Die neue Ausländerbeiratsvorsitzende Saliha El Achak hat viel vor

Vernetzen durch Begegnung

Saliha El Achak
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Saliha El Achak

„Eines unserer größten Ziele ist es, leicht zugängliche Bildungsmöglichkeiten für alle zu schaffen.“ Saliha El Achak weiß ziemlich genau, wo sie hinsteuern möchte. Die neue Vorsitzende des Ausländerbeirates kennt Dietzenbach und die Herausforderungen im Zusammenleben der Kulturen gut.

Dietzenbach – Von jung an engagiert sich die heute 39-Jährige, wenn es darum geht, Interessen zu vertreten, Gemeinschaft zu ermöglichen und manchmal auch Auseinandersetzungen zu schlichten. Das hat ihr den Chefposten in dem Gremium eingebracht, das Politik und Verwaltung berät, wenn es um die Interessen der ausländischen Mitbürger geht.

Engagiert als Integrationslotsin

Mit vier Jahren ist El Achak nach Dietzenbach gezogen, hat die örtlichen Schulen besucht und sich bereits dabei ein gutes Netzwerk angelegt. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin in Englisch und Französisch, musste aber feststellen, dass es gar nicht so einfach war, eine entsprechende Anstellung zu bekommen. „Irgendwie habe ich dann gemerkt, dass vieles in meinem Leben wie ein roter Faden auf ein soziales Engagement in der Stadt hinlief“, erzählt sie. So war sie Teil des Projektes „Brückenbauer“, initiiert vom Verein „Zusammenleben der Kulturen“ in Kooperation mit der Kreisverwaltung und der Pro Arbeit. „Wir haben Schüler betreut, mit ihnen an Sozialkompetenz und Lernmotivation gearbeitet und Verbindung zum Elternhaus aufgebaut.“ Ebenso hatte sie Kontakt zu den unbegleiteten Minderjährigen, die eine Zeit lang im Reinhard-Göpfert-Haus wohnten, El Achak engagierte sich als Integrationslotsin und stand für Nachhilfestunden zur Verfügung.

Das erklärt vielleicht nicht nur den aktuell festen Blick der Vorsitzenden des Ausländerbeirates besonders auf die junge Generation. Viele Erlebnisse und Wahrnehmungen in ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten führten sie auch zu dem Beruf, den sie heute ausübt. Saliha El Achak entschied sich erneut für eine Ausbildung, dieses Mal als Erzieherin, machte ihr Anerkennungsjahr in der Kita am Stiergraben und arbeitet noch heute dort.

„Ich freue mich, wenn ich meine freie Zeit sinnvoll nutzen kann“, begründet die Mutter von drei mittlerweile erwachsenen Kindern die Motivation für die neue Tätigkeit. „Wobei ich hohen Respekt vor der Arbeit habe, es wird mit einem Vollzeitjob und mit Familie sicher nicht immer einfach werden.“ Aber sie habe ein gutes Zeitmanagement und sei vor allem gestärkt von einem kompetenten Team. „Auch von der Stadtverwaltung habe ich von Anfang an viel Unterstützung erfahren.“ Darüber hinaus sei sie fähig, sich den nötigen Freiraum zu verschaffen. „Ich lese viel und gehe gerne spazieren, ich habe schon in sechs Stunden den „RuDi“-Rundweg erwandert.“

„Wir müssen uns über die Nationalitäten hinweg vernetzen“

Entsprechend ausgestattet, habe der Ausländerbeirat begonnen, einen Fahrplan für die nächsten fünf Jahre zu erarbeiten. Neben dem Thema „Bildung“ steht etwa die Kontaktaufnahme zu verschiedenen Vereinen auf dem Programm. „Wir müssen uns über die Nationalitäten hinweg vernetzen, das wird am ehesten durch direkte Begegnungen gehen“, sagt die Vorsitzende. Notwendig sei das auch im Seniorenbereich, angedacht sei ein Projekt, das Senioren für die digitale Welt fit macht. „Und wir dürfen auch den Blick auf die sozialen Brennpunkte wie das Spessartviertel und den Bereich Robert-Koch-Straße nicht verlieren“, kündigt die Vorsitzende an.

Im Miteinander der Generationen habe sich in der Kreisstadt viel getan, meint El Achak. Allerdings erlebe sie immer noch Diskriminierung, Antisemitismus und Rassismus. „Da müssen wir wachsam sein.“ Grundsätzlich wünsche sie sich eine Anerkennung der menschlichen Vielfalt in Dietzenbach und der damit einhergehenden Chancen. „Wir brauchen Begegnungen, bei denen es keine Rolle spielt, wie der andere aussieht und wo er herkommt.“ (Barbara Scholze)

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