Trotz Krise keine Steuererhöhung

Dietzenbachs Bürgermeister Jürgen Rogg spricht über sein Wahlprogramm

Jürgen Rogg hat 2020 den Teil der Darmstädter Straße, der als Einbahnstraße ausgeschildert ist, für Fahrradfahrer in beide Richtungen geöffnet. Wird er noch einmal gewählt, will er sich auch weiterhin für den Radverkehr einsetzen.
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Jürgen Rogg hat 2020 den Teil der Darmstädter Straße, der als Einbahnstraße ausgeschildert ist, für Fahrradfahrer in beide Richtungen geöffnet. Wird er noch einmal gewählt, will er sich auch weiterhin für den Radverkehr einsetzen.

Eine exakte Krisenbewältigungsstrategie will Bürgermeister Jürgen Rogg für seine mögliche dritte Amtszeit nicht festlegen. „Ich finde das unseriös“, betont er. Wenn sich der Rauch der Pandemie erst einmal verzogen habe, komme es sicherlich zu drastischen Veränderungen. Wie genau diese dann aussehen, könne weder er noch sonst irgendjemand zurzeit gesichert sagen.

Dietzenbach – „Was ich jedoch bereits mitteilen kann, ist, dass es mir gelungen ist, Dietzenbachs Schulden von einst zwölf Millionen Euro auf nahe zu Null herunterzufahren“, betont der amtierende Rathauschef. Damit habe er bewiesen, dass er mit Herausforderungen umgehen könne. Zudem ist Rogg sich bereits jetzt sicher, dass es zunächst keine Erhöhung der Gewerbesteuer und der Grundsteuer B geben soll. „Bürger sowie Unternehmen werden nach der Coronakrise versuchen, wieder auf die Beine zu kommen“, sagt der 58-Jährige. Dabei könne man sie nicht noch zusätzlich mit höheren Steuern belasten. Die finanziellen Probleme der nächsten Jahre müssten hauptsächlich über den kommunalen Finanzausgleich behoben werden.

Während sich Rogg bei der Krisenbewältigung nicht festlegen will, hat er in Sachen Klima- und Umweltschutz bereits konkrete Vorstellungen. So will er etwa Anreize für mehr Stadtgrün und die Entsiegelung von privaten und öffentlichen Flächen schaffen. Von Verboten halte er in diesem Bereich aber wenig. „Ich will die Leute etwa dazu motivieren, ihren Steingarten durch Rasen und Pflanzen zu ersetzen“, so Rogg. Das könne beispielsweise durch den Erlass von ein paar Prozentpunkten der Grundsteuer B geschehen. Zudem will er auch hinsichtlich des Verkehrs einiges umsetzen. Neben dem Ausbau der E-Mobilität sowie der Ladesäuleninfrastruktur und des Carsharing-Netzes, liegt sein Fokus auf dem Radverkehr. „Es reicht nicht, die Fahrradwege nur innerhalb der Stadt auszubauen“, sagt Rogg. Schließlich gebe es in Dietzenbach 11 000 Ein- und Auspendler und auch die müsse man aufs Fahrrad bekommen. Deshalb sollten Routen vor allem überregional erweitert werden. „Derzeit besprechen die Kommunen, an welchen Punkten sich die Strecken überschneiden“, erklärt der derzeitige Bürgermeister. Wenn das geklärt sei, gelte es zu überlegen, wie das Radwegenetz in Dietzenbach zu entwickeln ist, damit es direkt an die außerstädtischen Wege anknüpft.

Sieht Rogg bei Thema Mobilitätswandel hoffnungsvoll in die Zukunft, hält er den Ruf nach bezahlbarem Wohnraum für schwer umsetzbar. Denn solange Wohnungsbaugesellschaften ihre Wohnungen zu den bisher vergleichsweise hohen Preisen vermarkten können, würden sie das auch fortsetzen. Die Stadt selbst habe hingegen keine Bauflächen mehr, auf denen sich ein anderer Ansatz realisieren lasse. „Die letzte Fläche, bei der wir das hätten umsetzen können, war das sogenannte Innenohr“, so Rogg. Doch das Grundstück zwischen dem Brückwiesenweg und den fünf Hochhäusern sei nach einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung nicht länger zur Bebauung vorgesehen. Dietzenbach, so ist er überzeugt, werde das Problem der Wohnungsknappheit nicht alleine lösen können. „Dieses Thema müssen wir als Region gemeinsam angehen“, macht das Stadtoberhaupt deutlich. So gebe es etwa im Ostkreis genügend Platz, um Menschen den nötigen Wohnraum zu ermöglichen. „Es wird irgendwann so sein, dass Dietzenbacher, die eine größere oder günstigere Wohnung brauchen, aus der Stadt wegziehen müssen“, sagt er.

Wie Rogg weiter feststellt, hätten sich in seiner Amtszeit einige Unternehmen in der Kreisstadt angesiedelt. Bis Ende 2021, so heißt es in seinem Wahlprogramm, werden 90 Prozent der Gewerbeflächen verkauft sein. Auch dann soll die Wirtschaft der Kreisstadt auf seiner Agenda weiterhin eine entscheidende Rolle spielen. So will er etwa Leerstand durch präventive Maßnahmen wie etwa einem Kataster vorbeugen.

Darüber hinaus zählt das Schwimmbad zu Roggs Herzens-Projekten. So will er eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, durch die ermittelt werden soll, inwiefern das Freizeitgelände ganzjährig geöffnet werden kann. „Denkbar wäre, im Rahmen der Großvereinsfusion eine Schwimmabteilung zu gründen, die dann die Verantwortung für das Areal übernimmt“, so Rogg. Das eröffne auch die Möglichkeit, Fördergelder zu erhalten. (Von Anna Scholze)

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