Sieben Tagen geöffnet

Stammkunden der guten Laune im Tiroler Eck

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Nach und nach ausgebaut: Sofia Orfanopoulos und Lakis Saroglou haben das Tiroler Eck nicht nur nach ihren Wünschen gestaltet, sondern sind auch auf Kundenwünsche eingegangen.

Dietzenbach – Ob hinter kleinen Ladentheken in der Altstadt oder in großen Hallen im Gewerbegebiet: Die Dietzenbacher Unternehmenswelt hat einiges zu bieten. In loser Reihenfolge werfen wir einen Blick hinter die Kulissen. Von Patrick Eickhoff

Diesmal haben wir das Tiroler Eck an der Dreieichstraße besucht.
Lakis Saroglou weiß genau, was zu tun ist. Bevor der Kunde, der gerade aus dem Auto ausgestiegen ist, eines der beiden kleinen Fenster am Tiroler Eck erreicht, greift er bereits nach den Zigaretten. „Wie immer?“, fragt er freundlich. „Wie immer“, antwortet sein Gegenüber. Eine Szene, die sich pro Stunde mehrmals wiederholt. „Wir haben viele Stammkunden und sind sehr froh, dass sie uns so uns so treu sind“, sagt er.

Zehn Jahre ist es her, da haben Lakis Saroglou und seine Frau Sofia Orfanopoulos das Tiroler Eck übernommen. Die gelernte Friseurin und der Karosseriebauer wagten den Sprung ins kalte Wasser. „Wir wollten uns selbstständig machen“, sagt sie. „Meinem Onkel gehört das Haus, da hat es sich angeboten, als wir erfahren haben, dass ein Pächter gesucht wird.“ Für die Dietzenbacherin, die den kleinen Laden seit Kindheitstagen kennt, war klar, „dass, wir das versuchen müssen“.

Und aller Anfang war schwer. Papierkram, Organisation, Verkauf. „Das ist viel“, gibt die 40-Jährige zu. „Vor allem, wenn man keine Ahnung von Zigaretten und Co. hat.“ Doch die beiden finden eine Lösung. „Mittlerweile hat jeder seinen Bereich“, ergänzt Saroglou. Während er sich hauptsächlich um die Bestellungen und Zigaretten kümmert, hat sie ihre Bestimmung in der kleinen Bäckerei gefunden. Brezeln, belegte Brötchen und auch Würstchen stehen auf der Karte. „Wir haben das Angebot nach und nach erweitert und an unsere Kunden angepasst – genau wie unsere Öffnungszeiten“, sagt die Inhaberin und lacht. Sieben Tage die Woche, montags bis freitags von sechs bis 21 Uhr, am Wochenende von acht bis 21 Uhr. Und trotzdem vergeht den beiden die gute Laune nicht. „Das ist uns besonders wichtig“, sagt Saroglou. Beide begrüßen jeden Gast mit einem freundlichen Lächeln, lassen sich auch von gestressten Kunden nicht aus der Ruhe bringen. Der 46-Jährige erläutert: „Was bringt es uns, wenn wir hier stehen und mies drauf sind? Die Leute kommen gerne zu uns, das soll auch so bleiben.“

Am ehemaligen Kiosk Braun ist besonders in den frühen Morgenstunden ganz schön was los. Doch die beiden leben nicht nur von den Pendlern. Saroglou lacht. „Letztens war jemand an einem Sonntagabend um Viertel vor neun aus Aschaffenburg da und hat Windeln gekauft“, betont der 46-Jährige. „Er erzählte uns, dass er verzweifelte, weil kein Geschäft mehr offen hatte. Über mehrere Ecken und Hinweise ist er dann bei uns angekommen. Ich glaube, das war der glücklichste Kunde, den wir seit langer Zeit hatten.“ Doch auch das Ehepaar versucht, anderen eine Freude zu machen. Freitags werden die Überreste der Backwaren an die hiesige Tafel gespendet. Orfanopoulos betont: „Das wollen wir nicht in den Mittelpunkt stellen, das ist selbstverständlich.“

Das war es auch für viele Stammkunden, als ein Wasserrohrbruch direkt an der Frankfurter Straße im vergangenen Sommer das Tiroler Eck beinahe vom Verkehr abgeschnitten hatte. „Wir waren nur ganz schwer zu erreichen“, bedauert Orfanopoulos. „Trotzdem sind unsere Stammkunden gekommen, haben dann beispielsweise anstatt einem Päckchen Zigaretten am morgen, eine ganze Stange für die Woche gekauft. Sie wollten in schlechte Zeiten für uns da sein – das macht uns stolz.“

Um die beiden zu entlasten, hilft auch die 16-jährige Tochter Eleni immer wieder aus – zusätzlich zu den Mitarbeitern. „Wir sind allerdings noch auf der Suche nach Unterstützung – die muss perfekt ins Team passen“, sagt Saroglou. „Der Umgang mit den Kunden muss freundlich sein, aber wir müssen uns untereinander verstehen, denn wir unterhalten uns auch über alle möglichen Themen.“

Längst ist aus dem familiären, traditionsreichen Kiosk ein kleiner Laden geworden –samt DHl-Annahmestelle, kleineren Produkten wie Pampers, Nutella und Nudeln, aber auch einem Garten, der im Sommer von den Gästen genutzt wird. „Die Kinder spielen dann auf der Wiese, während die Eltern Kaffee trinken“, sagt Saroglou.

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