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Winfried Senkbeil, Dietzenbachs bekanntester Tanzlehrer

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Von: Barbara Scholze

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Dietzenbach - Generationenvon Dietzenbachern lernten bei ihm das Tanzen: Heute feiert Winfried Senkbeil seinen 70. Geburtstag. Von Barbara Scholze

Winfried Senkbeil feiert heute Geburtstag.
Winfried Senkbeil feiert heute Geburtstag. © scho

„Oh Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen.“ Was der Philosoph Augustinus empfahl, hat in Dietzenbach einer fast sein ganzes Leben lang beherzigt. Winfried Senkbeil, Generationen bekannt als Tongeber der Kommandos „rechts vor“, „links seit“, „rechts schließen“, feiert heute seinen 70. Geburtstag. Er habe einen etwas ungewöhnlichen Einstieg in den professionellen Tanzunterricht gehabt, verrät der grauhaarige Gentleman. Senkbeil heiratete als junger Mann seine Tanzlehrerin und entdeckte so eine Leidenschaft, die ihn für den Rest seines Lebens nicht mehr verlassen sollte. Noch während seines Studiums als Maschinenbauer machte er eine Ausbildung zum Tanzlehrer. „Irgendwann wusste ich dann einfach, dass ich dabeibleiben wollte.“ In den siebziger Jahren eröffnete das Ehepaar eine erste Tanzschule in Langen. „Das waren die goldenen Zeiten des Unterrichts“, erinnert sich Senkbeil. Kontakt nach Dietzenbach hatte er damals schon. „Ich habe im Jahr 1978 im Foyer der Ernst-Reuter-Schule für die Volkshochschule die ersten Tanzstunden in Dietzenbach gegeben“, erzählt er. Daraus entwickelte sich ein Tanzkreis, der lange im Gemeindehaus der ehemaligen Rut-Gemeinde an der Rodgaustraße zu Gast war.

Nach der Trennung von seiner Frau wagte Senkbeil dann im Jahr 1990 den kompletten Umzug in die heutige Kreisstadt. Er eröffnete eine Tanzschule in einem ehemaligen Möbelhaus an der Ecke Bahnhofstraße/Babenhäuser Straße. Ganzen Generationen von Dietzenbachern brachte er dort die richtigen Schrittkombinationen bei. „In den Jugendkursen herrschte meist ein Mangel an jungen Männern“, erinnert er sich. Zum letzten Schülerkurs lud er im Jahr 2011. „Das war der angenehmste von allen, denn es kamen nur Paare.“ Die Ängste der Männer vorm Tanzen hat der Lehrer bis heute nicht verstanden. „Die Frauen lernen vielleicht leichter und schneller, aber den Männern muss man nur ein bisschen Zeit lassen“, sagt er.

Mit großen Abschlussbällen im Bürgerhaus feierten Senkbeil und seine Schüler über viele Jahre die frisch errungenen Tanzkünste. Dann war es auch Zeit für ein paar Tipps in Richtung Etikette. „Ich würde zum Beispiel nie das Jackett ausziehen, auch wenn es noch so warm ist“, sagt der Tanzlehrer. Ebenso sei es für seine Schüler selbstverständlich gewesen, niemals mit brennender Zigarette durch den Saal zu gehen, als in der Feststätte noch geraucht werden durfte. „Manchmal mussten dann die Jugendlichen ihren Eltern solch guten Sitten beibringen.“ Vieles habe sich mit zunehmendem Emanzipationsbestreben der jungen Frauen verändert. „Die meisten wollen den Stuhl heute gar nicht mehr gerückt haben.“ Auch die Musikauswahl sei schwieriger. „Früher konnte man noch langsamen Walzer auf Stücke der Popmusik tanzen.“

Vor fünf Jahren, pünktlich zum Rentenalter, hat Winfried Senkbeil seine Tanzschule geschlossen. Allerdings nicht so ganz. Noch immer ruft er mehrmals in der Woche seine Tänzer zusammen, mittlerweile im Europahaus an der Offenthaler Straße. „Egal, mit welcher Stimmung ich in die Tanzschule gegangen bin, ich bin immer gut gelaunt nach Hause gekommen“, erzählt er. Das gelte auch heute noch.

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