Mit vereinten Kräften vereinen

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Najah Khateeb mit den beiden jüngsten Töchtern Yasmin (links, 16) und Sara (12) sowie dem jüngsten Sohn Abdel Hamid (11). Wie deren Bruder Mohamed (15) sind alle vier in Deutschland geboren, wo die Familie bereits seit 1992 lebt.

Dietzenbach ‐ Die sicher größte Angst der Familie Khateeb, wie 2007 schon das Familienoberhaupt Majed ebenfalls nach Jordanien abgeschoben zu werden, ist zwar gebannt. Von Nina Beck

Wie berichtet, sicherte Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) Mutter Najah und ihren sieben Kindern Anfang Oktober ein dauerhaftes Bleiberecht zu. Dass damit nun auf einen Schlag alle Probleme der Khateebs gelöst wären, davon kann aber keine Rede sein.

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So etwa liegt die Aufenthaltsgenehmigung für die achtköpfige Familie bis heute noch nicht vor, sagt Hassan Khateeb, mit 23 Jahren der älteste Sohn der Familie. Die Ausländerbehörde des Kreises verlangt zuvor, dass die Familie noch einmal zur jordanischen Botschaft nach Berlin fährt und dort versucht, jordanische Pässe zu erhalten. Als „Schikane“ sieht Hassan diese Forderung an, als „Zeitverschwendung“ auch.

Schließlich stehen für den Jura-Studenten zum Semesterende einige Prüfungen und Klausuren an. Im Übrigen habe die Botschaft der Familie ja auch vor zweieinhalb Jahren schon keine jordanischen Pässe ausgestellt, so Hassan, und das UN-Flüchtlingswerk bescheinigte den Familienmitgliedern, wie berichtet, dass sie allesamt palästinensische Flüchtlinge sind. Von „Formalitäten, die noch zu erfüllen“ seien, sprach Kreispressesprecher Ralf Geratz-Krambs gestern auf Anfrage. Er teilte aber überdies mit, dass die Ausländerbehörde für die anfallenden Reisekosten nach Berlin aufkomme.

Doch die Familie ist erst wieder komplett, wenn auch Vater Majed wieder zurück in Dietzenbach ist. Einen Antrag auf Wiedereinreise hat er gestellt, doch sind zuvor noch einige Hürden zu überwinden. So etwa muss die Familie zunächst die Kosten für seine Abschiebung begleichen. Ursprünglich war von mehr als 10 000 Euro die Rede gewesen, für ihn selbst und fünf begleitende Polizisten, der Betrag konnte dank anwaltlicher Hilfe indes noch ein wenig gedrückt werden.

Verein ruft zu Spenden auf

„Der Anspruch auf Rückerstattung der Kosten ist keine besondere Schikane der Behörde, das ist gängige Praxis und im Aufenthaltsrecht so geregelt“, sagt Gerd Wendtland, Vorsitzender des Vereins „Zusammenleben der Kulturen“, der von Anfang an zu den Unterstützern der Familie Khateeb gehört hatte.

Da es für die Familie indes nahezu unmöglich ist, diesen Betrag aufzubringen, hatte der Verein spontan zu einer Spendensammlung aufgerufen. Und binnen weniger Wochen, Wendtland ist selbst überrascht, wie schnell es ging, sei der von der Kreisbehörde im Auftrag des Landes eingeforderte Betrag zusammengekommen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Vereins „Zusammenleben der Kulturen“.

„Damit haben wir die Voraussetzung geschaffen, dass die Ausweisung des Vaters (die üblicherweise unbefristet ist, die Red.) in eine befristete umgewandelt wird“, erläutert Wendtland. Doch auch die Rückreise selbst wird Majid Khateeb wieder Geld kosten, in Jordanien wird er zuvor etliche Dokumente einholen müssen, und der Verein beabsichtigt zudem, die Familie, sobald sie wieder zusammen ist, mit therapeutischer Hilfestellung zu unterstützen. „Das wird sicher nicht einfach, schließlich war der Vater mehr als drei Jahre nicht bei seiner Familie“, so Wendtland. Der Verein sammle also weiter Spenden.

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