Willkommensgrüße auf Urdu

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Die Ahmadis haben ihre Moschee im Theodor-Heuss-Ring eröffnet. Rogg hofft auf friedliches Miteinander.

Dietzenbach -  Die Kreisstadt hat seit gestern offiziell eine dritte Moschee. Die Ahmadiyya-Gemeinde eröffnete das umgebaute Firmengebäude am Theodor-Heuss-Ring.  Von Nina Beck und Christoph Zöllner

Und zwar mit ihrem geistigen Oberhaupt Kalif Hazrat Mirza Masroor Ahmad, der eigens mit seinem Gefolge aus London angereist war.  In einer Reihe aufgestellt, stimmten Mädchen in weißen Gewändern, mit roten Kopftüchern und Deutschlandfähnchen in den Händen einen Gesang an, die ihnen gegenüberstehenden Jungen stimmten ein, als der Kalif in einer schwarzen Limousine auf den Hof einfuhr. Die Mitglieder der Ahmadiyya begrüßten ihn mit einem Gebetgesang, es folgte ein erster Handschlag auf dem roten Teppich mit Bürgermeister Jürgen Rogg und Erstem Stadtrat Dietmar Kolmer, bevor Hazrat Mirza Masroor Ahmad eine Tafel mit dem Moscheenamen enthüllte.

„Bait ul Baqi Moschee“ heißt das Gebetshaus, der „Ewigbleibende“ oder auch „Treueeid zu Gott“, mit 105 Betplätzen. Zwei Gebetsräume, einer 160 Quadratmeter, einer rund 120 Quadratmeter groß, sind in der einstigen Produktionshalle des „Bindomatic“-Gebäudes mit der Hausnummer 48 entstanden, daneben gibt es eine Bücherei, eine Küche, einen Raum für Kinder und sechs Büroräume, wie Abdullah Uwe Wagishauser in seiner Rede sagte. 510.000 Euro habe die Gemeinde das Gebäude gekostet, die Renovierung weitere 200 000 Euro.

„Einige Hindernisse vor der Eröffnung erfahren“

Weiterhin ging Wagishauser auf die lange Geschichte der Ahmadiyya in Dietzenbach ein, seit Mitte der 70er Jahre sind etliche Mitglieder schon heimisch hier. „Einige Hindernisse“ habe die Gemeinde erfahren müssen, bevor es nun zu dieser Eröffnung kommen konnte, so Wagishauser, der auch an die Bürgerversammlung im Bürgerhaus erinnerte. Die Mehrheit habe aber akzeptiert, dass eine Moschee notwendig wurde. Und „alles in allem“, sagte er, habe man „gute Unterstützung von allen Verantwortlichen in Dietzenbach erfahren“.

Der Bürgermeister überraschte die Ahmadis wie wohl auch einige Dietzenbacher Lokalpolitiker, die zur Eröffnung gekommen waren, mit einer Begrüßung auf Urdu. „Es galt und gilt, Vorurteile und Ängste abzubauen“, sagte Rogg. Religionsfreiheit sei in Deutschland gesetzlich verankert, so lange sich die Ausübung auf dem Boden des Grundgesetzes bewege.

Die meisten werden wohl zu Fuß zum Gebet gehen

Es sei für Alt-Dietzenbacher nicht immer leicht, wenn sich Fremde in ihrer Mitte einfänden. „Da begegnet man einander manchmal mit Misstrauen. Das alles haben Sie erlebt, und trotzdem haben Sie nicht nachgelassen in Ihrem Bestreben um ein friedliches Miteinander“, sagte Rogg.

Wie berichtet, hält die Gemeinde neun Parkplätze auf ihrem Gelände bereit. Die aus ihrer Sicht unzumutbare Verkehrssituation ist eines der Hauptargumente der Moschee-Gegner, die 2010 die „Bürgerinitiative Haus 48“ gegründet hatten. Indes gehen die Ahmadis davon aus, dass ein Großteil der Gläubigen zu Fuß zum Gebet kommen wird. Auf ihrer Internetseite rät die Bürgerinitiative, die Verkehrslage zu beobachten und etwaige Beschwerden ins Rathaus und an die Presse zu schicken.

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