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Wider die garstigen Brennhärchen

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GDL fordert, die Bekämpfung des Prozessionsspinners auf den Steinberger Wald auszuweiten. Der Bauwagen des Waldkindergartens (oben) stand im Sommer mehrere Wochen leer – in jener Zeit, in der der Eichenprozessionsspinner seine Brennhärchen verliert.
GDL fordert, die Bekämpfung des Prozessionsspinners auf den Steinberger Wald auszuweiten. Der Bauwagen des Waldkindergartens (oben) stand im Sommer mehrere Wochen leer – in jener Zeit, in der der Eichenprozessionsspinner seine Brennhärchen verliert. © mat

Dietzenbach -   Michael Würz ist das Problem hinlänglich bekannt: „Jedes Jahrs auf’s Neue“, sagt der Leiter der Städtischen Betriebe im Bezug auf die Plageraupen, die seit 2006 alljährlich zwischen März und Juni die Bäume – vor allem Eichen – in der Kreisstadt belagern. Von Ronny Paul

Bevor aus den Raupen ein Schmetterling mit dem sperrigen Namen Eichenprozessionsspinner wird, stellen sie eine gewisse Gefährdung für Spaziergänger oder auch Schwimmbadbesucher dar. Besser gesagt deren Haare: Denn die kleinen Gifthärchen, welche die Raupen verlieren, bevor sie sich verpuppen, können bei Kontakt juckende Hautexzeme auslösen und auch für Augen sowie die Atemwege gefährlich sein.

Daher hat die Grüne Dietzenbacher Liste (GDL) einmal mehr einen Antrag gestellt, dass zusätzlich zu den bisher schon betroffenen Waldgebieten am Hexenberg sowie an Schwimmbad und Waldstadion auch Steinberger Waldgebiete vor dem Eichenprozessionsspinner geschützt werden. Das betrifft Spaziergänger und Freizeitsportler, aber auch, wie berichtet, Steinberger Schul- und Kindergartenkinder sowie den Waldkindergarten „Hoppetosse“, der zuletzt im vergangenen Jahr in der kritischen Phase für mehrere Wochen sein angestammtes Domizil im Wald verlassen musste.

Mischung aus Besprühung und Absaugung

Die GDL fordert nun eine Kombination aus Besprühung und Absaugung: „Eine Mischung aus beidem ist im ersten Jahr sinnvoll, da dadurch die Masse an Nestern vernichtet wird“, sagt GDL-Abgeordneter René Bacher. Dann seien sowohl die Larven als auch die Härchen weg – „und das ist entscheidend“. Schließlich verbleiben die Brennhaare der Raupe für mehrere Jahre in unmittelbarer Nähe der Nester und werden auch vom Wind weitergetragen, erklärt Bacher.

Diese Arbeiten sollten in den kommenden Jahren rechtzeitig ausgeführt werden, damit sowohl eine existenzielle Gefährdung der Eichenbestände als auch die Gefahr für die öffentliche Sicherheit eingedämmt werde, heißt es in dem Antrag. Sollte es zu weiterem Befall in anderen Gebieten kommen, so müssten auch dort geeignete Maßnahmen ergriffen werden, sagt Bacher.

Das sieht Würz auch so. Doch er weiß, dass die Bekämpfung der Plageraupe angesichts der leeren Stadtkasse vor allem eine Frage des Geldes ist. Drei mögliche Arten der Bekämpfung wären prinzipiell möglich: Ein Überfliegen der Waldgebiete, das Absaugen der betroffenen Bäume mit Schutzanzügen sowie das Besprühen mittels eines Gebläsefahrzeugs. „Das Überfliegen ist die günstigste, aber auch die ökologisch unsinnigste Variante“, sagt Würz. In den vergangenen Jahren wurde dem Problem, wie berichtet, mit Absaugen entgegengetreten: Das allerdings sei die teuerste Lösung.

Eindämmung zwischen März und Mai

Auf dem Plan der Städtischen Betriebe steht bislang nur die Eindämmung der Raupenpopulationen am Hexenberg sowie an Schwimmbad und Waldstadion, mit der je nach Klima zwischen März und Mai begonnen wird. Über neu hinzukommende Waldgebiete in Steinberg müssten deshalb die Stadtverordneten abstimmen und die zusätzlichen Kosten abwägen, sagt Würz, der versichert, „das Möglichste gegen die Plageraupe zu unternehmen“.

Hessen Forst fordere in jedem Fall nachhaltiges Handeln, habe aber, kritisiert Bacher, die gesundheitlichen Risiken nicht im Blick. In anderen Bundesländern sei die Bekämpfung der Plageraupe zur Pflichtaufgabe für die Kommunen erklärt worden. Forstamtsleiter Christian Münch erläutert dagegen, Gesundheitsschutz falle juristisch gesehen nicht in das Aufgabengebiet eines Forstamts. Dieses sei für den Waldschutz verantwortlich – und für die Waldbestände stelle das Insekt nun einmal keine Gefährdung dar. Wenn es dagegen um Gesundheitsschutz geht, sind die Gesundheitsämter gefragt.

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