Lehrer und Schüler berichten über das Corona-Schuljahr

„Viertklässler haben am meisten gelitten“

Auch an der Ernst-Reuter-Schule geht ein außergewöhnliches Schuljahr mit einer Mischung aus Homeschooling, Wechsel- und Präsenzunterricht zu Ende: Wie auf dem Bild die Klasse 10cR haben insgesamt 112 Realschüler und 44 Hauptschüler der Abschlussklassen ihre Zeugnisse unter freiem Himmel auf dem Schulhof entgegengenommen, die sonst übliche Abschlussfeier musste wegen der Corona-Pandemie entfallen.
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Auch an der Ernst-Reuter-Schule geht ein außergewöhnliches Schuljahr mit einer Mischung aus Homeschooling, Wechsel- und Präsenzunterricht zu Ende: Wie auf dem Bild die Klasse 10cR haben insgesamt 112 Realschüler und 44 Hauptschüler der Abschlussklassen ihre Zeugnisse unter freiem Himmel auf dem Schulhof entgegengenommen, die sonst übliche Abschlussfeier musste wegen der Corona-Pandemie entfallen.

Heute endet ein Schuljahr, das wegen der Corona-Pandemie ein außergewöhnliches war und alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen stellte. Auch die Dietzenbacher Schüler und Lehrer verabschieden sich in die wohlverdienten Sommerferien, doch wie beurteilen sie das vergangene Schuljahr? Und welche Hoffnungen oder Befürchtungen haben sie für das kommende? Unsere Redaktion hat sich umgehört.

Dietzenbach – Für alle Schüler, Eltern und Lehrer sei die Situation nicht leicht gewesen, „am meisten gelitten hat jedoch die vierte Jahrgangsstufe“, sagt Bettina Houari Fah, Leiterin der Regenbogenschule. Denn besonders die Viertklässler mussten auf viele Aktivitäten verzichten, die zum Ende der Grundschulzeit auf dem Lehrplan stehen, zum Beispiel der Schwimmunterricht. „Wir haben eine Generation von Schülern, von denen zwei Drittel nicht ausreichend schwimmen können.“ Auch die Verkehrserziehung mit Polizisten und die Fahrradprüfung fielen aus, die Folge: „Wir lassen Kinder am Straßenverkehr teilnehmen, die noch gar nicht fit dafür sind.“ Ebenso ist die erste Klassenfahrt für die Viertklässler ausgefallen, bedauert Houari Fah.

Auch wenn sie „vollstes Verständnis“ für die Corona-Maßnahmen äußert, seien diese für Kinder „eine große Katastrophe“. So hat die Schulleiterin festgestellt, dass sich die Mädchen und Jungs während der Schulschließungen zu wenig bewegt hätten und kaum draußen gewesen seien. „Die Kinder haben einen großen Bewegungsdrang und Nachholbedarf.“

Für Sicherheit bei Lehrkräften, Eltern und Kindern habe das Testkonzept gesorgt. Dadurch seien einige Infektionen frühzeitig erkannt worden: „Alle Kinder, die positiv getestet wurden, hatten keine Symptome, ein PCR-Test hat in sämtlichen Fällen jedoch den Verdacht bestätigt.“ So seien möglicherweise weitere Ansteckungen im Klassenverband verhindert worden. Für das kommende Jahr plant das Kollegium der Regenbogenschule zweigleisig: „Wir machen einen alternativen Stundenplan, sodass wir auf Schulschließungen und Wechselunterricht kurzfristig reagieren können.“ Houari Fah begrüßt, dass das Kultusministerium für die ersten zwei Wochen nach den Sommerferien Maskenpflicht und drei (statt wie bisher zwei) Schüler-Testungen pro Woche angeordnet hat.

Auch Hans-Peter Löw, Leiter der Heinrich-Mann-Schule (HMS), hält eine solche Maßnahme für sinnvoll, „denn die Gefahr ist nach den Ferien am größten“. Masken und Tests seien ohnehin mittlerweile Routine, auch nach der Aufhebung der Maskenpflicht habe eine große Mehrheit der Schüler ihren Mund-Nasen-Schutz aufbehalten. Löw befürwortet eine Impfung der Schüler ab zwölf Jahren: „Ich würde das empfehlen, weil das gibt mehr Sicherheit.“ Außerdem befürchte er auch „Long-Covid-Folgen“ für die Kinder. Letztlich sei es aber eine Entscheidung der Eltern. Außerdem spricht er sich dafür aus, Menschen in „prekären Wohnverhältnissen niederschwellige Impf-Angebote zu machen, den dort ist die Ansteckungsgefahr am größten“.

Bedauerlich sei, dass das Land zum kommenden Schuljahr noch nicht rechtzeitig das versprochene Videokonferenzsystem zur Verfügung stellen kann: „Da muss das Land eine Lösung finden.“ Den von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn inzwischen geförderten Einsatz von Luftfiltern hält er für eine „gute Ergänzung, zumindest in den innen liegenden Räumen, wo eine Lüftung problematisch ist“. Allerdings befürchtet er, dass mit der großen Nachfrage auch der Preis für Luftfilter steige, außerdem müssten die Folgen bedacht werden: „Wenn die Anlagen nicht regelmäßig gewartet werden, ist der Schaden größer als der Nutzen.“

Fabio Keller, Schülersprecher an der HMS, berichtet, dass die Maskenpflicht für die Kinder und Jugendlichen „kein Problem“ sei. Auch der Onlineunterricht habe nach anfänglichen Schwierigkeiten gut funktioniert. „Es ist allerdings frustrierend, dass kein Ende absehbar ist.“ Der Zehntklässler wünscht sich, dass die Jugend mehr Gehör in der „großen Politik“ findet, „denn wir haben während der Pandemie gezeigt, dass man sich auf uns verlassen kann und dass wir Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen können“.

Britta Sauer, Musiklehrerin an der Aueschule, ist ebenfalls der Überzeugung, dass es nach rund eineinhalb Jahren Ausnahmezustand an der Zeit ist, die Kinder selbst einmal anzuhören. „Denn sie sind es, denen am meisten zugemutet wird“, macht Sauer deutlich. Aus diesem Grund – und um trotz Abstand wieder einmal etwas gemeinsam zu machen – hat die Aueschule einen Podcast über den Alltag während Corona aufgenommen. Dabei wird allzu deutlich, dass das Lernen im Homeschooling und der fehlende Kontakt zu den Mitschülern für viele Kinder tiefe Einschnitte bedeuten. Der Podcast kann auf der Internetseite der Aueschule gehört werden. (Von Niels Britsch und Anna Scholze)

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