Das Schaf passt nicht in den Zug

+
Mäh: Die frisch gebackene Preisträgerin Uschi Heusel erhielt in Frankreich nicht nur eine Urkunde, sondern auch ein Schaf, das sie allerdings später gegen einen Scheck eintauschte.

Dietzenbach - Französisch ist eine melodiöse Sprache, die im Vergleich zum Deutschen alles andere als hart, fast schon liebevoll klingt. Von Christoph Zöllner

Uschi Heusel hat in den vergangenen Tagen viel davon gehört, denn sie ist mit 60 Werken beim größten europäischen Karikaturisten-Festival in Saint-Just-le-Martel vertreten. Und im Herzen Südfrankreichs haben sie ein Faible für die Bilder von Ratte Ludwigs Ahnengalerie, denn die Dietzenbacher Zeichnerin hat im zweiten Jahr ihrer Teilnahme sogar einen Preis erhalten, den „Prix de l’humour tendre“, was so viel wie liebevoller, feinsinniger Humor bedeutet. So hat es sich Uschi Heusel, die sich vor Ort auf Englisch verständigt, jedenfalls übersetzen lassen.

Die Schöpferin der Ratte Ludwig fühlt sich wohl in dem kleinen, malerisch gelegenen Ort in der Region Limousin, der sich bereits zum 31. Mal zum Mekka der Karikaturisten gemausert hat. Auf Tausenden von Quadratmetern reiht sich zwei Wochen lang Werk an Werk. Gut 200 namhafte Zeichnerinnen und Zeichner aus der ganzen Welt feiern noch bis zum 7. Oktober mit dem Publikum in einer Sporthalle ein großes Fest. Uschi Heusel lernt Kollegen aus Italien, Spanien, Schottland, Israel, Russland, Korea und anderen Ländern kennen.

Gleich am zweiten Tag der Höhepunkt: Uschi Heusel erhält auf der Bühne im Beisein von Presse und Fernsehen besagten Preis überreicht und nicht nur das. Der Sponsor, ein Fleischkonzern, hat ein lebendes Schaf spendiert, das die Preisträgerin vor laufenden Kameras streichelt. „Der Beginn einer großen Liebe?“, titelt eine lokale Zeitung, die auch von den seit 15 Jahren „chaque semaine“ in der Offenbach-Post erscheinenden Ludwig-Comics schreibt. „Leider passt das Schaf nicht in den Zug“, sagt die Dietzenbacherin und nimmt stattdessen einen Scheck mit nach Hause. Das namenlose Schaf darf also bis auf Weiteres mit seinen Artgenossen auf den Weiden im Limousin grasen.

Im Stil der alten Meister

Die Ludwig-Gemälde im Stil der alten Meister erregen Aufmerksamkeit. Nicht nur Sonnenkönig Louis XIV., vor allem Staatspräsident François Hollande als Ratte hat es den Besuchern angetan: Sie lassen sich davor mit Uschi Heusel fotografieren. „Ich habe mich wie ein Star gefühlt“, berichtet die Dietzenbacherin, die allerdings selbst aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Bewundert sie doch den „tollen Strich“ jener Karikaturisten, die mit einem einfachen Bleistift eine „tolle Tiefe“ in ihren Werken erzeugen. „Das hat mich schwer beeindruckt. Ich bin ja nicht die Frau des schnellen Pinsels“, sagt die 56-Jährige.

Natürlich wäre es keine französische Veranstaltung, wenn es nicht gutes Essen und davor zahllose Aperitifs geben würde. „Üschi Össell“, so klingt der Name im Fernsehen, genießt das Miteinander der Künstler, die mal eben aus purer Freude am Beruf auf Servietten zu malen beginnen und bei Whisky und Pastis viel Spaß haben. Und da reift bei der Preisträgerin ein Entschluss: Sie will Französisch lernen und einen Kurs an der Dietzenbacher Volkshochschule belegen. Dann könnte sie auch langsam damit beginnen, die erläuternden Texte unter ihren Gemälden zu übersetzen, um für den nächsten Besuch in Saint-Just-le-Martel beim „Salon de la Caricature, du dessin de presse et d’humour“ noch besser gerüstet zu sein.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare