Lehrer aus Kostjukovitschi haben zwei Wochen in Dietzenbach verbracht

Wichtige Alltagserfahrungen

Besuch aus Weißrussland: Einmal mehr hat der Freundeskreis Kostjukovitschi eine Lehrerfortbildung organisiert. Foto: P

Dietzenbach – Es war nicht der erste Besuch von Roman Plavinski in Dietzenbach. Als Schüler war er schon dort und auch als Student. Nun war der 38-Jährige Teil der Lehrerdelegation, die zwei Wochen in der Kreisstadt verbrachte. VON CHRISTIAN WACHTER

Es fällt ihm nicht leicht, zu sagen, welcher Aufenthalt der schönste war. „Was die persönlichen Eindrücke angeht, wohl der erste, er war auch ein wichtiger Impuls für mich, Lehrer zu werden“, sagt er in fließendem Deutsch. „Auch wegen der Zeit, die ich mit der Gastfamilie verbringen konnte. “ Was die fachliche Seite angehe allerdings, so sei die jüngste Reise wohl die wichtigste gewesen, so der Weißrusse.

Einmal mehr waren Pädagogen aus Dietzenbachs weißrussischer Partnerstadt Kostjukovitschi zu Besuch in der Kreisstadt, um an einer Fortbildung teilzunehmen (wir berichteten). Das vom Freundeskreis Kostjukovitschi initiierte Konzept ist in zwei Abschnitte gegliedert, sodass immer ein Teil der Delegation schon einmal mitgemacht hat. Fünf neue und drei schon bekannte Gesichter waren es diesmal. Neben modernen Unterrichtsmethoden, die den Weißrussen für den qualifizierten Deutschunterricht in der Heimat helfen sollen, liegt immer auch ein Schwerpunkt auf den Freizeitaktivitäten – mit kulturellem Aspekt natürlich.

Sieben Tage hospitierten die Gäste an der Ernst-Reuter-Schule (ERS), geballtes Wissen gab es drei Tage lang an der Bildungsstätte der Hessischen Lehrkräfteakademie. Und auch Vecih Yasaner ließ sie für ein Wochenende an seiner Expertise und Erfahrung teilhaben. Mit diesem Fundament nahmen einige auch die Chance wahr und gestalteten selbst eine Unterrichtsstunde an der ERS.

„Das Programm der Fortbildung in lehrtechnischer Hinsicht war herausfordernd“, heißt es in einer Mitteilung des Freundeskreises. Schließlich gehe es darum, zu vermitteln, wie man den Unterricht so gestalten kann, dass die Schüler in Weißrussland weiterhin gerne Deutsch als Fremdsprache lernen.

Eben letzteres, sagt Roman Plavinski, sei gut gelungen. Etwas unterscheidet ihn von den anderen der Reisegruppe. Während diese an Schulen in der Stadt oder im Kreis Kostjukovitschi unterrichten, bringt er Studenten Deutsch an der Wirtschaftsuni Mink bei. „Ob in der Wirtschaft oder der Touristik, es lohnt sich, mindestens eine zweite Fremdsprache zu lernen“, betont er. Seinen Studenten wird er etwa von der Stadtrallye berichten, die er und die anderen Lehrer in Dietzenbach absolvierten. Davon, wie man ein Heißgetränk in einem Café im Hessentagspark bestellt oder an einem Fahrkartenautomat versucht, ein Kurzstreckenticket zu ziehen – und dabei merkt, dass das auch für manch Einheimischen ein schwieriges Unterfangen ist. „Bei all diesen Situationen lernt man mehr, als wenn man nur zuhört.“

Auch Christina Filimonova wird ihren Schülern einiges zu erzählen haben. Sie unterrichtet in einem Dorf in der Umgebung Kostjukovitschis: 50 Kilometer sind es von dort bis zu russischen Grenze, 70 Schüler gibt es, von denen 50 Deutsch lernen. Die Loreley, über die auch Heinrich Heine einst schrieb, hat sie inzwischen selbst gesehen. Das Gedicht steht immerhin auf dem Lehrplan. Die 21-Jährige wird aber auch vom Weinfest erzählen, wie hierzulande bei derlei Anlässen das Tanzbein geschwungen wird und davon, dass sie sich einfach einzeln zu anderen Gruppen auf die Bierbank gesetzt haben. Dietmar Kolmer, Vorsitzender des Freundeskreises, hat nämlich ganz bewusst keine Tische reserviert, damit die Weißrussen fast gar keine andere Wahl hatten, als auch mal mit einem mundartgefärbten Zungenschlag in Kontakt zu kommen.

Gefördert wird das Projekt nach wie vor vom Auswärtigen Amt. Durch die Lehrkräfteakademie kommt Unterstützung auch vom Land.

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