Gericht folgt beim Strafmaß der Staatsanwaltschaft

Angeklagte wegen Mordes im Wertheimer Weg verurteilt

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Darmstadt/Dietzenbach - Nach dem gewaltsamen Tod eines 80-jährigen Afghanen in Dietzenbach verkündete das Landgericht in Darmstadt heute Mittag sein Urteil gegen drei junge Männer.

Das angeklagte Trio wurde für schuldig befunden, das Opfer im April vergangenen Jahres auf der Suche nach Geld überfallen zu haben. Der Mann wurde erdrosselt. Um die Tat zu vertuschen, sei Feuer gelegt worden. Die Staatsanwaltschaft forderte für zwei Angeklagte wegen Mordes eine lebenslange Haft, für den dritten neun Jahre und vier Monate. Die Verteidigung war der Ansicht, es sei kein Mord gewesen, sondern Raub mit Todesfolge; deshalb seien geringere Haftstrafen ausreichend, bei einem der Angeklagten als härtester Fall 14 Jahre. Heute erfolgte das Urteil gegen die drei Männer: Die Angeklagten Mohammed I. (21 Jahre) und Abdul P. (22 Jahre) erhielten eine lebenslange Haftstrafe. Das Landgericht bewertete den Überfall auf den alten Mann als Mord sowie als Raub mit Todesfolge. Der jüngere Shirzad N. (17 Jahre) wurde nach Jugendstrafrecht zu neun Jahren verurteilt. Bei ihm sollen erzieherische Maßnahmen im Vordergrund stehen. Während die Verteidiger der beiden älteren Täter auf jeden Fall in Revision gehen wollen, überlegt der Verteidiger des 17-Jährigen noch.

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Die drei Angeklagten, allesamt Asylbewerber aus Afghanistan, sollen den 80-jährigen Landsmann um Mitternacht des 16. Aprils 2015 überfallen, gefesselt und solange gewürgt haben, bis der Senior erstickte – angeblich „aus Versehen“. Hintergrund der Tat: Mohammed I., der das Opfer schon länger kannte und mittags noch bei ihm zum Tee eingeladen war, vermutete eine große Geldsumme in der kleinen Wohnung im Spessartviertel. Ob die Tötung geplant war oder nicht, wird mit absoluter Sicherheit wohl nie aufzuklären sein, vielmehr ist dies Auslegungssache der umfangreichen Beweisaufnahme. Hier gingen die Meinungen von Anklage und Verteidigung naturgemäß diametral auseinander.

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dani/dpa

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