Verbraucherschützer kontrollieren Lebensmittel, kümmern sich um Tierschutz, sind bei Märkten und Festen präsent

Toilette und Küche verraten viel

Dr. Evelin Jugl kümmert sich mit ihren Kollegen um 2764 Betriebe im Kreis Offenbach. Unter anderem Produktions- und Schlachtanlagen, der Groß- und Einzelhandel, aber auch Wochen- und Weihnachtsmärkte gehören zum Aufgabengebiet.  (c)Foto: Towae

Dietzenbach -   „Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Menschen unbesorgt ihre Lebensmittel konsumieren können“, sagt Dr. Evelin Jugl. Von Michael Eschenauer

Unter ihrer Leitung sind im Kreis Offenbach 15 Beschäftigte sowie sechs nebenamtliche Tierärzte mit lebensmittelrechtlichem Verbraucherschutz und Veterinärwesen befasst.

Natürlich geht Jugl weiterhin in Restaurants – auch wenn sie hier so mancherlei Ekelerregendes zu Gesicht bekommen hat. Grundsätzlich lautet der Rat der studierten Tiermedizinerin, die seit elf Jahren im Kreis den Fachdienst 39 „Lebensmittelrechtlicher Verbraucherschutz“ leitet: Toilette anschauen, wenn möglich einen Bick in die Küche werfen (bereits die Möglichkeit einer Einsicht durch eine Glasfront oder eine offene Tür vom Gastraum aus schafft ein gewisses Vertrauen) und drittens, bei einem zweifelhaften Eindruck wieder gehen oder nur risikoarme Speisen bestellen.

Im vergangenen Jahr kümmerte sich der Fachbereich um 2764 gemeldete Betriebe im Kreisgebiet. Dazu gehören Produktions- und Schlachtanlagen, der Groß- und Einzelhandel sowie alle Verpflegungsbetriebe von den Krankenhausküchen bis zum Catering. Darüber hinaus sind Jugls Leute auf Wochenmärkten, Straßenfesten und Weihnachtsmärkten präsent und kontrollieren regelmäßig Lebensmitteltransporte.

„Öffentlich diskutierte Fallbeispiele zeigen immer wieder, dass Kontrollbedarf besteht“, so die Verbraucherschützerin. „So erhalten wir vom Ministerium Schnellwarnungen, wenn bekannt wird, dass irgendwo Chargen von Lebensmitteln Mängel aufweisen und diese aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Zusätzlich überprüfen wir, dass bei Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen tatsächlich nur das drin ist, was auf der Verpackung steht.“ So wurden vor ein paar Wochen bei einer Hausdurchsuchung 2420 Liter gepanschtes italienisches Speiseöl sichergestellt. All dies geschieht in Kooperation mit Polizei und Ordnungsämtern.

Bei Beanstandungen können Bußgeldverfahren eingeleitet werden, es gibt Verwarngelder oder Anordnungen mit Zwangsgeldern. Sehr selten, etwa zwei- bis dreimal im Jahr, kommt es zu einer Strafanzeige. Diese, so Jugl, erfolge nur bei Gesundheitsgefährdung und bewusster Täuschung. Grundsätzlich sei es nicht Ziel der Überwachung, die Betriebe zu strafen, sondern sie zum gesetzeskonformen Verhalten zu animieren. Wer allerdings Grund zu Beanstandungen gebe, werde öfter kontrolliert – und das kostet dann auch extra. Die Zahl der Überprüfungen werde anhand von Risikoeinstufungen der Firmen festgelegt. So erscheinen die Kontrolleure etwa bei Metzgern im Schnitt alle sechs Monate, bei Geschäften, die nur mit verpackter Ware handeln, alle zwei Jahre.

Gleichzeitig stellt das Amt Unbedenklichkeitsbescheinigungen aus und es berät bei Betriebsplanungen, wie entsprechende Räume, etwa Cafeterien, mit Blick auf Lebensmittelhygiene optimal gestaltet werden können. Es werden Gutachten erstellt, Anfragen beantwortet und last, but not least gehören die sogenannten Schlachttier- und Fleischuntersuchungen inklusive der Trichinenuntersuchung zum Programm. Das betraf im Jahr 2015 alleine 1150 Schlachtrinder, knapp 4800 Schlachtschweine sowie 80 Schafe und Ziegen. 6000 Untersuchungen galten der Feststellung von Trichinen bei Haus- respektive Wildschweinen. Wegen der scharfen EU-Richtlinien schlachten nur noch sieben bis acht Metzgereien im Kreis selbst.

Die für den Fachdienst 39 zuständige Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger erinnert daran, dass Fingerspitzengefühl gefragt ist. „An der Begutachtung durch den Fachdienst hängt nicht selten eine Existenz. So müssen die Kollegen den Finger bereits dann vorsichtig heben, wenn Formalien nicht erfüllt sind. Bei den etwa 2700 Betriebskontrollen im Jahr 2015 gab es etwa 1200 Beanstandungen, davon etwa 460, die nur die Kennzeichnungspflicht aber nicht die Qualität der Lebensmittel betreffen.“

Tierschutz und Tierseuchenbekämpfung bilden das zweite Aufgabenfeld. Gemeldet sind im Kreis Offenbach 2191 Tierhaltungen, davon 671 landwirtschaftliche, 201 Geflügel- und Kaninchenzüchter, 16 Zoogeschäfte, 27 offizielle Fischhalter, etwa 700 Pferdehaltungen, 23 Tierheime und -pensionen sowie Tierzuchten und Zurschaustellung bei Zirkussen. Dazu gehören unter anderem Reptilien. Auch die 389 Imker im Kreis können mit der Unterstützung des Jugl-Teams rechnen. Dort hat in den vergangenen Jahren die Amerikanische Faulbrut der Bienen schwere Schäden verursacht.

Wenn es um Tierseuchenbekämpfung geht, stehen auf der Liste nach wie vor: Tollwut, Maul- und Klauenseuche, Schweine- oder Geflügelpest. Die verpflichtende Ausstellung von Gesundheitszeugnissen dient dazu, die Ein- oder Verschleppung von Tierkrankheiten beim Tierreiseverkehr zu verhindern. Auch wenn tierische Nebenprodukte wie Schlachtabfälle ins Ausland sollen, ist der Service der Veterinäre gefragt. Sie müssen eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellen, sogar für Pferdeäpfel.

Darüber hinaus werden auch immer wieder Fragen des Tierschutzes und der artgerechten Tierhaltung aufgeworfen. „Bei vielen erfahrenen gewerblichen Tierhaltern“, so Jugl, „ist die artgerechte Haltung ganz selbstverständlich. Schwierig wird es nur dann, wenn wohlmeinende Privatpersonen davon überzeugt werden müssen, dass das, was sie unter Tierschutz verstehen, nicht immer deckungsgleich mit sogenannter artgerechter Tierhaltung ist. Das gilt jetzt im Frühjahr etwa für die Aufnahme von jungen augenscheinlich verlassenen Wildtieren. Hier heißt die Devise: Liegenlassen und beobachten, das Muttertier kommt in der Regel zurück! Solche Tiere mitzunehmen, ist nicht erlaubt.

‘ Weitere Informationen zum Tier- und Verbraucherschutz unter www.kreis-offenbach.de/verbrauchertipps.

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