Treffpunkt Backstage

Dietzenbacher vertreibt Bier von US-Punkband Pennywise

In der Garage des Dietzenbachers Paul Beckedorf stapelt sich kistenweise das Bier US-Punkband Pennywise. Von dort verschickt er es in ganz Europa.
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In der Garage des Dietzenbachers Paul Beckedorf stapelt sich kistenweise das Bier US-Punkband Pennywise. Von dort verschickt er es in ganz Europa.

Viele große Geschichten fangen in kleinen Garagen an. Dort, wo eigentlich das Auto von Paul Beckedorf stehen würde, türmt dieser allerdings Kisten mit Bier auf, gebraut nach dem Rezept eines Freundes. Von der Georg-August-Zinn-Straße in Dietzenbach geht das Bier zwar nicht hinaus in die ganze Welt, aber zumindest nach Europa – zu Fans von Punkrock und Craftbeer.

Dietzenbach – Auf den Etiketten von den Dosen und Flaschen ist das Logo der US-amerikanischen Band Pennywise zu sehen, die seit rund 30 Jahren auf internationalen Bühnen spielt. Kennengelernt hat Beckedorf die Kalifornier, als sie selbst noch Ende der 80er Jahre in einer Garage die ersten Punkriffs anschlugen. In Hermosa Beach an der amerikanischen Westküste lernten sich der Dietzenbacher und Gitarrist Fletcher Dragge auf einer Hausparty kennen – und halten seitdem Kontakt.

„Nach dem Abi wollte ich ein Jahr jobben gehen“, erinnert sich der 52-Jährige. So verschlug es ihn 1989 zu einem Bekannten nach Los Angeles. Tagsüber arbeitete er auf Baustellen, abends ist er mit Freunden unterwegs. Die ersten Konzerte der jungen Band Pennywise schaute er sich an, ohne zu ahnen, dass sich die Wege noch öfter kreuzen würden. „Wir hatten ja damals weder Handy noch Internet – da war man auf Veranstaltungsplakate in der Stadt angewiesen“, berichtet er. Das Bandlogo – ein P und W in einem Kreis übereinandergelegt – entdeckte Beckedorf nach seinem Auslandsaufenthalt ein paar Jahre später an der Bar der Frankfurter Batschkapp. „Dort saß Fletcher und hat sich dort dasselbe Konzert angesehen wie ich“, sagt Beckedorf und schüttelt leicht den Kopf, als traue er dem Zufall bis heute nicht. Die Männer kamen ins Gespräch; Pennywise waren zum ersten Mal auf Europatournee – und gewissermaßen gestrandet. Ein paar Tage zuvor hatten sie in Schweinfurt gespielt, wegen des Flughafens kamen sie nach Frankfurt. „Der Flug zurück ging erst einige Tage später – also habe ich der Band Schlafplätze in Dietzenbach organisiert“, erzählt Beckedorf, der mit der Band sogar schon für das Lied „Bro Hymn“ auf der Bühne stand.

30 Jahre später sind die Musiker zwar längst nicht mehr auf Schlafsofas gütiger Mitmenschen angewiesen, doch der Backstagebesuch von Beckedorf ist obligatorisch geblieben. „Ich schaue immer auf den Konzerten vorbei, wenn sie in der Nähe spielen“, beschreibt er. Aus einer solchen buchstäblichen Bierlaune heraus ist schließlich auch das Geschäft entstanden, das der gelernte Logistiker nun betreibt. Seit 2017 lässt die Band „Pennywiser“ brauen, ein Indian Pale Ale mit frisch-herbem Geschmack.

Auf die Frage, wann sie das Bier in Deutschland vertreiben würden, soll Fletcher Dragge kurz innegehalten haben. „Und dann fragte er, ob ich es nicht einfach für ganz Europa vertreiben will“, sagt der Dietzenbacher. Die Antwort habe er ebenso schnell gegeben. Beckedorf erläutert: „Durch die Fusion von Fed Ex und TNT hat sich bereits abgezeichnet, dass sich einiges in der Struktur der Firma ändern würde.“ Nach kurzer Überlegung hat sich der Dietzenbacher dazu entschlossen, die Abfindung als Startkapital zu nutzen. Die logistische Erfahrung kommt dem 52-Jährigen dabei zugute. „Zuerst mussten wir das Rezept nach dem Reinheitsgebot anpassen“, sagt er. Jene frisch-herbe Note wird dem amerikanischen Original von Zitronenschalen und Koriander verliehen. In Heidelberg hat Beckedorf einen Braumeister gefunden, der diese Geschmacksnote durch eine spezielle Zugabe von Hopfen nahezu kopiert hat. Als die Nachfrage allmählich stieg und die kleine Brauerei diese Menge nicht mehr stemmen konnte, wechselte Beckedorf in die Nähe von Bamberg. Zwischengelagert wird das Bier bei Darmstadt, die Pakete packt Beckedorf in seiner Garage. „Ich hätte das gerne noch viel regionaler gestalten“, sagt er und bezieht sich damit sowohl auf den Brau- als auch auf den Lagerort.

Bislang kann das Bier zwar nur über den Onlineshop bezogen werden. Dafür trudeln regelmäßig Anfragen aus Australien ein, während der Logistiker Päckchen von Schweden bis Spanien schnürt. Und was sagen die Schöpfer der Hopfenkreation zur deutschen Variante? „Fletcher findet es sogar besser als die Originalrezeptur“, sagt Beckedorf und lacht. (Von Lisa Schmedemann)

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