Zeichen der Verbundenheit

Uschi Heusel gestaltet Kreisel für ihre Heimatstadt

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Die Künstlerin Uschi Heusel zeigt den Entwurf für den Steinberg-Kreisel.

Dietzenbach -  Eine Bürgerinitiative möchte die Umgestaltung des „Lego-Kreisels“ verhindern. Künstlerin Uschi Heusel und Bürgermeister Jürgen Rogg können deren Argumente nicht nachvollziehen. Von Ronny Paul 

„Kunst entsteht immer im Auge des Betrachters. Wer allerdings derart vorurteilsbeladen ist wie die besorgten Bürger dieser Bürgerinitiative, dem verschließt sich natürlich der Blick auf Witz und Originalität. Ich finde die Comic-Ratte Ludwig als Kreisel-Skulptur jedenfalls rattenscharf!“, schreibt Georg Diederichs im sozialen Netzwerk Facebook. Er ist einer von vielen dort, die den Unmut über die geplante Umgestaltung des sogenannten Lego-Kreisels, Offenbacher Straße/ Theodor-Heuss- und Gustav-Heinemann-Ring – mit der Comic Ratte Ludwig auf einem Steinberg sitzend – nicht nachvollziehen können. Wie berichtet, hat sich eine Bürgerinitiative (BI) „Bürger gegen den Ratten-Kreisel“ gegründet. Die BI hat 1000 Unterschriftenzettel drucken lassen, um die geplante Skulptur zu verhindern. Die Argumente der BI: Vom Ratten-Kreisel bis zur Ratten-Stadt sei es nicht weit. Bürger und andere Künstler seien in die Entscheidung nicht einbezogen worden. Die Skulptur könnte Autofahrer ablenken. Kinder könnten darauf klettern.

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Darüber kann die Künstlerin Uschi Heusel nur den Kopf schütteln: „Ludwig ist von der Rasse eine Wanderratte und hat mit einem Huhn, das von einem argentinischen Kampfhahn abstammt, eine uneheliche Beziehung, aus der zwei Kinder hervorgegangen sind, ein drittes ist adoptiert.“ Eine internationale Familie also „wie unsere Stadt“, sagt Heusel. Ihr Werk sieht sie als Zeichen der Verbundenheit mit ihrem Heimat- und Wohnort. Bürgermeister Jürgen Rogg erinnert sich an ähnliche Vorbehalte gegenüber dem Aussichtsturm auf dem Wingertsberg, der mittlerweile eines der Wahrzeichen der Stadt ist: „An Kunst im öffentlichen Raum entzündet sich schon mal eine Diskussion.“ Bürger hätten nun mal das Recht, eine BI zu gründen. Das sei Demokratie. Für eine Kreiselgestaltung habe es noch nie eine Ausschreibung gegeben. Zudem findet der Stadtobere es kontraproduktiv, dass die BI den Namen Ratten-Kreisel verbreitet, obwohl dieser Steinberg-Kreisel heißen wird. Die BI stelle eine Assoziation zu einem unbeliebten Tier – der Ratte – her, dabei gehe es um eine Comic-Figur. Das sei nicht in Ordnung: „Da ist viel Unwissenheit dabei“, sagt der Bürgermeister. „Schließlich haben die Comic-Ratte Ludwig und ihre Schöpferin Heusel Dietzenbach stets positiv und in gutem Licht präsentiert.“

Die Skulptur wird ausschließlich durch Spendengelder finanziert und kostet die Kreisstadt keinen Cent. „Die Stadt agiert lediglich als Schirmherrin, die Kunst im öffentlichen Raum sowie die dafür zu initiierende Spendenaktion fördert“, sagt Heusel. Auf ein Honorar für die Arbeitsstunden, die sie in Planung und Umsetzung der Skulptur steckt, verzichtet die Künstlerin gänzlich. Mehr noch: Sollte Spendenüberschuss entstehen, werde das übrige Geld an den „Deutschen Kinderschutzbund Westkreis Offenbach“ weitergeleitet.

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Heusel, die schon seit Ende 1997 die Leser unserer Zeitung mit einem wöchentlichen Ratte-Ludwig-Comic begeistert und deren Kunst weit über die Grenzen Dietzenbachs und Deutschlands bekannt ist, hat bereits einen Entwurf gefertigt und ist derzeit in Gesprächen mit möglichen Sponsoren, wie sie berichtet. Die Skulptur werde eine Höhe von etwa 2,50 Metern nicht überschreiten. „Ludwig wird in etwa so groß werden wie ich selbst.“ Heusel misst 1,63 Meter. Die Skulptur solle auch bis zu einem gewissen Grad die Sicht versperren, damit Verkehrsteilnehmer nicht durch den Kreisel rasen. Noch bestehe die Figur aus Rumpf und separatem Kopf. „Nach und nach werden die Teile miteinander verbunden und die Gliedmaßen ausgearbeitet“, sagt Heusel: „Als voraussichtlichen Beginn der Kreisel-Umgestaltung ist laut Info der Stelle für Stadtplanung Anfang bis Ende April anvisiert.“

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