Interessensgemeinschaft Energie bemängelt falsche Abrechnungen der EVD

Weiter verhärtete Fronten bei Dietzenbacher Fernwärme

Per Anschlusszwang verpflichtet: Rund 1200 Dietzenbacher beziehen Fernwärme bei der EVD.
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Per Anschlusszwang verpflichtet: Rund 1200 Dietzenbacher beziehen Fernwärme bei der EVD.

Jedes Jahr im Oktober bekommen die rund 1200 Fernwärmekunden von der Energieversorgung Dietzenbach (EVD) ihre Abrechnungen zugesandt. Und jedes Jahr, so scheint es, hat ein Teil der Kunden etwas daran zu bemängeln. Die EVD spricht von Einzelfällen. Laut der Interessensgemeinschaft Energie gibt es hingegen „zahlreiche erzürnte Kunden“. Die Fronten zwischen Kunden und Versorger wirken weiter verhärtet.

Dietzenbach – „Die mir soeben zugesandte Fernwärme-Abrechnung enthält seltsamerweise lediglich Minimaldaten, wodurch unmöglich wird, die Ordnungsmäßigkeit des Abrechnungsvorgangs zu überprüfen“, schreibt uns etwa ein Leser, der 2019 bei einem Verbrauch von 21,3 Kilowattstunden im Jahr 1787 Euro gezahlt hat und für 2020 bei weniger Verbrauch (20,8) allerdings nicht unerheblich mehr zahlen (1972 Euro) soll. Auch vonseiten der Interessensgemeinschaft (IG) Energie, der rund 300 Fernwärmebezieher aus Dietzenbach angehören, heißt es: „Wir haben aus den zahlreichen erzürnten Rückmeldungen entnommen, dass bei (fast) allen eine weitere Erhöhung der Preise erfolgt war, sogar bei geringerem Verbrauch.“ „Das alles zeigt, wie chaotisch der Verein ist“, schimpft Doris Schamell, eine der Sprecherinnen der IG. Ihr Mitstreiter Manfred Geske hat festgestellt: „Unsere CO2-Abgabe ist ein Viertel höher als bei der Mainova.“ Der Unterschied sei die vergangenen Jahre nie so hoch gewesen. Eine Möglichkeit auf etwa einen günstigeren Gastarif umzusteigen, haben die Fernwärmebezieher nicht. Es besteht bekanntlich ein Anschluss- und Benutzerzwang.

Thomas Vollmuth (EVD): „Emissionen unserer Fernwärme besser als im Durchschnitt Deutschlands“

EVD-Geschäftsführer Thomas Vollmuth, der im Oktober die Nachfolge von Lena Blazek angetreten hat, meint zu den Vorwürfen der IG: „Nach Versendung der Abrechnungen gehen auch dieses Jahr Einzelfälle im Kundenzentrum ein.“ Da werden dann die Abrechnungsparameter überprüft. Diese können sich auf die Verbrauchsdaten, aber auch auf verbuchte Zahlungen beziehen. Vollmuth rät Kunden, sich an das Kundenzentrum der Stadtwerke zu wenden. Bezüglich der CO2-Abgabe sagt er, die Mainova habe eine andere Erzeugungs-Struktur und damit eine andere Kalkulation, „die wir nicht genau kennen und nicht detailliert beurteilen können“. Gleichwohl könne er sagen, dass der Erzeugungspark der Mainova ein gänzlich anderer ist, da sie über mehrere Kraftwerke verfüge. „Wir verfügen nicht über ein Erdgaskraftwerk, damit sind die Emissionen gänzlich andere.“ Vollmuth verweist darauf, dass die Emissionen „unserer Fernwärme besser sind als im Durchschnitt Deutschlands.“ Das gehe aus der aktuellen Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung hervor.

Es gibt aber weitere Punkte, die die IG stören, etwa die Kosten für Messung und Abrechnung über 100 Euro, die die EVD aufruft: „Mir ist nicht bekannt, dass man fürs Rechnung schreiben Gebühren nehmen kann“, sagt Schamell. Immerhin müssten die Kunden die Zählerstände ja selbst ablesen. Vollmuth erwidert darauf: „Auch wenn die Kunden die Zählerstände selbst ablesen, fallen für die Erstellung der Abrechnungen, Kundenservice und für die Verarbeitung der Zählerdaten Kosten an, die unabhängig von Verbrauch und Anschlusswert sind.“ Ebenso sei die Zählermiete ein nicht unerheblicher Bestandteil. Somit werden diese als separate Position in dem jeweiligen Tarif geführt, erläutert der EVD-Geschäftsführer.

Interessensgemeinschaft meint, Angebot verhöhnt Kunden, die letzte Jahr Vertrag geschlossen haben

Apropos Tarif, auch da drückt der Interessensgemeinschaft der Schuh: „Dieser ,neue’ Vertrag verhöhnt zunächst diejenigen, die möglicherweise den Anfang des Jahres angebotenen Vertrag unterschrieben haben, denn der jetzige Vertrag ist wirklich etwas günstiger.“ Dazu komme aber auch, dass durch die aktuelle Preisentwicklung auf dem Energiemarkt die Preise stärker sinken werden müssen, als der im vorliegenden Vertrag angebotene Preis. „Denn jetzt schon ist abzusehen, dass die Preise für die nächste Preisberechnung fallen werden, stärker als im Vertragsangebot vorgesehen“, warnt Geske.

Vollmuth wirbt dagegen mit attraktiven Tarifen, die die EVD neben dem öffentlich-bekanntgemachtem Preissystem biete. Diese seien auf „aktuellem rechtlichen und technischen Stand“ und enthielten „klar definierte Kündigungsfristen“. Darüber hinaus gebe es jährlich einen Tarif, der zusätzlich angeboten wird. „Zudem erhalten Kunden, die sich für den Tarif ,EVDBasic’ entscheiden, einen günstigeren Verbrauchspreis, einen stabilen Grundpreis sowie einen jährlichen Online-Bonus“, so Vollmuth.

Auch den Vorwurf, die IG sei in die gegründete Arbeitsgruppe nicht eingebunden, weist Vollmuth zurück. „Die Anliegen der IG wurden durch die in der Arbeitsgruppe eingebundenen politischen Vertreter sowie auch durch die Geschäftsführung der EVD eingebracht.“ Ein erster Austausch zwischen der IG und der Geschäftsführung der Stadtwerke habe nach dem Geschäftsführerwechsel stattgefunden. Doch man nehme den Wunsch der IG „gerne auf“ und freue sich auf einen Austausch.

Die IG-Vertreter indes bestätigen zwar das Gespräch, sagen ansonsten habe es fast zwei Jahre keinen Austausch mehr mit der Arbeitsgruppe gegeben, berichtet Gisela Schiratis-Erlat von der IG und sagt mehr oder weniger resignierend: Die Politik hat überhaupt kein Interesse, daran etwas zu ändern.“ (Ronny Paul)

Infos: energieversorgung-dietzenbach.de; Stadtwerke-Kundenzentrum, z 06074-2113-000; Kontakt zur Interessensgemeinschaft Energie per Mail an energie@familie-erlat.de.

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