Stadtverordnete verschaffen sich einen Überblick

Kita II an der Brunnenstraße: Verstopfte Rohre und Behelfstreppen

+
Kindergartenleiterin Ines Lesser zeigt die Waschräume der Kita II, die noch auf dem Stand der 1960er Jahre sind.

Dietzenbach - Dass das Gebäude der Kita II an der Brunnenstraße nicht mehr zeitgemäß ist, war vorher klar. Was die Stadtverordneten jedoch vor Ort zu Gesicht bekommen, offenbart die Dringlichkeit einer Sanierung beziehungsweise eines Neubaus. Von Barbara Scholze 

Derzeit ist es ein Haus voller Gespensterchen, Herbstäpfel und Kürbisse. Doch auch die liebvolle Dekoration und die für die kleinen Bewohner so wichtige perfekte Ordnung können den Verfall nicht überdecken. Die Kita II an der Brunnenstraße ist mehr als in die Jahre gekommen. Gebaut im Jahr 1969 wurde sie bis heute niemals grundrenoviert, sondern immer nur geflickt. Nun stellt sich die Frage, ob eine Sanierung überhaupt noch möglich ist. Eine Vorlage des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung sieht einen kompletten Neubau vor. 4,2 Millionen Euro würde das neue Gebäude kosten, beinhalten soll es auch Raum für zusätzliche Gruppen. Heranziehen will die Verwaltung für die Finanzierung Geld, das eigentlich in zwei andere Betreuungseinrichtungen fließen sollte: Mittel aus dem Kommunalen Investitionsprogramm (KIP), ursprünglich vorgesehen für die Kitas an der Talstraße (460.000 Euro) und der Kurt-Schumacher-Allee (66.000 Euro).

Beim Rundgang anlässlich eines Ortstermins für die Stadtverordneten offenbart sich die Motivation für die Neubau-Idee auf den ersten Blick. Die Waschräume sind im Originalzustand der Bauzeit in den 1960er Jahren. „Die Toiletten machen uns oft Probleme, immer wieder sind die Rohre verstopft“, berichtet Kindergartenleiterin Ines Lesser. Die Dusche ist schon lange nicht mehr benutzbar, auch die Höhe der Waschbecken für die kleinen Buben und Mädchen nicht geeignet. Staunend betrachten die Stadtverordneten ebenso die meist auf Putz verlegten elektrischen Leitungen. „Wir können nicht in zwei Gruppen zeitgleich Waffeln backen, dann fliegt der FI-Schalter raus“, erzählt Lesser. Die Enge in den Gruppenräumen ist schnell sicht- und auch spürbar. Um Notausgänge zu gewährleisten, sind Behelfstreppen von innen und außen angestellt. Auch die Fensterrahmen sind ein halbes Jahrhundert alt, „von Energiesparen wollen wir hier gar nicht sprechen“, so die Erzieherin. Beim Gang in die Krippengruppe – derzeit bevölkern 100 Kindergartenkinder und 18 U3-Betreute die Einrichtung – verstummen die Gespräche. Der Wickeltisch steht mitten im Raum, fließendes Wasser gibt es erst nach einem Gang über den Flur. „Das ist alles natürlich nur geduldet im Hinblick darauf, dass irgendwie um- oder neu gebaut werden muss“, teilt Ines Lesser mit. Schwierig sei die Situation zudem für die Mitarbeiter, so dient etwa der Personalraum zugleich als Elternsprechzimmer oder wird für Sprachförderung genutzt.

Sollte das Haus grundsaniert werden, führe eins zum anderen, sind sich die Bausachverständigen einig. So müsse etwa bei einem Austausch der Fenster die Heizung einen neuen Platz finden, bei einer Fußbodenheizung werde die Höhe der Bodenplatte zum Problem. „Das wäre alles sehr aufwendig“, heißt es.

Kita-Lunch statt Abendkarte: Als Koch-Azubi im Catering

Entsprechend fällt die anschließende Beratung im Bauausschuss aus. „Nach meiner persönlichen Meinung ist die Kita völlig überaltert und gehört weg“, meint der Ausschussvorsitzende Harald Nalbach (WIR-BfD). Ähnliche Überlegungen kommen von der CDU. „Wir setzen uns durchaus mit der Idee eines Neubaus auseinander, allerdings vielleicht eher an einer anderen Stelle“, sagt Helmut Gieseler. Schließlich sei das Gelände wertvoll und gut für eine Wohnbebauung geeignet. Andrea Wacker-Hempel (Grüne) weist auf den wachsenden Bedarf und bereits vorhandene Wartelisten hin. „Wenn wir schon neu bauen, sollten wir genügend Platz schaffen.“

Wegen zusätzlichem Beratungsbedarf stimmen die Ausschussmitglieder nicht ab. Bis zur Stadtverordnetenversammlung am Freitag, 17. November, soll die Vorlage in leicht veränderter Form wieder vorliegen. „Es geht jetzt darum zu entscheiden, ob wir neu bauen oder nicht und dazu die KIP-Mittel umwidmen“, sagt Sandra Homberg, Fachbereichsleiterin Bau- und Immobilienmanagement. Alles Weitere könne im Anschluss besprochen werden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare