. Denn schon als Kind hatte er Fische und exotische Vögel, ein Hund und eine Katze lebten in der Familie, und er selbst hat Elstern mit der Hand groß gezogen. „Ich hab’ mich also bei der Höchst AG in der Biologie beworben, aber da war nichts frei. Stattdessen habe ich dann als Chemielaborjungwerker angefangen“, erzählt er. Doch die Dämpfe damals, das sei nichts gewesen. „Ich bin mehrfach umgefallen“, erinnert sich der Dietzenbacher.

„Tropicarium Frankfurt“

Und dann fand er die für ihn damals perfekte Stelle, in Dreieich-Buchschlag beim „Tropicarium Frankfurt“, einer Zierfisch Im- und Exportfirma. Erst war er da Tierpflege-Anlernling, dann machte er eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. „Ich war ein Autodidakt, aber auch ein Insider der Branche“, sagt Daum. Die lateinischen Tiernamen, so er sie nicht sowieso schon kannte, hat er nach und nach gelernt. Er kennt sie bis heute.

Krankheitsbehandlungen standen in der laut Daum damals bundesweit ältesten Import-/Exportfirma für Zierfische aus dem Süß- und Seewasserbereich sowie Reptilien ebenso an der Tagesordnung, wie Um- und Eingewöhnung, aber auch der möglichst schonende Versand an Zoohandlungen und weitere Kunden im gesamten Bundesgebiet, darunter auch die Senckenbergische Stiftung in Frankfurt.

Intermezzo bei der Bundeswehr

Nach einem Intermezzo bei der Bundeswehr konnte Daum im Tropicarium weiterarbeiten, wo er mit zwei Leuten die Seewasserabteilung übernahm. „Gemeinsam mit einem Techniker aus Katzenelnbogen habe ich eine 40.000-Liter-Anlage entworfen“, erzählt der Allrounder. „Mit Biofilteranlage und allem Drum und Dran. Es ging damals darum, die Haltungsbedingungen für die Tiere drastisch zu verbessern.“ Er arbeitete auch samstags und sonntags – „die Tiere kennen kein Wochenende“ –, war nicht zuletzt mit sogenannten Notaufkäufen am Frankfurter Flughafen betraut. „Wir haben eng mit Fluggesellschaften wie Lufthansa, Thai Garuda oder auch Ceylon Air zusammengearbeitet“, erinnert er sich.

„Es konnte schonmal vorkommen, dass jemand von Lufthansa abends anrief und sagte: Wir haben hier 60 Kartons lebend-Tropenzierfische. Die waren für Amsterdam gedacht, das Flugzeug musste aber wegen Nebels hier landen, und jetzt haben die kein Interesse mehr daran.“ In solchen Fällen stieg Daum in seinen Firmenwagen, einen VW-Bus, und fuhr die kurze Strecke zum Flughafen rüber. Zweimal ist er beim Abwickeln solcher Notaufkäufe von einem Giftfisch gestochen worden, dessen Stacheln noch durch mehrere Lagen Plastikbeutel und Zeitungspapier durchkamen. Aber ihm konnte direkt vor Ort geholfen werden.

Bedrohte Tierarten

Bilder: Die am stärksten bedrohten Arten

Zu dieser Zeit fing Daum an, für Fachzeitschriften zu schreiben – und dann auch zu fotografieren. Analog natürlich damals noch. Im Tropicarium hat er sich eigens dazu ein Fotografierbecken eingerichtet mit kleiner Riffwand als Hintergrund. Schon als Kind hatte er gern fotografiert. Sieben, acht Jahre alt wird er gewesen sein, als sein Vater anfing, ihm das beizubringen, „damals noch mit 6 mal 9 Rollfilm“.

Heute fotografiert der ausgesprochene Tier- und Katzenliebhaber (er und seine jetzige Frau teilen sich die Wohnung in einem Niedrigenergiehaus mit insgesamt vier Samtpfötlern) mit seiner Canon EOS 60 D und Objektiven mit Brennweiten zwischen 18 und 400 Millimetern, oder auch der Canon EOS D 350.

2010 hatte er wieder verstärkt angefangen, sich diesem Hobby zu widmen. „Meine Freunde haben das gesehen und gesagt, du machst so tolle Fotos, zeig’ die doch mal“, erinnert sich Daum. So kam es erst zu seiner eigenen Webseite – und dann zu den Zoo-Engagements.

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