Eskalation beim AfD-Stammtisch

Schockiert von Aggression und Inhalten

Dietzenbach - Umfangreiche schriftliche Kommentare, aber auch einige Anrufe haben die Redaktion zu den Vorfällen beim AfD-Bürgerstammtisch vom Freitag vergangener Woche erreicht. Auszugsweise sollen unsere Leser hier zu Wort kommen.

Update (26.9.2016): Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist das Verfahren gegen Udo Ulfkotte wegen Körperverletzung in Tateinheit mit einer Nötigung gegen Zahlung einer Geldauflage zwischenzeitlich eingestellt worden.

Georg Lenhardt etwa war „geschockt von der Aggressivität der jungen Leute“, wie er berichtet. „So etwas habe ich noch nicht live erlebt.“ Seiner Darstellung nach habe es drei Gruppierungen an diesem Abend gegeben: Jusos und Aktivisten, die „sofort auf Störung“ ausgewesen seien, „militante Randalierer“ außerhalb des Saals und „Besucher, die interessiert waren und den Vortrag hören wollten“. Der Veranstalter habe darum gebeten, dass dieser nicht weiter gestört werde, sonst würde vom Hausrecht Gebrauch gemacht. Die jungen Leute hätten sich aber „uneinsichtig“ gezeigt und weiter provoziert. Ein Handgemenge sei die Folge gewesen, Ulfkotte habe aber nicht geschlagen. Als die Security-Leute zwei junge Leute aus dem Saal gebracht hätten, seien die Draußenstehenden auf die Seitentüren zugestürmt. „Manche wollten raus, andere rein“ – ein ziemliches Durcheinander, in dessen Verlauf er selbst getreten worden sei. Mehreren Anrufern zufolge soll Ulfkotte den jungen Leuten zu Beginn angeboten haben, nach dem Vortrag zu diskutieren.

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Als „friedlichen Protest“ sieht Jona Löbcke die Zwischenrufe der Schüler und Jusos an. „Als nach mehreren Aufrufen diese Gruppe nicht mit ihrem Protest aufhörte, stürmte Ulfkotte auf einen Schüler/Juso zu und ging ihn gewaltsam an“, schildert er. „Dabei entstand eine Rangelei zwischen dem geladenen Gast und dem Angegriffenen. Die Security musste im folgenden dem Juso zu Hilfe kommen, während die anderen Jusos versuchten, ihrem Kollegen zu Hilfe zu eilen.“ Nach Eintreffen der Polizei wurde die Veranstaltung fortgesetzt: „Im Nachhinein schockierend“, wie Löbcke schreibt, „denn der Inhalt der Veranstaltung hätte durchaus noch mehr Störungen bedurft.“ Schon der Titel „Einwanderung, Islamisierung, EU, Ukrainekrise und die zweifelhafte Rolle der Medien“ zeige eine „krude Mischung aus Phänomenen, die für einen klar denkenden Menschen nichts miteinander zu tun haben“. Fast jeden zweiten Satz habe Ulfkotte mit den Worten „Egal, wo Sie politisch stehen“ begonnen. „Trotzdem wurden diese Sätze mit Inhalt gefüllt, den man bestenfalls als rechte Propaganda bezeichnen kann.“ (nl)

Demo bei AfD-Wahlkampfveranstaltung

Demo bei AfD-Wahlkampfveranstaltung

Rubriklistenbild: © dpa

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