Verwilderte Katzen

Aus einem Paar werden 80 Millionen

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Verwilderte Hauskatzen im Lager des Gartencenters Dehner.

Dietzenbach -  Das Gartencenter Dehner an der Albert-Einstein-Straße hat Zuwachs bekommen: „Im vergangenen Sommer haben wir eine Katze im Lager bemerkt. Im Herbst kamen auf einmal drei Jungkatzen dazu“, sagt Dirk Gerber. Von Ronny Paul 

Der Verkäufer der Zooabteilung bat daraufhin die Dreieicher Organisation „Tierhilfe Aktiv“ um Hilfe: „Wir können zwei Katzen behalten“, sagt Gerber, „doch vier bis fünf sind definitiv zu viele. “ Tina Sewing von der Langener Nichtregierungsorganisation „Mission Katze“ – kurz „Minka“ – übernahm von „Tierhilfe Aktiv“ die Fangaktion, natürlich ehrenamtlich. „Wir müssen in den nächsten vier Wochen handeln, sonst vermehren sich die Katzen erneut. Sie müssen unbedingt kastriert werden“, erklärt Sewing.

Das sei allerdings nicht einfach, schildert sie: „Die verwilderten Hauskatzen sind sehr scheu und nicht einfach zu fangen.“ Eine Fangaktion müsse daher sorgfältig vorbereitet werden. Dazu gehöre erst einmal, eine Wildkamera aufzustellen, die durch Sensoren bei jeder Bewegung Fotos knippst. So ist festzustellen, wie viele Tiere sich tatsächlich „heimisch“ eingerichtet haben. Mit einer „Lebendfalle“, in die Futter zum Anlocken gelegt wird, können die Katzen im Optimalfall gefangen werden. Doch Sewing hat ein weiteres Problem: „Ich kann die Katzen erst einfangen, wenn ich weiß, wohin ich sie bringen kann. Bei uns stapeln sich die Katzen. Wir haben immer noch Jungkatzen vom vergangenen Jahr, die nicht vermittelt sind.“

Verwilderte Katzen seien schwer an den Mann zu bringen, so die ehrenamtliche Tierschützerin. Allein im vergangenen Jahr habe sie in der Kreisstadt 25 verwilderte Hauskatzen gefangen: „Katzen werden oft gequält, wenn sie unerwünscht sind“, schildert die 53-Jährige, die viel Zeit dem Tierschutz widmet. In eine Firma an der Justus-von-Liebig sei sie vergangenes Jahr von einem besorgten Anwohner gerufen worden, der beobachtet hatte, wie Mitarbeiter mit Steinen auf dort angesiedelte Katzen warfen. „Die Zustände müssen sich im Bewusstsein der Menschen verankern“, hofft Sewing, sonst ändere sich nichts. Seit Jahresbeginn ist, wie berichtet, das Tierheim in Griesheim und nicht mehr das in Dreieich für Fundtiere aus der Kreisstadt zuständig. Das Tierheim in Dreieich nehme Tiere aus Dietzenbach nicht mehr auf und verweise auf die Zuständigkeit des Griesheimer Tierheims, erfuhr Sewing. Dort sei sie auf verschlossene Türen gestoßen: „Wir können keine Katzen mehr aufnehmen“, soll man ihr mitgeteilt haben.

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Auf Anfrage unserer Zeitung sagte Claudia Cadow, Mitarbeiterin des Griesheimer Tierheims, allerdings: „Grundsätzlich nehmen wir alle Fundtiere aus Dietzenbach bei uns auf. Die Tiere werden auf unsere Kosten kastriert, gechippt und geimpft.“ Jedoch, räumt Cardow ein, sei es dem Tierheim lieb, wenn die Möglichkeit bestünde, die Katzen nach der Kastration wieder auszuwildern, denn vor allem scheue, ältere Katzen seien sehr schwer vermittelbar. Sewing sieht ein Problem in der sogenannten Katzenpyramide: Ein Paar bekommt zweimal im Jahr Nachwuchs, jeweils drei Junge überleben. Das wären in zehn Jahren mehr als 80 Millionen Katzen. „Daher ist es nötig, Katzen zu kastrieren und so die Population einzudämmen, um auch Krankheiten vorzubeugen und keine südländischen Verhältnisse entstehen zu lassen“, fordert Sewing, die sich fragt, wieso nicht flächendeckend eine Katzenkastrationsverordnung ausgesprochen werde.

Dirk Gerber und Tina Sewing versuchen, verwilderte Hauskatzen im Lager des Gartencenters Dehner mit Futter in eine Lebendfalle zu locken. Doch die scheuen Miezen lassen sich nicht so einfach fangen.

Eine derartige Verordnung fände Markus Hockling, Fachbereichsleiter für öffentliche Sicherheit und Ordnung, grundsätzlich eine „vernünftige und gute Sache“. Dies bringe aber nur etwas auf Landesebene. „Schließlich halten sich Katzen nicht an Gemarkungsgrenzen.“ Auf kommunaler Ebene also bringe das wenig. Zudem könnte eine Schutzschirmgemeinde wie Dietzenbach weitere wirtschaftliche Kosten nicht so einfach stemmen: „Der Spielraum wird immer enger.“ Wer Fundtiere nicht ins Tierheim nach Griesheim bringen kann, so Hockling, der kann sich bei der Stadtpolizei (s 06074 373333) melden. Diese Nummer wird am Wochenende zur Polizei umgeleitet, die sich dann kümmere. Seine Mitarbeiter haben auch schon einige Tiere nach Griesheim gefahren.

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