Vor rund vierzig Jahren

Vielseitige Gestalterin erschafft zwei Skulpturen für Dietzenbach  

Inge Hagner, hier mit Bürgermeister Jürgen Rogg (rechts) und Michael Würz, Technischer Betriebsleiter des Städtischen Betriebe, hat die Stahlskulptur „Die vier Fraktionen“ und die Brunnenanlage an der Talstraße geschaffen. - Fotos (2): p

Dietzenbach - Mit ihren Skulpturen hat Inge Hagner die Kreisstadt bereits vor vierzig Jahren mitgestaltet. Nun empfing Bürgermeister Jürgen Rogg die Künstlerin. Von Barbara Scholze 

So ist es oft mit Kunst im öffentlichen Raum: Wer Tag für Tag vorbeiläuft, nimmt die Skulptur oder die Malerei meist nicht mehr wahr, es kommt zu Gewöhnung oder eher Selbstverständlichkeit. Auch in der Kreisstadt gibt es Kunst, die längst zum Alltag gehört. Dennoch lohnt sich ein genauer zweiter Blick. Vor allem, wenn das Werk von einer Künstlerin stammt, die als eine der wenigen Frauen den öffentlichen Raum in Frankfurt und der Rhein-Main-Region gestalterisch geprägt hat. Für Dietzenbach hat die Frankfurter Kreative Inge Hagner zwei ihrer Meisterstücke geschaffen. Die Stahlplastik mit dem Namen die „Vier Fraktionen“ aus dem Jahr 1976, die mittlerweile auf der Grünachse zwischen Rathaus und Masayaplatz steht. Und eine etwas versteckt liegende gleichalte Brunnenanlage aus Travertin an der Talstraße.

80 Jahre alt ist Inge Hagner vor wenigen Monaten geworden. Etwas mehr als vier Jahrzehnte ist es her, dass sie die Stadt mitgestaltet hat. Grund genug für Bürgermeister Jürgen Rogg, Hagner zu einem Besuch in die Kreisstadt zu bitten. Zumal sie so Gelegenheit hatte, den neuen Standplatz der Plastik zu begutachten. Sind die „Vier Fraktionen“ doch vor einigen Jahren von ihrem ursprünglichen Platz vor dem Rathaus auf die Grünachse gezogen.

„Heute müssten sie acht Fraktionen in einer Skulptur verbinden“, sagte Bürgermeister Jürgen Rogg scherzhaft in Anspielung auf die aktuelle Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung. Doch auch das wäre für die vielseitige Gestalterin wohl kaum ein Problem. Bereits in ihren Kinder- und Teenagerzeiten schmiedete Hagner ihr Talent. Nach ihrem Studium an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach besuchte sie die Goldschmiedeklasse in Hanau und die Werkstatt für Kupfer- und Silberschmiedearbeiten des deutsch-französischen Schriftstellers Georg K. Glaser in Paris.

Mehr als 30 Kunstwerke hat Hagner in der Rhein-Main-Region geschaffen. Darunter die Triton-Brunnenanlage in Bad Nauheim und eine Trennwand aus Porzellan in der Jahrhunderthalle Höchst. Eines ihrer bekanntesten Werke ist die Brunnenanlage in der Frankfurter Freßgass. „Die vier Fraktionen“ waren das Ergebnis eines städtischen Künstlerwettbewerbes, bei dem Hagner die Jury überzeugte. Bis heute zeigt sie sich vor allem fasziniert von der Beleuchtung. Das Licht im Inneren sei besonders wichtig, hatte die Künstlerin schon früh in einem Interview festgestellt. „Nur so kann sich die Skulptur richtig entfalten und den Eindruck entstehen lassen, sie hebe sich vom Boden ab.“

Im Schaffen von Inge Hagner findet sich nichts Statisches. Sie hat Schmuck und Möbel produziert, Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen gefertigt und immer wieder an großformatigen Kupfer- und Bronzeskulpturen gearbeitet. „Das könnte ich heute nicht mehr“, sagt sie in Bezug auf den enormen körperlichen Kraftaufwand.

Vieles in Hagners Werk ist darauf ausgelegt, Begegnungen mit Menschen festzuhalten und die Wahrnehmung der Künstlerin dabei auszudrücken. Geschaffen hat sie so etwa Abbildungen von Weggefährten wie Albert Mangelsdorff, dem Jazz-Pianisten Michel Petrucciani und Ray Charles. Überhaupt die Musik: „Ich habe immer versucht, die Jazz-Musik in meinen Gestalten mit umzusetzen“, sagt sie.

Bilder: „Mein schönstes Selfie mit Ludwig“

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