„Wir fühlen uns an keine Verpflichtung gebunden“

Dietzenbach - FWG lässt weiter offen, ob sie Dietmar Kolmer (CDU) zum Ersten Stadtrat wählt

Nina Beck und

Christoph Zöllner

Die für März vorgesehene Wahl eines Ersten Stadtrates wirft immer noch einen Schatten auf das Bündnis zwischen CDU und FWG. Helmut Butterweck, Parteichef und Fraktionsvorsitzender der hiesigen Christdemokraten, räumte ein, dass die Unstimmigkeiten in der Koalition noch nicht gänzlich ausgeräumt sind. „Wir haben letzte Woche zusammengesessen, es sind aber noch Gespräche zu führen“, so Butterweck. Dass die FWG nach dem Vorpreschen der CDU einen eigenen Kandidaten aufstellen könnte, glaubt er jedoch nicht: „Das wäre gegen den Koalitionsvertrag.“

Jedenfalls sehen die Freien Wähler keinen Zwang, den von der CDU nominierten Stadtverordneten Dietmar Kolmer mitzutragen: „Wir fühlen uns an keine Verpflichtung gebunden, Herrn Kolmer wählen zu müssen“, sagt FWG-Fraktionsvorsitzender Günther Weller. Er rechnet allerdings damit, dass sich Teile der fünfköpfigen Fraktion bei der Abstimmung im Parlament für Kolmer entscheiden, „sollte er tatsächlich Kandidat der CDU sein“.

Daran lässt Butterweck keinen Zweifel und dementierte Gerüchte, wonach die CDU einen weiteren Kandidaten für das Amt des Ersten Stadtrats im Auge habe. „Wir haben uns entschieden“, stellte der CDU-Chef auf Anfrage klar. Zwar scheint Kolmer in den eigenen Reihen umstritten zu sein, indes muss er zurzeit keinen Gegenkandidaten von anderer Seite fürchten. SPD-Vorsitzender Rainer Engelhardt hatte bereits angekündigt, dass die Sozialdemokraten keinen Bewerber um die Nachfolge des im August 2007 ausgeschiedenen Werner Hoch (SPD) ins Rennen schickt. Und Grünen-Chef Lothar Niemann will zunächst abwarten, ob Kolmer auf Anhieb gewählt wird. Falls nicht, werde über einen Gegenkandidaten zu reden sein.

Weller, Vorsitzender des neunköpfigen Wahlvorbereitungsausschusses, hat derweil die förmliche Ausschreibung für die Stelle des Ersten Stadtrates vorbereitet. Dass die FWG einen Kandidaten aufstellt, hält er für „theoretisch möglich, aber weltfremd“. Schließlich habe die FWG derzeit mit Birgit Deller-Henneberg und Harald Fuchs zwei ehrenamtliche Stadträte, die CDU mit Hans-Willi Willems nur einen. Für die hauptamtlichen Posten des Ersten Stadtrates und des Bürgermeisters hat die CDU laut Koalitionsvertrag das Vorschlagsrecht. Indes unter „beratender Beteiligung“ der FWG. Die Freien Wähler hatten bemängelt, dass sie von der Kolmerschen Kandidatenkür erst aus der Zeitung erfuhren (wir berichteten).

Dass im bürgerlichen Lager zurzeit mit harten Bandagen gekämpft wird, belegt der kursierende Einwand, wonach eine Wahl Kolmers die Stadt  teuer zu stehen käme. Denn sie müsste die Pensionsansprüche übernehmen, die Kolmer während seiner Zeit bei der Polizei erworben hat. Ein Argument, dass Weller nicht gelten lässt. Auch Jürgen Heyer und Werner Hoch hätten als Lehrer vor ihrer Wahl bereits Ansprüche erworben. „Es wäre unfair, deshalb jemanden nicht zu wählen“, meint Weller. Letztlich sollte die Qualifikation des Kandidaten im Vordergrund stehen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare