„Alle Kontakte sind geblieben“

Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Dietzenbach blickt auf die vergangenen Monate zurück

Seit Monaten ist die Arbeit der Flüchtlingshilfe eingeschränkt. Besuche in den Unterkünften, etwa an der Lise-Meitner-Straße, sind aktuell nicht möglich.
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Seit Monaten ist die Arbeit der Flüchtlingshilfe eingeschränkt. Besuche in den Unterkünften, etwa an der Lise-Meitner-Straße, sind aktuell nicht möglich.

Gerd Wendtlands Kalender ist aktuell ziemlich leer. Auch noch für die kommenden Wochen und Monate steht bei dem Vorsitzendem der Flüchtlingshilfe fast nichts an. „Abgesehen von einigen privaten Terminen gibt es da nichts, das kommt sonst nie vor“, sagt er. Seit Beginn der Corona-Pandemie läuft bei Wendtland und seinen Mitstreitern kaum noch etwas wie sonst. Deutschkurse, Besuche in den Flüchtlingsunterkünften, persönliche Treffen mit den Menschen, die die Ehrenamtler betreuen – vieles konnte nicht stattfinden.

Dietzenbach – Schon gleich während des ersten Lockdowns sei es ihnen nicht mehr möglich gewesen, die drei Flüchtlingsunterkünfte in der Kreisstadt zu betreten. „Da hatten wir Hausverbot“, erzählt Gerd Wendtland. So wie auch jetzt wieder. Selbst im Sommer, als zwar vieles wieder grundsätzlich erlaubt war, galt es für die Aktiven der Flüchtlingshilfe, besondere Vorsicht walten zu lassen. „Viele unserer Helfer sind selbst aufgrund ihrer Alters in der Risikogruppe.“ Treffen im Freien und gemeinsame Spaziergänge auf Abstand mit den Geflüchteten waren darum auch in der warmen Jahreszeit alles, was möglich war. Vieles, was die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer an Unterstützungsarbeit leisten, läuft darum seit Monaten telefonisch. Und die Vorsicht der Helfer bewehrte sich. Denn schließlich habe es mittlerweile Corona-Ausbrüche in zwei der drei Flüchtlingsunterkünften in Dietzenbach gegeben, erzählt Gerd Wendtland. In der städtischen Unterkunft an der Justus-von-Liebig-Straße sei nach einigen positiv Getesteten eine Etage unter Quarantäne gestellt worden, die Kreisunterkunft an der Paul-Brass-Straße habe man wegen mehrerer Corona-Fälle für zwei Wochen komplett abschotten müssen.

Generell sei die Corona-Zeit für die Geflüchteten keine leichte, vor allem für diejenigen, die derzeit in den Unterkünften leben, sagt Wendtland. Abgesehen von den oft beengten Wohnverhältnissen gebe es etwa an der Paul-Brass-Straße das Problem einer nicht vorhandenen WLAN-Verbindung. „Der Kreis tut sich da noch etwas schwer.“ Problematisch sei das in der aktuellen Situation vor allem etwa für Schüler und Auszubildende, deren Unterricht teilweise übers Internet stattfindet. „Das ist dann schon eine erhebliche Benachteiligung“, gibt Wendtland zu bedenken. Aber auch viele bürokratische Angelegenheiten seien für die Geflüchteten in der Pandemie noch schwieriger zu meistern als ohnehin schon.

Trotz allem, was die Arbeit der Flüchtlingshilfe aktuell erschwert, blickt der Vorsitzende grundsätzlich positiv auf das vergangene Jahr zurück. „Wir haben bis jetzt tatsächlich zu allen Personen, die wir betreuen, den Kontakt halten können“, erzählt er. Unter den aktuellen Voraussetzungen sei das keine Selbstverständlichkeit. Und auch von den ehrenamtlichen Helfern sei bislang niemand abgesprungen. Trotzdem befürchtet Gerd Wendtland, dass sich einige Aktive andere Hobbys suchen könnten, wenn die Corona-Einschränkungen noch länger dauern. Er hofft darum – wie alle seine Mitstreiter bei der Flüchtlingshilfe – darauf, dass schon bald wieder alles in mehr oder weniger gewohnten Bahnen laufen kann. Vor allem natürlich um der Geflüchteten Willen.

„Die Probleme werden ja trotz Corona nicht weniger“, sagt Wendtland. So seien etwa im Laufe der vergangenen Monate 30 bis 40 Neuankömmlinge in den Dietzenbachern Unterkünften eingezogen, zu denen die Flüchtlingshelfer bisher noch gar keinen Kontakt hatten. „Insbesondere für sie hoffen wir – sobald es die Situation zulässt – wieder Deutschkurse in kleinen Gruppen anbieten zu können.“ Vorbereitet dafür sei alles, die Helfer stehen in den Startlöchern. (Von Lena Jochum)

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