Duo vertreibt Kleidung aus fairer Produktion

Grundstoff.net: „Schnapsidee“ aus der Scheune

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Dietzenbach - Ob hinter kleinen Ladentheken in der Altstadt oder in großen Hallen im Gewerbegebiet: Die Dietzenbacher Unternehmenswelt hat einiges zu bieten. In loser Reihenfolge werfen wir einen Blick hinter die Kulissen. Diesmal haben wir die Firma Grundstoff besucht. Von Lisa Schmedemann

Viele Erfolgsgeschichten beginnen in der Garage eines Einfamilienhauses. So haben etwa der Trickfilmzeichner Walt Disney und Apple-Gründer Steve Jobs klein und unscheinbar angefangen. Die Geschichte von Grundstoff – ansässig im Industriegebiet der Kreisstadt – begann im rund 50 Kilometer entfernten Echzell im Wetteraukreis. Dort besitzen die Eltern von Nico Leschhorn einen Bauernhof, dessen Scheune viel Platz für eine „astreine Schnapsidee“ zweier bester Freunde bot. Bei Grundstoff ist der Name Programm. Jegliche T-Shirts, Pullover, Blusen und andere Kleidungsstücke finden sich auf der Internetseite des Unternehmens ohne Stickereien oder Aufdrucke. „Wir führen ein ganzjähriges Sortiment mit Basissachen“, erläutert der zweite Mitbegründer von Grundstoff, Denis Opper. Somit ist nicht nur das Material, sondern auch die Ideologie nachhaltig. „Solche Basics braucht man immer, und die haben natürlich auch Verschleiß“, sagt Leschhorn.

Die Zeiten, in denen man das Loch in der Socke selbst stopft, sind vorbei. Als die beiden Freunde auf ihre ursprüngliche Idee kamen, T-Shirts bedrucken zu lassen, scheinen sie den richtigen Riecher zur rechten Zeit gehabt zu haben: Bereits im Jahr 2006 gingen sie ins Netz, als das Onlineshopping für Bekleidung noch in den Kinderschuhen steckte. „Wir wollten eigentlich nur T-Shirts bedrucken, aber irgendwie hat dann alles gepasst“, erinnert sich Leschhorn. „Wir wollen die Gegenbewegung zu teuren Markenklamotten sein“, begründet Opper den Schritt. Schließlich wolle er nicht, dass seine Kunden als Werbeplakat herumlaufen. Die Kleidungsstücke sollen für sich sprechen. „Die Teile von großen Herstellern sind nur einen Sommer lang im Trend und landen danach im Müll – das ist nicht unser Stil“, führt er aus. Opper und Leschhorn ergänzen sich gut. Der ehemalige kaufmännische Angestellte und der frühere Freie Grafiker sind nach eigenen Aussagen „mit dem Internet erwachsen geworden“. „Grundstoff.net“ ging schließlich nach dem neuen Konzept im Februar 2007 online. Neben der Nachhaltigkeit zeichnet den Onlineshop vor allem eines aus: schneller Versand. „Wenn unsere Kunden etwas vor 17 Uhr bestellen, ist es meist am nächsten Tag da“, sagt Opper. Natürlich versandkostenfrei. Dass die Männer aus der Wetterau in den Kreis Offenbach gezogen sind, ist ebenso gut durchdacht. „Die Nähe zum DHL-Paketzentrum in Obertshausen gewährleistet diesen zügigen Versand“, weiß Leschhorn.

Zu den früheren Standorten gehörten Heusenstamm und Rodgau, seit September 2014 ist das Unternehmen mit größerem Lager in Dietzenbach ansässig. „Wir bauen jetzt schon wieder die Lagerflächen um, weil mir mehr Platz brauchen“, betont Opper. Pro Woche verlassen 1 200 bis 1 700 Pakete das Lager, Tendenz steigend. Bei einer Auswahl von 3 500 verschiedenen Artikeln überrascht dieser Umstand nicht. Neben Bekleidung für Männer, Frauen und Kinder vertreibt Grundstoff beispielsweise Rucksäcke, Handtücher und nachhaltigen Schmuck. „Bei den Rucksäcken haben wir etwa darauf geachtet, dass recyceltes Polyester verwendet wird“, informiert Opper. Die Kooperation mit Wild Fawn Jewellery aus London ist die jüngste, die das Dietzenbacher Unternehmen eingegangen ist. Um auf dem neuesten Stand zu bleiben und Hersteller zu finden, die zur Firmenideologie passen, besuchen die Wetterauer entsprechende Leitmessen. Jüngst stand ein Besuch auf der „Innatex“, eine Fachmesse für nachhaltige Textilien, im Taunus an. Seit Januar 2014 haben Grundstoff ausschließlich fair gehandelte Textilien im Angebot.

Siegel als Orientierung: Umweltbewusst und nachhaltig wohnen

Was ist das nun, nachhaltig und öko-fair? „In der Textilbranche gibt es verschiedene Siegel und Zertifikate, die etwas über die Produktionsbedingungen der Materialien aussagen“, erläutert Opper. Dabei gebe es „das“ Siegel leider noch nicht. „Baumwolle kann zwar Bio sein, aber nicht öko-fair und andersrum“, sagt er, „alles Interpretationssache“.

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