Waldkindergarten Hoppetosse

Bei Wind und Wetter im Wald

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Auch auf dem Waldboden kann es gemütlich sein: Erzieher Bernd Haas liest seinen Schützlingen spannende Geschichten vor. Zwischen all den Abenteuern, die die Kinder im Wald erleben, muss auch Zeit für ruhige Momente sein.

Dietzenbach - Die Kinder des Waldkindergartens Hoppetosse sind bei Wind und Wetter draußen unterwegs. Tag für Tag erkunden sie mit ihren Erziehern den Wald, spielen, basteln und klettern unter freiem Himmel. Von Lena Jochum 

Dabei lernen die Kleinen eine ganze Menge über die Tier- und Pflanzenwelt. „Wir sind jeden Tag im Wald, das macht Spaß“, berichtet die vierjährige Mia begeistert. Langweilig sei es ihr und ihren Freunden im Waldkindergarten Hoppetosse nie. An Seilen schaukeln, die Natur erkunden und unter freiem Himmel malen, das gefällt den Kindern.

Dass das Wetter schon mal ungemütlich werden kann, macht den kleinen Entdeckern nichts aus. Sie sind ausgerüstet. Wetterfeste Kleidung ist im Waldkindergarten Pflicht. Vor allem dann, wenn es wie in der vergangenen Woche immer wieder ordentlich regnet. „Bei Regen spannen wir einfach eine Plane auf “, sagt Waldpädagoge Bernd Haas. Sogar bei Minusgraden geht es für die Hoppetosse-Kinder in den Wald. Sollten die Witterungsbedingungen zu extrem sein, kommt der Waldkindergarten im nahegelegenen Montessori-Kinderhaus unter. Das aber passiert nur bei starkem Sturm und Gewitter. Heute ist es zwar bewölkt, aber einem Kindergartentag im Grünen steht nichts im Wege.

Gerade als sich die neun Kinder und ihre drei Erzieher einen Platz für das morgendliche Frühstücks-Ritual ausgesucht haben, kommt Unruhe auf. Zwei Jungs zeigen stolz ihren Fund: das Nest eines Eichen-Prozessionsspinners. Ganz so cool wie ihre Schützlinge finden das die Erwachsenen nicht. Schnell packen alle ihre Brotdosen wieder ein. Haas bestimmt: „Das ist zu gefährlich, wir gehen woanders hin.“ Weiter geht’s zum sogenannten Froschplatz. Dort ist die Gruppe öfter. Aus Ästen und Stöcken haben sie einen Sitzkreis errichtet. Endlich können die Drei- bis Sechsjährigen Obst und Brote aus ihren Rucksäcken holen, um sich zu stärken. Mit dem obligatorischen „Guten Appetit, Frau Schmitt!“ wird es ruhig im Kreis.

Die Ruhe aber ist gleich vorüber, schnell sind die Kleinen satt und wollen ihr Tagwerk verrichten. Jakob hat die Idee, den Bollerwagen, der die Kinder auf ihren täglichen Wanderungen begleitet und mit allerhand Material beladen ist, sauber zu machen. Seine Freunde sind mit von der Partie.

Klar, dass es da nicht darum geht, das Gefährt mit Wasser und Putzmittel zum Glänzen zu bringen. Die Kinder haben dafür nämlich eine ganz besondere Technik. Von den Wurzeln eines umgestürzten Baumstumpfes kratzen sie feinen Sand ab. Wenn man mit dem die Metallstangen des Wagens abreibt, erläutern sie, seien die wieder ganz sauber.

Für die weniger Putz-Begeisterten hat Haas’ Kollege Sven Schön heute Ton mitgebracht. Auf einer Plastikplane sitzend töpfern die kreativen Kinder Teller und Tassen, aber auch ausgefallenere Werke. Den Jungs haben es Dinosaurier angetan. Sie modellieren Köpfe, Beine und Knochen der längst ausgestorbenen Tiere. Später werden die Stücke aus Ton gebrannt.

Spielzeug hat der Waldkindergarten nicht im Gepäck. „Natürlich dürfen die Kinder mal ein Auto zum Spielen mitbringen“, sagt Bernd Haas. Am Ende, weiß der ausgebildete Waldpädagoge, bliebe das aber oft im Rucksack. Wald, Bäume und Tiere sind spannend genug. Das findet auch Sascha. Vom geschäftigen Treiben der Putzteufel und Kunsthandwerker will der Fünfjährige nichts wissen. Am Froschplatz hat er einen persönlichen Kletterbaum und in Windeseile hangelt er sich in luftiger Höhe von Ast zu Ast.

Zurück am Boden untersucht Sascha die umstehenden Pflanzen und Sträucher, findet dabei sogar einen kleinen Frosch. Kurz darauf macht er eine weitere Entdeckung. „Achtung, hier ist Fingerhut“, ruft er laut, als er das hübsche aber heimtückische Gewächs entdeckt. Denn Fingerhut, das wissen Sascha und die anderen Hoppetosse-Kinder genau, ist giftig, der Verzehr kann tödlich sein. Da aber hat Haas keine Sorge: „Die Kinder kennen alle Giftpflanzen und sind vorsichtig.“ Dass die Kleinen den Wald kennenlernen und wissen, wie sie mit Tier- und Pflanzenwelt umgehen, ist den Erziehern wichtig. Gerade in der Stadt sei das nicht selbstverständlich.

Zwischendurch muss aber immer wieder Zeit sein für ganz normale Kindergarten-Momente. Auch im Wald steht Vorlesen hoch im Kurs. Nach einem aufregenden Vormittag mit giftigen Tieren und Pflanzen scharen sich die kleinen Abenteurer schnell um Bernd Haas, als der anfängt, von Meerjungfrauen und Delfinen vorzulesen. Die wurden nämlich bisher im Wald noch nicht gesichtet.

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