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Deutsche Post: Karte kommt mit drei Jahren Verspätung an - Frau verzweifelt

Gleich mehrere Postkarten sind nicht angekommen.
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Gleich mehrere Postkarten sind nicht angekommen.

Eine Frau aus Dietzenbach im Kreis Offenbach wundert sich über verschwundene Karten. Auch die Deutsche Post kann keine Antwort liefern.

Dietzenbach - Wenn innerhalb weniger Monate von knapp 30 abgesendeten Karten etwa ein Viertel nicht ankommt, ist der Ärger berechtigt. Widerfahren ist dies der Dietzenbacherin Irmgard H., sie möchte ihren (der Redaktion bekannten) Namen nicht in der Zeitung lesen, aber auf das Problem aufmerksam machen.

Bekannten und Freunden schickt sie zu besonderen Anlässen gerne eine Glückwunsch-Karte in einem Briefumschlag. Allerdings sind seit November acht ihrer Grußbotschaften nicht bei den Adressaten angekommen. So habe sie am 12. April je eine Karte nach Bremen und München geschickt, erzählt die Dietzenbacherin. Die Umschläge habe sie in den Briefkasten vor der Postbank eingeworfen – beide sind bislang verschollen. Als sie davon erfuhr, wählte sie bei der nächsten Sendung bewusst den Briefkasten im Gustav-Heinemann-Ring – in der Hoffnung, dass ihre Karte nun vielleicht den Adressaten erreichen würde. Aber auch die am 19. April versendete Gratulationspost ins Allgäu ist bislang nicht angekommen. Bereits zwischen November und Februar seien fünf ihrer Sendungen verschollen, erzählt Irmgard H., die nun bezweifelt, dass es sich um Einzelfälle handelt.

Dietzenbach im Kreis Offenbach: Kundin befürchtet Diebstahl

Also fragte sie zum Beispiel beim Empfänger eines Ende März nach Wiesbaden geschickten Umschlags nach und erfuhr, dass diese Karte zwar angekommen war, allerdings gleich im Doppelpack: Denn gleichzeitig erhielt er zu den aktuellen Glückwünschen eine drei Jahre alte Karte von der Dietzenbacherin, die diese im Jahr 2018 abgeschickt hatte. „Der Briefumschlag war aufgerissen“, habe ihr der Empfänger berichtet. Immerhin war der reichlich verspäteten Sendung ein Entschuldigungsschreiben der Post beigefügt – eine zufriedenstellende Erklärung für die dreijährige Zustellverzögerung lieferte das Unternehmen jedoch nicht.

Irmgard H. möchte eigentlich ungern jemanden beschuldigen, aber für sie liegt nahe, dass jemand die Glückwunsch-Karten abfängt und öffnet, in der Hoffnung, darin Geld zu finden. „Ich kann doch jetzt nicht jedesmal bei meinen Freunden und Bekannten anrufen und fragen, ob meine Karten angekommen sind“, ärgert sie sich. Künftig werde sie ihre Umschläge an einem Schalter abgeben, kündigt sie an.

Deutsche Post in Dietzenbach: Trotz lückenloser Daten - Karten bleiben verschwunden

„Auch nach erneuter Überprüfung der Leerungsdaten der genannten Briefkästen, können wir keinerlei Hinweise auf etwaige Unregelmäßigkeiten in der Briefkastenleerung erkennen. Alle erforderlichen Scan-Daten sind lückenlos vorhanden“, heißt es hingegen von der Post. „Auch andere Hinweise auf etwaige Unregelmäßigkeiten vor Ort liegen uns bislang nicht vor.“ Allerdings sei die Einlieferung in den Briefkasten auch nur das erste Glied einer längeren Transportkette, „so dass wir Fehler in den nachfolgenden Transportschritten nicht ausschließen können“, so der Sprecher des Unternehmens.

Man habe die Anfrage der Redaktion zum Anlass genommen, um sowohl Kollegen im Betrieb vor Ort als auch die Mitarbeiter der Betriebssicherheit noch einmal entsprechend zu informieren. „Wir bedauern sehr, dass wir Ihnen keine konkretere Antwort zukommen lassen können. Aber gewöhnliche Briefe sind, im Gegensatz beispielsweise zu Paketen, nicht mit Sendungsnummern versehen. Daher sind die Ansatzpunkte für eine erfolgversprechende Recherche bei dieser Versandart grundsätzlich geringer.“

Man gehe dennoch jedem einzelnen Fall nach und empfehle den Kundenservice unter der Nummer 0228 4333112 als erste Anlaufstelle. Auch sei die Erteilung eines Nachforschungsauftrages für einzelne Sendungen durchaus sinnvoll. „So können wir jedes Glied der – bisweilen sehr umfänglichen – Transportkette prüfen und die beteiligten Mitarbeiter befragen, um schlussendlich zu einer verlässlichen Bewertung des Sachverhalts zu gelangen.“

Dietzenbach: Deutsche Post gibt Erklärungsversuch zu drei Jahre verschwundenem Brief

Auch zur Brieflaufzeit von drei Jahren äußert sich der Sprecher: „Zum konkreten Fall kann ich zwar keine Angaben machen. Aber wenn eine Sendung derart lange unterwegs war, dann liegt der Verdacht nahe, dass sie sich sehr lange Zeit außerhalb unserer postalischen Netze befunden hat und erst kurz vor der Auslieferung der Sendung wieder in unsere Netze eingespeist wurde“, so der Erklärungsversuch. „Dass wir eine solche Sendung, wenn wir die ungewöhnlich lange Zeitspanne erkennen, nicht einfach kommentarlos zustellen, sondern mit einer Begleitnotiz versehen, ist dann die Regel.“

Der Fall von Irmgard H. ist indes nicht der einzige in der jüngeren Vergangenheit aus Dietzenbach: Bereits im Februar hatte sich eine Leserin an unsere Redaktion mit einem ähnlichen Problem gewandt. Auch sie hatte an Verwandte, Freunde und Bekannte viele Grußkarten geschrieben und festgestellt, dass seit November die postalischen Grüße vermehrt nicht ankamen. (Niels Britsch)

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