Zukunft des Open-Air-Kinos weiter ungewiss

Theaterreihe im Bürgerhaus wird eingestellt

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„Die Marquise von O.“ wird am Samstag, 9. April, auf der Bühne im Capitol zu sehen sein. Wenn nach dem Ende des Stücks der Vorhang fällt, dann ist wahrscheinlich auch die Theaterreihe im Bürgerhaus vorerst Geschichte.

Dietzenbach -  Der vorerst letzte Vorhang für die Theaterreihe im Bürgerhaus fällt im April nach dem Stück „Die Marquise von O.“ Ob dafür bald wieder Kinofilme in der Kreisstadt zu sehen sein werden, ist weiterhin völlig unklar. Von Norman Körtge 

Noch dreimal öffnet sich der Vorhang für das Theater im Bürgerhaus – dann ist Schluss. Nicht nur für die Saison 2015/16, sondern vorerst für immer. Mehr als zwei Jahrzehnte lang hat die Theaterreihe das kulturelle Leben in der Kreisstadt bereichert, nun fällt es der Haushaltskonsolidierung zum Opfer. Das Aus für die vor allem bei älteren Bürgern beliebte Veranstaltungsreihe wurde eher zufällig verkündet. Bei der Lesung des städtischen Haushaltsentwurfs für 2016 im Haupt- und Finanzausschuss war Stadtmarketing-Leiter Christoph Zens-Petzinger unter anderem von WIR-BfD-Fraktionsvorsitzenden Harald Nalbach gefragt worden, wo dieser denn konkret Einsparungen vornehmen wolle. Daraufhin nannte dieser die Theaterreihe. Wie Zens-Petzinger auf Nachfrage erklärte, sei es nicht gelungen, beziehungsweise absehbar, dass der Zuschussbedarf von zuletzt etwa 8000 Euro weiter gesenkt werden könne, geschweige denn diesen auf Null zu bringen. Genau dieser kostendeckende Betrieb sei allerdings ein Teil des 2012 beschlossenen Konsolidierungspaketes gewesen, berichtet der Stadtmarketing-Leiter. Seinerzeit habe der Zuschussbedarf noch zirka 25 000 Euro betragen. Gelungen sei das Verringern des Zuschussbedarfs unter anderem durch eine Preiserhöhung für die Theaterabos sowie auch der Einzeltickets, dem Einkauf günstigerer Ensembles und auch weniger Werbemaßnahmen. „Wir haben alle Register gezogen“, sagt Zens-Petzinger. Trotz der gestiegenen Eintrittspreise sind die Besucherzahlen einigermaßen konstant geblieben. 220 Theaterabos seien im Schnitt zuletzt verkauft worden, zu den einzelnen Theateraufführungen kamen jeweils zwischen 350 bis 400 Besucher.

In besonderer Erinnerung ist dem Stadtmarketing-Leiter dabei das Stück „Die zwölf Geschworenen“ mit dem ehemaligen und 2008 verstorbenen „Derrick“-Darsteller Horst Tappert geblieben. 650 Zuschauer kamen an jenem Abend ins Capitol des Bürgerhauses. „Es tut mir vor allem für die vielen älteren Theaterbesucher leid“, erzählt Zens-Petzinger. Vielen von ihnen sei der Weg nach Frankfurt oder Darmstadt für Theaterbesuche zu weit: „Sie werden vom kulturellen Leben abgeschnitten.“

Ob es das eher auf ein jüngeres Publikum zugeschnittene Open-Air-Kino in diesem Sommer wieder geben wird, nachdem es im vergangenen Jahr, unter anderem wegen der veralteten Technik, eine Zwangspause einlegen musste, mag Zens-Petzinger derzeit noch nicht beurteilen. In dem Haushaltsentwurf für 2016 sind 50.000 Euro eingestellt, die für den Kauf eines Digitalprojektors vorgesehen sind. Wie der Stadtmarketing-Leiter erklärt, plane er für die Februar-Sitzung des Stadtparlaments einen Grundsatzbeschluss über die Fortführung sowohl des Open-Air-Kinos als auch des wegen Brandschutzauflagen derzeit geschlossenen „Kino D“ im Bürgerhaus einzubringen. Dies sei notwendig, um an Zuschüsse und Fördergelder zu kommen.

Wie berichtet, war im Juli 2015 zusammen mit engagierten Bürgern die Kampagne „Wir retten unser Kino“ ins Leben gerufen worden. Bei einer Ideenwerkstatt wurden Themen wie „Crowdfunding“ aber auch die Gründung eines Fördervereins thematisiert. Bei dem einmaligen Treffen ist es bislang geblieben.

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