Weltwärts-Freiwillige berichten

Von Piñatas und Protesten

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In der Gesprächsrunde ging es auch um ernste Themen wie die Proteste in Nicaragua.

Dietzenbach - In drei Vorträgen berichteten Freiwillige des weltwärts-Programms aus Nicaragua über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit der Kreisstadt. Dabei ging es um die Fastnacht, das Essen, aber auch um die gewaltsamen Proteste in Lateinamerika. Von Lisa Schmedemann 

Brot, Brot, Brot. Bei der Präsentation über ihre Zeit in Deutschland sorgt die Nicaraguanerin Grethel mit dieser Feststellung für Lacher im Publikum. Sie gehört zu einer Gruppe von drei Freiwilligen, die seit sieben Monaten aus der Partnerstadt Masaya zu Besuch sind. Die „weltwärts“-Bewegung des Bundesministeriums bietet diesen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst an und der Verein für internationalen Beziehungen (VIB) pflegt dieses Programm in Dietzenbach. Jeder im Alter von 18 bis 28 Jahren kann daran teilnehmen. Der „Rückkehrer“ Niklas Klein erzählte jüngst von seinen Erlebnissen während seines Dienstes in Nicaragua (wir berichteten) und nun kommen in der St. Martin-Gemeinde die drei Freiwilligen der mittelamerikanischen Partnerstadt zu Wort.

Den Anfang macht Martin. Der BWL-Student ist sichtlich aufgeregt, denn der deutschen Sprache ist er noch nicht so mächtig. Doch er erhält Unterstützung aus dem Publikum: Dort sitzen ehemalige und zukünftige Freiwillige, Gasteltern, Mentoren und Interessierte, die ihm die richtigen Vokabeln zuraunen. „Dafür, dass sie erst seit etwas mehr als einem halben Jahr in Deutschland sind, können die drei schon richtig gut Deutsch“, lobt Martins Gastvater. Der Freiwillige berichtet von seinen Familien in Masaya und Dietzenbach, seinen Hobbys und seinem Arbeitsplatz in der Betreuung der Astrid-Lindgren-Schule. Eine bunte Präsentation mit vielen Fotos an der Leinwand begleitet seine Worte.

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Aura und Grethel tun es ihm gleich. In ihren Gastfamilien und am Arbeitsplatz haben die Mittelamerikaner deutsche Bräuche und Feste kennengelernt. Als klarer Favorit geht daraus die „Fassenacht“ hervor, die sie in Form von Kinderfasching und dem Dietzenbacher Fastnachtsumzug erlebten. Ostern mit Hasen, Eiern und Schokolade belegt den zweiten Platz. Zu ihrem Geburtstag brachte Grethel eine Piñata mit in die Kita XI, ein Geburtstagsbrauch aus Lateinamerika. Der Süßigkeitenregen aus der bunten Pappmaschee-Figur war für die Kinder ein Spektakel. „Das war meine erste selbstgebastelte Piñata“, verrät Grethel. Eine weitere Aufgabe der drei Freiwilligen ist es, Vergleiche zwischen den Ländern aufzuzeigen. Auf der Leinwand sind links reichhaltige mittelamerikanische Gerichte zu sehen und rechts ist neben deftigem Schweinebraten vor allem eines aufgeführt: Brot. Der Aspekt Bildung weist jedoch den größten Unterschied auf. „In Nicaragua fehlen die Mittel“, sagt Hansel, der vor einem Jahr seinen Dienst in Deutschland absolviert und nun in Frankfurt ein Master-Studium begonnen hat. Lateinamerika könne viel von Deutschland und seiner Geschichte lernen, betont der Student.

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Der Austausch auf kultureller und sozialer Ebene ist das Herzstück des weltwärts-Programms. Die Atmosphäre in dem kleinen Raum neben der gelben Kirche ist nicht nur freundlich, sondern familiär. Lennard und Julia haben vor fünf Jahren ihren Freiwilligendienst in Masaya absolviert und kommen regelmäßig zu den Veranstaltungen des Vereines. „Die aktuelle Situation in Nicaragua geht natürlich nicht an mir vorbei“, sagt Lennard. Auch die anderen Anwesenden wirken bedrückt. „Wir sind alle erschüttert“, sagt die Verantwortliche des VIBs und bittet um eine Schweigeminute, um den Menschen zu gedenken, die während der Proteste in Nicaragua den Tod gefunden haben. Fischer berichtet, dass es den deutschen Freiwilligen jedoch gut gehe und sie in regem Kontakt zum Verein und ihren Familien stehen würden.

Die Proteste überschatten die Vorfreude der zukünftigen Freiwilligen kaum. Angelina, Julia und Ralf treten im Sommer ihre Reise in die Partnerstadt an. Zuvor müssen einige Dinge wie beispielsweise das Visum geklärt werden, die Fischer mit den Jugendlichen erledigt.

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